Darwinbogen Königs Wusterhausen
: Wie ist es, fast ohne Nachbarn zu wohnen?

In Königs Wusterhausen stehen neue Wohnungen bereit. Doch sie bleiben weitgehend leer. Sind die neuen Bewohner zufrieden?
Von
Maria Häußler
Königs Wusterhausen
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Pascal Zeplin wohnt am Darwinbogen in Königs Wusterhausen. Er findet es besser als Berlin.

Pascal Zeplin wohnt am Darwinbogen in Königs Wusterhausen. Er findet es besser als in Berlin.

Maria Häußler
  • Neubausiedlung Darwinbogen in Königs Wusterhausen bleibt weitgehend leer.
  • Nur 30 Prozent der Wohnungen sind vermietet, Mieten gelten als möglicher Grund.
  • Laut Anzeigen: 2 Zimmer, 71,9 m² für 1019 Euro kalt; 4 Zimmer, 103,2 m² für 1449 Euro kalt.
  • Bewohner berichten von Ruhe und guten Ausstattungen – Küche, Fußbodenheizung, Tiefgarage.
  • Kritik aus Nachbarschaft: hohe Mieten und Kitagebühren, teils Auto nötig für den Alltag.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wohnblocks mit bunten Fassaden, Sitzgelegenheiten vor den Eingängen und ein Spielplatz stehen seit knapp einem halben Jahr am Darwinbogen in Königs Wusterhausen bereit. Doch die Straße, die durch die Neubausiedlung führt, ist die meiste Zeit verlassen und die meisten Klingelschilder sind weiß. Im Berliner Speckgürtel ist die Nachfrage nach Mietwohnungen hoch. Trotzdem bleiben in Königs Wusterhausen viele Neubauten leer. Woran könnte das liegen?

Am Darwinbogen sind nur 30 Prozent der Wohnungen vermietet. Das teilt Michael Rücker, Sprecher der Quarterback Immobilien AG auf Anfrage mit. In der Nachbarschaft und in der Stadtverordnetenversammlung vertreten viele die Meinung, dass das an erhöhten Mieten liegt.

Wieviel die Mieter pro Quadratmeter bezahlen und dazu, warum die Wohnungen aus seiner Sicht leer stehen, macht Rücker „aus unterschiedlichen Gründen“ keine Angaben. Vor Fertigstellung der Wohnungen, im Dezember 2025, hieß es, dass sich die Kaltmieten zwischen 15,50 Euro und 17 Euro pro Quadratmeter bewegen werden.

Eine weitere Geisterstadt in Königs Wusterhausen

Laut den Anzeigen bei der Plattform Immobilienscout kostet eine Zweizimmerwohnung am Darwinbogen in der Emma-Ihrer-Straße mit 71,9 Quadratmetern 1019 Euro kalt und 1235 Euro warm. Eine Vierzimmerwohnung mit 103,2 Quadratmetern ist demnach für 1449 Euro kalt zu haben, warm sind es 1860,40 Euro.

Speckgürtel

Alles Wichtige aus dem Berliner Speckgürtel.

In Königs Wusterhausen stehen auch andernorts neue Wohnungen leer. Am Nottekanal gibt es ein Neubauprojekt, in das nur wenige Bewohner eingezogen sind. Zielgruppe sind dort vielmehr alte Menschen, die barrierefreie Wohnungen brauchen. Das Wohngebiet wurde in den Medien als „Geisterstadt“ bezeichnet.

Mehrere Besuche am Darwinbogen für eine Recherche blieben zunächst erfolglos. In dem Viertel war einfach niemand unterwegs. Doch an einem Freitagnachmittag Anfang Oktober sind dann gleich mehrere Bewohner und Nachbarn bereit, über ihren Eindruck von der Neubausiedlung am Darwinbogen zu sprechen.

Der Darwinbogen in Königs Wusterhausen ist menschenleer. Wie wohnt es sich hier?

Der Darwinbogen in Königs Wusterhausen ist menschenleer. Wie wohnt es sich hier?

Maria Häußler

Eine Familie mit zwei Kindern, Eltern und Großeltern geht den ansonsten verlassenen Gehsteig entlang. Sie sagen, dass sie nicht direkt in diesem Gebiet, aber in der Nachbarschaft wohnen. Gedanken zum Leerstand hätten sie sich schon gemacht.

„Die Wohnungen sind schön, aber teuer“, findet  der Vater. „Und die gestiegenen Kitagebühren sind auch ein Grund, nicht aus Berlin hierherzuziehen.“ In Berlin ist die Kita kostenlos, während es in Königs Wusterhausen einen Staffelpreis je nach Einkommen gibt. Sonst gäbe es nichts zu kritisieren: „Die Spielplätze und die Grünanlagen sind schön. Es gibt Garagen und deshalb viel Platz.“ Seinen Namen möchte er nicht nennen.

In einem der Blocks steht im Erdgeschoss eine Tür offen. „Musterwohnung“, steht dort. Doch es scheint niemand da zu sein, der die Wohnung präsentiert.

Dann geht doch noch ein Bewohner den Gehsteig entlang. Der 34-jährige Pascal Zeplin ist gebürtiger Berliner und kommt gerade von der Arbeit bei einer Sicherheitsfirma. „Auf jeden Fall besser als in Berlin“, findet er es hier zu wohnen. „Ich mag die Atmosphäre. Es ist ruhiger“, sagt er. „Die Wohnung ist teuer, aber es geht schon. Das ist halt Neubau.“ Zeplin sagt, er sei froh, dass er einfach einziehen konnte und nicht renovieren musste.

„Auf jeden Fall besser als in Berlin.“
Pascal Zeplin
Bewohner in dem Neubauprojekt am Darwinbogen

Knapp über 1000 Euro warm für 45 Quadratmeter gibt er als Mietpreis an. Tiefgaragenstellplatz, Einbauküche und Fußbodenheizung inklusive. Pascal Zeplin befürchtet, dass es „heftig“ wird, wenn das Wohngebiet voll wird. „Aber momentan ist es super.“ Ein Nachteil, der andere Bewerber abschrecken könnte, sei, dass man ein Auto braucht, vermutet Zeplin. Die Wohnung zu bekommen, sei sehr unkompliziert gewesen.

Der Darwinbogen liegt im äußersten Nordwesten der Stadt, nahe der Autobahn A10. Wer von hier zum Bahnhof will, muss dafür Zeit einplanen. Zu Fuß sind es gut 35 Minuten, mit dem Fahrrad knapp unter 15. Die Vermietung erfolge durch Anzeigenschaltung über alle bekannten Medien, sagt Sprecher Rücker. Zudem würden Unternehmen aktiv angesprochen, um ihren Mitarbeitern bei der Wohnungssuche zu helfen. Im Projekt seien keine Sozialwohnungen vorhanden.

Eine Frau schließt zwei Fahrräder für ihre Kinder ab. Marta Wojtczak sagt, dass sie aus Polen kommt und aus NRW hierher gezogen ist. 1600 Euro warm zahle die Familie für 80 Quadratmeter und drei Zimmer. „Das ist okay“, sagt sie. Einsam fühlt sie sich hier nicht. „In der ersten Etage wohnen noch zwei weitere Familien und in diesem Block insgesamt sechs Familien.“ Die Wohnungen seien schön und sie hätten keine Probleme.