Facebook in Königs Wusterhausen
: Wer stänkert, fliegt aus der Gruppe

Die Facebook-Gruppe „Du kommst aus Königs Wusterhausen wenn...“ hat nach zwölf Jahren 10.000 Mitglieder. Wie drei Admins dafür sorgen, dass Störenfriede verschwinden und der Ton sachlich bleibt.
Von
Till Eichenauer
Königs Wusterhausen
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Die Facebook Administratoren der Gruppe "Du kommst aus Königs Wusterhausen wenn..." Von links: Uwe Kretschmar, Eilleen Maywald, Doreen Schulz

Die „Chefs“ der Facebook-Gruppe „Du kommst aus Königs Wusterhausen wenn...“ von ´Links: Uwe Kretschmar, Eileen Maywald und Doreen Schulz ziehen klare, rote Linien in den sozialen Medien.

Till Eichenauer
  • Facebook-Gruppe „Du kommst aus Königs Wusterhausen wenn...“ hat 10.000 Mitglieder
  • Gegründet am 28. September 2013; drei Admins prüfen Beiträge und Kommentare
  • Klare Regeln: keine Beleidigungen, kein Rassismus/Sexismus; Störenfriede fliegen
  • 6500 Mitglieder aus der Stadt; auch Ex-Einwohner aus USA, Australien, Finnland aktiv
  • Aktionen: Hilfe bei Notfällen, Postkarten für Senioren, Wunschbaum, 85 % Funde bei Vermissten

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Wir hatten innerhalb von sechs Stunden eine komplett eingerichtete Wohnungseinrichtung zusammen – vom Kühlschrank bis zur Couch war alles da.“ Uwe Kretschmar erzählt von einer Frau aus Königs Wusterhausen, die in der Not vor ihrem Mann in ein Frauenhaus geflohen war. Für die Einrichtung ihrer neuen Wohnung suchte eine Bekannte nach Hilfe in der lokalen Facebook-Gruppe – und bekam sie prompt.

Die Gruppe, in der jeden Tag Hilfe koordiniert und nicht nur Fundsachen, sondern auch Klatsch und Tratsch ausgetauscht wird, heißt „Du kommst aus Königs Wusterhausen wenn...“. Gegründet hat sie Eileen Maywald am 28. September 2013. Warum? Das weiß sie heute selbst nicht mehr: „Ich war jung und naiv!“, sagt sie und lacht.

Damals ahnt sie noch nicht, wie viel Arbeit so eine einfache Gruppe machen kann, wenn man die Administratorin ist. Kurz nach der Gründung macht sie deshalb zwei aktive Facebook-Mitglieder ebenfalls zu „Admins“.

Facebook-Gruppe als „Ruheraum“ für Königs Wusterhausen

Die dritte „Chefin“ in der Gruppe ist Doreen Schulz. Sie erklärt, was alles dazu gehört, wenn man eine lebhafte, aber zivilisierte Gemeinschaft im Internet aufbauen und erhalten will: „Jeder neue Beitrag wird von uns kontrolliert und freigegeben. Wir schauen uns auch die Kommentare an und löschen, was gegen unsere Regeln verstößt.“

Die Gruppenregeln kann jedes Mitglied nachlesen: Keine Beleidigungen, keinen Rassismus, keinen Sexismus. Die Gruppe soll ein „Ruheraum jenseits von Reizüberflutung und Streitthemen sein“, steht dort auch. Bei Regelverstößen wird zunächst verwarnt. Wer aber weiter andere beleidigt oder bedroht, fliegt raus.

Über diesen endgültigen Schritt entscheidet aber keiner der drei Admins alleine. „Da besprechen wir uns dann schon miteinander“, sagt Eileen Maywald. Die drei arbeiten fast wie im Schichtbetrieb, klären ab, wenn einer etwa im Urlaub ist oder länger ausfällt.

10.000 Facebook-Mitglieder in 13 Jahren

Zudem wird genau kontrolliert, wer in die Gruppe hinein darf: „Wir gehen bei jeder Anfrage in die Profile und schauen uns an, ob es ein echtes Profil ist oder nicht. Viele Anfragen kommen von Bots, also Fake-Profilen, und wenn man die hereinlässt, zerstört das die Gruppe“, sagt Eileen Maywald.

Daher sei man auch ein wenig stolz, dass die Gruppe trotz der Auslese mittlerweile so groß geworden sei, sagt Uwe Kretschmar: „Von den knapp 10.000 Mitgliedern sind 6500 direkt aus der Stadt.“ Als Administrator könne man sehen, woher die Mitglieder in der eigenen Facebook-Gruppe kommen. Der Rest sei aus den umliegenden Gemeinden, aber auch einige ehemalige Einwohner seien da, die sich jetzt aus den USA, Australien oder Finnland einloggen, um zu sehen, was es Neues in der alten Heimat gibt.

Die Facebook Administratoren der Gruppe "Du kommst aus Königs Wusterhausen wenn..." Von links: Uwe Kretschmar, Eilleen Maywald, Doreen Schulz

Die drei Facebook-Admins schauen auf die Mitgliederentwicklung ihrer Gruppe "Du kommst aus Königs Wusterhausen wenn...". Die steigende Zahl an Mitgliedern scheint ihrem Konzept recht zu geben.

Till Eichenauer

Dass sich viele Menschen in der Gruppe wohlfühlen, liege aber auch daran, dass man etwa rechte politische Äußerungen nicht dulde. Man wollte zwar grundsätzlich gar keine politischen Diskussionen in der Gruppe. Besonders stören sich die drei aber an den Inhalten der AfD, die oft auf Facebook geteilt werden und für eine schlechte Stimmung sorgen.

„Ich war schon mal vor ein paar Jahren kurz davor, zu sagen, ich habe keinen Bock mehr und lösche Facebook“, sagt Doreen Schulz. Sie erinnert sich, dass zwischendurch die Stimmung  nach ihrem Empfinden sehr schlecht war – in der Gruppe, aber auch in den sozialen Medien insgesamt. Heute sei es aber spürbar besser und alles deutlich harmonischer im Netz.

Aktionen für Rentner und verlorene Autoschlüssel

Und wenn man die Fake-Profile und Störenfriede aus der eigenen Gruppe heraushält, sei Platz für ein freundliches Miteinander und viele nette Aktionen, sagen die drei. Zu Weihnachten wird in der Gruppe eine Postkartenaktion für Senioren organisiert. Dabei werden die Vornamen der Altenheimbewohner an die Mitglieder der Gruppe verteilt, die dann etwas schreiben. „So hat jeder dort zu Weihnachten eine persönliche Karte erhalten. Und im Frühjahr gab es für jeden eine kleine Blume“, erzählt Uwe Kretschmar.

Zu Weihnachten stellen Sie einen „Wunschbaum“ im Hagebau-Baumarkt auf, an den benachteiligte Kinder ihre Wünsche hängen können. Freundliche Bürgerinnen und Bürger der Stadt können die Wünsche dann erfüllen.

Aber auch im alltäglichen Leben ist die Gruppe eine echte Hilfe für die Menschen in Königs Wusterhausen. Etwa wenn etwas verloren geht. „Handys, Autoschlüssel oder Katzen, die in der Gruppe als vermisst gemeldet werden, werden zu 85 Prozent wiedergefunden“, sagt Doreen Schulz.

Gedrückte Daumen für eine Spenderniere

Über das jahrelange Engagement in der Gruppe sind die drei Admins auch im echten Leben echte Freunde geworden. Innerhalb und außerhalb des Internets haben sie viel zusammen erlebt, Partys für die Mitglieder geschmissen und sich auch in schweren Zeiten untereinander unterstützt.

Eilleen Maywald und Uwe Kretschmar aus Königs Wusterhausen

Eilleen Maywald und Uwe Kretschmar in einem Facebook-Post aus dem Jahr 2020.

facebook.com/Screenshot/Till Eichenauer

An einen Moment erinnert sich Eileen Maywald: „Das war der 5. Juni 2020, früh morgens gegen 4.50 Uhr. Da habt mich die Charité angerufen und gesagt: Wir haben eine Niere für Sie!“ Zu dieser Zeit wartete die junge Frau bereits lange auf ein Spenderorgan.

Noch in der Nacht ruft sie Uwe Kretschmar an und berichtet ihm von ihrem Glück. Der setzt gleich am nächsten Tag einen Post für die Gruppe ab, in der viele am Schicksal von Eileen Maywald teilgenommen hatten, und bittet um fest gedrückte Daumen für die anstehende Operation seiner Freundin. Der Beitrag bekommt 644 Daumen hoch und Herzchen von den Gruppenmitgliedern. „Einer der meistgelikten Beiträge in den vergangenen 13 Jahren“, freut sich Eilleen Maywald.