E-Auto bei Schönefeld: Preisschock bei Sprit, so groß ist der Vorteil an der Ladesäule

Xhibril Blakcori an einem Tesla Supercharger zwischen Ikea und Möbel Höffner in Waltersdorf. Der Berliner ist beim Anblick der Spritpreise zwar nicht schadenfroh, freut sich aber über die vergleichsweise günstigen Strompreise.
Till Eichenauer- Spritpreise steigen in Waltersdorf stark – E-Auto-Fahrer freuen sich über günstigeren Strom.
- An der Tankstelle sprang der Preis am Sonntagmittag (19.4.) von 2,03 auf 2,14 Euro.
- Tesla-Supercharger kostet 70 Cent/kWh, zu Hause teils 35 Cent/kWh; Solarstrom kann kostenlos sein.
- Beispielrechnung: 20 Euro reichen im Model Y an der Säule für ca. 159 km, zu Hause für ca. 318 km.
- Pendler und Taxifahrer laden in Waltersdorf; einige testen E-Autos und planen den Wechsel.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
An der Tankstelle in Waltersdorf springt der Preis am Sonntagmittag (19.4.) um 12 Uhr von 2,03 auf 2,14 Euro. 100 Meter weiter sitzt Xhibril Blakcori in seinem Model Y an einer Ladesäule von Tesla. „Meine Kumpels zahlen jetzt oft über 100 Euro für eine Tankfüllung. Die überlegen sich, wann sie tanken, wo sie tanken und ob sie tanken“, erzählt der Berliner. So geht es wohl vielen, seit der Iran-Krieg zu einer Preisexplosion an den Zapfsäulen geführt hat.
Schadenfreude habe Blakcori aber als E-Auto-Fahrer gerade nicht. Er ist gerade einfach nur froh, dass er sich über den Spritpreis „keine Platte machen muss“. Der Strom kostet am Tesla-Supercharger an diesem Tag 70 Cent für eine Kilowattstunde für Autos anderer Hersteller. Für Tesla-Fahrer ist es noch etwas weniger.
Noch günstiger ist es aber, sein Elektroauto zu Hause mit Strom zu betanken. So macht es etwa Martin Barak üblicherweise. Er wohnt in Tschechien, nahe der deutschen Grenze, und lädt in Waltersdorf sein Auto nur, um es wieder bis dorthin zurückzuschaffen. „Zu Hause habe ich eine Solaranlage auf dem Dach. Dort kann ich kostenlos laden und 90 Prozent meiner Fahrten sind umsonst“, sagt er.
Teslas und Taxis tanken in Waltersdorf Strom statt Diesel
Am Anfang sei Barak noch skeptisch gewesen, weil er beruflich täglich rund 200 Kilometer fahren müsse. „Aber das schaffe ich locker mit einer Ladung und komme abends noch gut nach Hause“, nur auf längeren Strecken wie heute sei er auf öffentliche Ladestationen angewiesen.

Blick auf die Tankstelle in Waltersdorf links um 11.59 Uhr und rechts um 12 Uhr. Am Mittag (19.4.) geht der Preis für Benzin um elf Cent nach oben.
Till EichenauerImmer wieder fahren in Waltersdorf auch Taxifahrer vor und stecken die dicken schwarzen Kabel in ihre Autos. So etwa Joel aus Berlin, der vor allem Fahrgäste zum Flughafen BER fährt. „Mein Großraumtaxi hat 400 Kilometer Reichweite. Bis es voll ist, dauert es gut 50 Minuten.“ Die Ladung reiche ihm dann gut ein bis zwei Tage.
In einem weiteren Tesla, der an den Ladesäulen vorfährt, sitzt Erik Wutschke, Familienvater aus Zeuthen. Er stellt hier gerade ein Model Y ab – aber nicht sein eigenes Auto. Den E-SUV hat er sich an diesem Sonntag spontan für eine Testfahrt beim Hersteller gemietet. „Das geht ganz einfach und niedrigschwellig mit einer App. Man kann hingehen, das Auto freischalten und losfahren, ohne erst ein Verkaufsgespräch führen zu müssen.“
Wechsel vom Diesel zum Elektroauto ist sicher
Bisher fährt Wutschke einen Diesel. Das nächste Auto soll aber auf jeden Fall ein Stromer sein. Er stelle sich nur die Frage, ob jetzt der richtige Moment zum Wechseln ist: „Die Überlegung ist, den Verbrenner weiterzufahren, bis er auseinanderfällt. Oder jetzt zu verkaufen, wo er noch ein bisschen was wert ist.“
Wie viele Kilometer fahre ich mit 20 Euro?
Verbrenner getankt bei einem Preis von 2,14 Euro pro Liter Benzin:
- Mittelklasse-Auto wie VW Golf mit 7,5 Litern auf 100 km – etwa 125 km
Elektroauto geladen an der Ladesäule mit 70 Cent pro Kilowattstunde:
- Mittelklasse-Auto wie Tesla Model Y mit 18 kWh auf 100 km – etwa 159 km
Elektroauto geladen zu Hause an der Wallbox mit 35 Cent pro Kilowattstunde:
- Mittelklasse-Auto wie Tesla Model Y mit 18 kWh auf 100 km – etwa 318 km
Aktuell seien dem Kaufmann aber die Preise für die Elektroautos etwas zu hoch, auch wegen der hohen Nachfrage im Zuge des gestiegenen Spritpreises. Im Unterhalt sei ein Stromer aber aktuell die deutlich günstigere Variante, auch wenn er bei sich zu Hause nicht die Option auf eine eigene Ladestation hat. „Ich habe bei mir an der Arbeit aber die Möglichkeit, für 30 Cent pro Kilowattstunde zu laden. Das ist schon nicht zu schlagen. Im Vergleich zu dem, was Benzin und Diesel an der Tankstelle aktuell kosten, zahlen wir dann nur die Hälfte“, sagt Erik Wutschke. Daran werden wohl auch die geplanten Tankrabatte der Bundesregierung wenig ändern.
In jedem Fall will er sein eigenes Geld lieber in eine zukunftsorientierte Technologie investieren, sagt Wutschke. „Es bringt ja nichts, jetzt noch Milliarden in die Ölindustrie zu stecken. Außerdem können wir den Strom mit Wind und Sonne direkt hier produzieren. Erdöl nicht.“ Die aktuell hohen Preise für fossile Energien sieht er auch als Chance, dass in der Politik ein Umdenken stattfindet und endlich konsequent auf erneuerbare Energien gesetzt wird: „Benzin müsste wohl leider noch teurer werden, damit das passiert.“

