Deponie in Königs Wusterhausen: Sorge um 25 Meter hohen Müllberg an Autobahn A10

Satellitenaufnahme des Sand- und Kieswerks in der Nähe der Autobahnabfahrt Niederlehme an der A10 bei Königs Wusterhausen.
Google Earth- An der A10 bei Niederlehme ist eine Deponie für 1,6 Mio. Kubikmeter im Gespräch.
- Geplant sind DK0-Abfälle wie unbelastete Böden – jährlich etwa 58.000 Kubikmeter.
- Anwohner fürchten Lärm, Staub und Wertverluste, es drohen rund 144 Lkw-Fahrten pro Tag.
- Betreiber verweist auf Abdichtung, Laborprüfungen und späteren Birkenwald – Kritik hält an.
- Der Bauausschuss lehnt den Antrag ab. Die Stadtverordneten entscheiden am 6. Juli 2026.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Soll Königs Wusterhausen, im Ortsteil Niederlehme, eine Deponie mit 1,6 Millionen Kubikmetern Volumen bekommen? Darüber wird gerade heftig und emotional diskutiert. Bei der Sitzung des Bauausschusses (15.6.) trafen die unterschiedlichen Meinungen der Gemeindevertreter und der Bürger aufeinander.
Zunächst meldete sich ein Anwohner aus Niederlehme im Ausschuss zu Wort: „Wir bekommen eine erhebliche Staub- und Lärmemission – und das für fast 30 Jahre.“ Man befürchtet gesundheitliche Folgen durch die Deponie und einen Wertverlust der Grundstücke und Immobilien. Man rechne mit fast 150 zusätzlichen Lkw täglich, die auf Zernsdorf, Niederlehme und Kablow zukommen.
Tatsächlich würde eine große Menge an Erdaushub und Bauschutt mit Lastkraftwagen in den derzeitigen Sandtagebau in Niederlehme gefahren werden, wenn die Deponie kommt. Auf 17 Hektar soll das Material in der erschöpften Kiesgrube südöstlich der Auffahrt Niederlehme unweit der Autobahn A10 eingelagert werden. Das entspricht etwa viermal der Fläche des Schlossparks Königs Wusterhausen inklusive Schloss und Nebengebäude.
Jährlich 100.000 Tonnen Abfall per Lkw nach Niederlehme
Betreiben möchte diese Deponie die Firma „Sand + Kies Union GmbH Berlin-Brandenburg“ (SKBB), die auch die Kiesgrube am Ort betreibt. Aus dem Bauantrag geht hervor, dass dort über 28 bis 29 Jahre jährlich etwa 58.000 Kubikmeter beziehungsweise 100.000 Tonnen mineralischer Abfälle abgelagert werden sollen. Laut dem Antrag sollen vorrangig „unbelastete Böden“, Steine und Baggergut eingelagert werden, was der niedrigsten „Deponieklasse Null“ entspricht. Nach Abschluss soll die Deponie etwa 10 Meter über dem umliegenden Gelände herausragen.
Die Stadtverwaltung lehnt in ihrem Antrag im Bauausschuss den Bau der Deponie klar ab. In einer Stellungnahme an das Umweltamt Brandenburg geht die Verwaltung davon aus, dass die Deponie bis zu 25 Meter über dem umliegenden Gelände liegen könnte – und nicht 10 Meter, wie vom Betreiber suggeriert. Das wäre nur zwei Meter niedriger als der Wasserturm Niederlehme in der Nachbarschaft an der A10.
Hier widerspricht die SKBB auf Nachfrage: Die Stadt Königs Wusterhausen habe einen falschen Bezugspunkt genommen. Denn die Grube selbst sei 12 Meter tief unter das Niveau des umliegenden Geländes gegraben. Damit würde die Deponie nur 10 bis 12 Meter herausragen. Gerade deshalb sei dort „der geeignete Ort, um genau den ungewollten Effekt der Entstehung eines Berges in der Landschaft zu vermeiden“, so SKBB-Sprecher Manuel Metzig.
Auf der Deponie in Königs Wusterhausen sollen Bäume wachsen
Nach 30 Jahren soll eine ein Meter dicke, sogenannte Rekultivierungsschicht aufgetragen werden, auf der dann ein Birkenwald angelegt wird. Bis es so weit ist, dass auf der Deponie Bäume wachsen, kommt es aber tatsächlich zu einigem Lärm: Aus einer verkehrstechnischen Untersuchung geht hervor, dass für einen Parallelbetrieb aus Sandtagebau und Deponie rund 144 Lkw-Fahrten pro Tag zu erwarten sind.
Gegen den Lärm, den Staub und mögliche Umweltbelastungen regt sich Widerstand: Gudrun Eichler, sachkundige Einwohnerin im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen, Umwelt, Mobilität und Klimaschutz, findet drastische Worte: „Sie schaffen ein widerwärtiges Monster von Bauwerk! Die Deponie würde Aufforstung des Areals für 30 Jahre verhindern. Das ist Generationenbetrug.“
Eichler fürchtet, dass entgegen der Vorgaben nicht nur mineralische Abfälle dort abgelagert werden würden, sondern auch giftige Baustoffe, Abdichtung, Rohre und Leitungen. Sie fordert, dass dort sofort mit der Aufforstung begonnen wird.
Die fünf Deponieklassen in Deutschland
Deponien werden in Deutschland je nach Schadstoffgehalt und Gefährlichkeit der Abfälle in fünf Klassen eingeteilt:
DK 0 für weitgehend unbelastete mineralische Abfälle
DK I und DK II für unterschiedlich belastete mineralische Abfälle
DK III für besonders überwachungsbedürftige schadstoffhaltige Abfälle
DK IV für gefährliche Abfälle mit den höchsten Sicherungsanforderungen
Quelle: Landesregierung Hessen
Hier beruhigt der Betreiber SKBB: „Wir planen die Errichtung einer neuen Deponie der Klasse DK0 im Gebiet, keine ‚Bauschutt-Deponie'. Eine Deponie der Klasse DK0 ist die geringste Klasse für unbelastete mineralische Abfälle. Sie gilt für Materialien ohne Schadstoffe“, so Sprecher Manuel Metzig. Zudem würde zunächst zur Absicherung des Untergrundes eine ein Meter starke Abdichtschicht aus Lehm erstellt. Und alle Materialien, die „in den Deponiekörper eingebaut werden“, würden zudem mehrfach durch externe Labore untersucht.
Was der Zeitplan über mehrere Jahrzehnte bedeutet, kann man auf Satellitenbildern aus dem Juni 2002 erkennen. Damals war die Deponie in Niederlehme noch deutlich kleiner und zum Teil bewaldet. Klicken Sie auf das Bild, um zwischen den Luftaufnahmen von damals und heute zu wechseln:
Andere Gemeindevertreter schätzen die Lage anders ein. Nicolai Neuhauß von den Grünen gibt zu bedenken: „Da ist ein Loch. Und für eine Renaturierung müssen wir das zunächst verfüllen.“ Wenn man sicherstellen könne, dass nur unbelastete Stoffe eingelagert werden, würde er das Vorhaben nicht ablehnen.
Auch Anja Boelitz glaubt nicht, dass eine unmittelbare Aufforstung dort möglich ist: „Dort wird von allein kein Wald entstehen, wegen des Bodens.“ Es könne Aushub von Baustellen dorthin gebracht werden und dann könnten Bäume gepflanzt werden. Man müsse jedoch die Sorgen vor Lärm und Staub durch den Verkehr ernst nehmen und offene Fragen dazu klären.
Kein „neuer Rodelberg“ in Königs Wusterhausen gewünscht
Markus Wenzel von der AfD sieht sogar ökologische Vorteile durch die Deponie: „Bei jeder Brücke und bei jedem Haus fällt Aushub an, der irgendwohin muss. Der wird oft hunderte Kilometer weit gefahren.“ Eine Deponie in der Nähe von Berlin würde viele Lkw-Kilometer sparen. Jedoch wolle man keinen „neuen Rodelberg“, den man schon von der Autobahn aus sehe, so Wenzel.
Der Betreiber der Sangrube SKBB betont, dass mit der Deponie in Niederlehme grundsätzlich nichts Neues geschehen würde. „In den letzten 20 Jahren wurden bereits Böden und unbelastete mineralische Abfälle am Standort des Sandtagebaus Niederlehme regulär zu den bergbaulichen Tätigkeiten angenommen und gelagert.“ In diesem Zeitraum seien bereits etwa 1,1 Millionen Kubikmeter angenommen worden. Nun sollen in den nächsten 27 Jahren 1,6 Millionen Kubikmeter dazukommen.
Dem Antrag der Stadt, der die Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens zum Bau der Deponie ablehnt, stimmte der Bauausschuss einstimmig zu. Eine abschließende Entscheidung trifft die Stadtverordnetenversammlung am 6. Juli 2026.


