Flughafen BER
: Klimaaktivist wegen Blockade verurteilt – Begründung „Käse“?

Ein Klimaaktivist der Letzten Generation stellte bei seiner Verhandlung am Amtsgericht Königs Wusterhausen Anzeige gegen die Regierung wegen Massenmordes. Jetzt wird er verurteilt.
Von
Maria Häußler
Königs Wusterhausen
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Metzeler-Kick vor dem Amtsgericht Königs Wusterhausen.

Letzte Generation im Amtsgericht Königs Wusterhausen: Wolfgang Metzeler-Kick will auf die Klimakrise aufmerksam machen.

Maria Häußler
  • Klimaaktivist Metzeler-Kick blockierte Flughafen BER, wurde wegen Sachbeschädigung verurteilt.
  • Staatsanwaltschaft fordert 160 Tagessätze zu je 20 Euro, Richterin folgt dem Plädoyer.
  • Video zeigt Luftballon-Aktion, Aktivist wollte auf Klimakrise aufmerksam machen.
  • Aktivist enttäuscht vom Urteil, Luftballon sollte nie fliegen.
  • Aktivist zeigt keine Einsicht zur Klimakrise, nennt Urteil "Käse".

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein Mann durchtrennt mit dem Bolzenschneider einen Zaun. Dann holt er einen mit Helium gefüllten Luftballon aus seinem Rucksack. Auf einem YouTube-Video, das im Amtsgericht Königs Wusterhausen abgespielt wird, sieht man den Angeklagten, wie er sich Zutritt zum Flughafen BER verschafft.

Mit seiner Unternehmung hatte sich der Klimaaktivist Wolfgang Metzeler-Kick am 25. Februar 2022 an einer größeren Aktion der Letzten Generation beteiligt. Um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, hatte die Initiative im Vorfeld zu Blockaden an verschiedenen deutschen Flughäfen aufgerufen. Tatsächlich war der Flugverkehr beispielsweise in Schönefeld im Zusammenhang mit den Aktivitäten kurzzeitig unterbrochen.

So hatte bei der Verhandlung gegen Metzeler-Kick im Amtsgericht Königs Wusterhausen die Staatsanwaltschaft neben Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch auch versuchten Eingriff in den Luftverkehr angeklagt. Doch der Luftballon sei am Rucksack befestigt gewesen und sollte zu keiner Zeit fliegen, versicherte der Klimaaktivist vor Gericht.

Video zeigt Klimaaktivist mit Luftballon am Flughafen BER

Auch seinen Prozess nutzte Metzeler-Kick, um über Zusammenhänge der Klimakrise aufzuklären. So verlas er am ersten Verhandlungstag eine 24-seitige Erklärung. Dabei bezeichnete er das Abbaggern der Kohle unter Lützerath als Massenmord und sprach den Staatsanwalt dabei direkt an. Dieser fragte genauer nach und notierte sich dann, dass Metzeler-Kick Anzeige gegen die Regierung erstatten will.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Gesamtstrafe von 160 Tagessätzen zu je 20 Euro und berücksichtigte damit drei weitere Blockadevergehen, wie die MAZ zuerst berichtetet hatte. Die Richterin folgte dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Anteilig davon 80 Tagessätze für je 20 Euro sind die Strafe für die Aktion am Flughafen BER, da ein besonders sensibler Bereich betroffen gewesen sei. Strafmildernd wirkte sich aus, dass der Angeklagte aus altruistischen Motiven gehandelt hat, wie die Richterin erklärte. Die Richterin wertete demnach auch die Aussage des Umweltaktivisten als glaubhaft, dass der Luftballon nie fliegen sollte.

Aktivist vom Flughafen BER: keine Einsicht zur Klimakrise

Metzeler-Kick zeigt sich gegenüber MOZ.de vom Urteil enttäuscht. Die Begründung sei „Käse gewesen“, sagt Metzeler-Kick. Er soll den Luftballon in der Hand gehalten haben, habe ein Zeuge ausgesagt. „Man sieht in dem Video, dass das nicht stimmt“. Mit den 160 Tagessätzen könne er aber leben. „Um was es eigentlich geht ist, dass die Welt vor die Hunde geht und alle es nicht checken. Da kann ich mich auf den Kopf stellen“, erklärt er in einer Sprachnachricht. „Das ist das, was deprimiert, der Rest ist egal.“