Wasserturm Niederlehme
: Wahrzeichen in Königs Wusterhausen — wird er endlich begehbar?

Königs Wusterhausen hat den Wasserturm 2019 gekauft, inzwischen ist er baufällig. Nun kommt Bewegung in die Sache, aber es gibt viele Hürden für eine Nutzung.
Von
Maria Häußler
Königs Wusterhausen
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Der Wasserturm in Niederlehme ist denkmalgeschützt und gilt als Wahrzeichen.

Der Wasserturm in Niederlehme ist denkmalgeschützt und gilt als Wahrzeichen.

Maria Häußler
  • Der historische Wasserturm Niederlehme in Königs Wusterhausen ist baufällig und seit 2019 geschlossen.
  • Ein Nutzungskonzept für den Turm wird von der Stadt gefordert; CDU bringt Thema erneut auf.
  • Heimatverein schlägt Nutzungsideen wie ein Café vor, betont aber hohe Sanierungskosten und Vorschriften.
  • Ortsvorsteherin Ennullat bleibt optimistisch; äußere Erhaltung des Turms hat Priorität.
  • Turm soll wieder als Stadtwahrzeichen erstrahlen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Wasserturm von Niederlehme ist ein Wahrzeichen der Stadt: 1902 aus Kalksandstein nach dem Vorbild des Galata-Turmes in Konstantinopel (heute Istanbul) erbaut, sollte er seiner Zeit für die Qualität des Materials und für den Industriestandort Niederlehme werben.

Heute kennen ihn die Menschen vor allem wegen seiner Nähe zur A10, der Turm ist eine Landmarke. Angeblich konnte er auch deshalb nicht zum Wohnsitz werden: Der Landesbetrieb für Straßenwesen befürchtete, dass Licht im Innern die Autofahrer ablenken könnte.

Der ehemalige Besitzer verkaufte den Wasserturm deshalb 2019 an die Stadt Königs Wusterhausen. Seitdem bleibt der Turm verschlossen und beginnt zu zerfallen: Die Stadt ließ die Fassade im letzten Jahr sichern, weil sich Steine aus dem Gesims lösten. Lockeres Material wurden abgeklopft und geschädigte Bereiche mit Netzen gesichert.

Eine Sprecherin der Stadt teilt mit, dass für den dauerhaften Erhalt eine umfassende Sanierung nötig wäre, die aber nicht geplant ist. Grund sei die Haushaltslage und auch personelle Ressourcen. Außerdem fehle ein Nutzungskonzept.

So sehen tausende Pendler den Wasserturm täglich von der A10 aus:

CDU fordert Nutzungskonzept für den Wasserturm in KW

Am vergangenen Donnerstag machte der Ortsbeirat in Niederlehme einen Beschlussvorschlag für die Stadtverordnetenversammlung: „Die Bürgermeisterin wird beauftragt, für den Wasserturm Niederlehme ein Entwicklungs- und Nutzungskonzept zu erarbeiten und der Stadtverordnetenversammlung bis zum dritten Quartal 2025 zur Beschlussfassung vorzulegen.“

Die Niederlehmer CDU hatte das Thema wieder auf den Tisch gebracht. Ein Bürger und ein Mitglied des Ortsbeirates schlugen vor, das Thema doch „selbst in die Hand zu nehmen“: Bürger könnten Geld sammeln, Investoren kontaktieren oder einen Verein gründen. Anna Schwedler von der CDU erwiderte daraufhin, dass auch dafür zunächst festgestellt werden müsse, was die Sanierung koste, also ein Nutzungskonzept vonnöten sei.

Heimatverein hat Ideen, stößt aber auf Hürden

Der Heimatverein Niederlehme hat bereits vor dem Kauf 2019 Ideen für eine Nutzung des Wasserturms entwickelt und ein Konzept vorgelegt: Ein Café, ein Trauzimmer oder ein Heimatmuseum könnten demnach entstehen. „Wir sind aber keine Bauleute“, sagt Marlies Kranich, Vorsitzende des Heimatvereins. „Ich dachte, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Aber heute sind die Wege beträchtlich länger.“

Was sie damit meint, sind die Vorschriften, die bei einer Nutzung eingehalten werden müssten. Beispielsweise wäre ein zweiter Rettungsweg als Notausgang nötig. Im Zentrum stehe deshalb für den Heimatverein zunächst der äußere Erhalt des Wasserturms und das wieder Anbringen der Balustrade. Zweites Ziel wäre, dass die Bürger den Turm betreten dürfen. Die Idee für eine Nutzung hat Kranich offenbar schon fast aufgegeben.

Marlies Kranich vor der Infotafel am Wasserturm in Niederlehme.

Marlies Kranich vor der Infotafel am Wasserturm von Niederlehme. Kranich setzt sich als Vorsitzende des Heimatvereins für den Erhalt des Wasserturms ein.

Maria Häußler

Die Ortsvorsteherin Katharina Ennullat klingt am Telefon optimistischer. Ob der Turm genutzt werde, sei eine „politische Entscheidung“. Sie ist der Meinung, auch der zweite Rettungsweg sei kein Hindernis. „Das wäre alles möglich. Es ist nur eine Frage des Geldes“, sagt sie. Vorrangig sei für sie aber ebenfalls der äußere Erhalt. „Damit der Turm wieder als Turm wahrgenommen wird und nicht als verbundenes Etwas.“

Wasserturm Niederlehme ist historisch mit der Region verwurzelt

Die Vorsitzende des Heimatvereins Marlies Kranich ist in Niederlehme aufgewachsen. Kranichs Großvater hat im Kalksandsteinwerk gearbeitet und in „der Kolonie“ gewohnt, der damaligen Arbeitersiedlung. Die Häuser waren aus Kalksandstein und wurden bis in die 1960er Jahre mit Wasser aus dem Turm versorgt.

Der Besitzer des Kalksandsteinwerks, Robert Guthmann, ließ das Wahrzeichen errichten. Bis 1902 baute er die seinerzeit weltgrößte Kalksandsteinfabrik in Niederlehme. Der Standort zählt zu den ältesten Produktionsstandorten für Kalksandstein. Dieser löste einst den bis dahin weit verbreiteten gebrannten Ziegel ab. Viele andere Wassertürme in der Region sind aus Ziegeln gebaut. So auch der Wasserturm auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen. Dieser wird gerade teil saniert, ist allerdings in privatem Besitz.

Niederlehme braucht wieder ein Highlight

Im Bäcker des Rewe-Supermarkts in Niederlehme erzählt Kranich, wie sie als Siebtklässlerin bei einem Schulausflug auf der Balustrade des Wasserturms stand. Heute gibt es die Balustrade nicht mehr. Kranich sagt, ihr persönlich sei es ein Anliegen, dass die Balustrade wieder an den Turm kommt. „Um das Abbild des ehemaligen Galata-Turms hier in Niederlehme erblühen zu lassen“, sagt sie und lacht.

Der echte Galata-Turm wurde nach einem Brand umgebaut, somit stünde in Niederlehme das einzige originale Abbild. „Wenn Niederlehme schon nicht so schön ist, dann soll hier wenigstens ein Highlight stehen“, sagt Kranich.