Kaserne in Königs Wusterhausen
: Bundeswehr gibt Areal in Ziegenhals doch nicht frei

Die Bundeswehr hält nun doch weiter die Hand auf der ehemaligen NVA-Kaserne in Königs Wusterhausen. Die Bürgermeisterin sieht erhebliche Probleme durch eine mögliche Kaserne.
Von
Till Eichenauer
Königs Wusterhausen
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Ehemalige NVA Kaserne in Niederlehme bzw. Ziegenhals, Ortsteil Königs Wusterhausen

Die ehemalige NVA-Kaserne in den Ortsteilen von Königs Wusterhausen, Niederlehme und Ziegenhals. „Die Eigentümerin“ ist in diesem Fall auch die Bundesimmobilienanstalt, die das Gelände als möglichen Standort der Bundeswehr reserviert.

Till Eichenauer
  • Bundeswehr behält Ex-NVA-Kaserne in Ziegenhals/Niederlehme als möglichen Standort.
  • Folge: Zivile Planung für Wohnen und Gewerbe liegt weiter auf Eis.
  • Rathaus war von Freigabe ausgegangen, Bebauungsplan besteht seit 2010.
  • Bürgermeisterin warnt vor Verkehrsproblemen und kritisiert mangelnden Dialog.
  • SPD-Politiker sieht Chancen – Infrastruktur müsse vorher verhandelt werden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Aus der ehemaligen NVA-Kaserne in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) wird so bald wohl kein neues Wohngebiet. Das Verteidigungsministerium hat das Areal, das in den Ortsteilen Ziegenhals und Niederlehme liegt, in einem neuen Bericht in die Kategorie 1 einsortiert. Das heißt, das Areal steht auch in Zukunft der Bundeswehr als möglicher neuer Standort zur Verfügung.

Ende 2025 wurden insgesamt 187 Liegenschaften im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) identifiziert und in einem Memorandum aufgelistet. Darunter auch die ehemalige Kaserne im brandenburgischen Königs Wusterhausen, südwestlich von Berlin – Luftlinie nur einen Kilometer von der Stadtgrenze und drei von der Autobahn A10 entfernt.

Der Grund war, Flächen zu sichern, um, wie es heißt, „die Bundeswehr zur konventionell stärksten und technologisch führenden Armee in Europa auszubauen“. Und dies erfordere einen deutlichen „materiellen und personellen Aufwuchs“, so das Verteidigungsministerium.

Bürgermeisterin von Königs Wusterhausen gegen Kaserne

In Königs Wusterhausen ist man über die Klassifizierung der Bundeswehr nicht gerade erfreut. „Solange die Bundeswehr die Fläche so klassifiziert, haben wir praktisch keine Handlungsmöglichkeiten. Über eine zivile Nutzung können wir also aktuell nicht nachdenken“, sagt Michaela Wiezorek, parteilose Bürgermeisterin von Königs Wusterhausen. Im Rathaus war man bis zum neuerlichen Bericht der Bundeswehr davon ausgegangen, dass die ehemalige Kaserne Niederlehme bald wieder freigegeben wird.

Denn die Stadt hat eigene Pläne für das Areal. Bereits 2021 hatten die Stadtverordneten in Königs Wusterhausen entschieden, dass das Kasernengelände fremdvermarktet werden soll. Der Plan war, dass die Fläche an einen Immobilienentwickler verkauft werden soll, der darauf dann eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe umsetzt. Die Stadt kann aber nicht alleine über das Areal bestimmen, da es zum Teil der Bima gehört, die auch die Vermarktung übernehmen sollte.

Ein entsprechender Bebauungsplan für das Gelände wurde bereits 2010 verabschiedet. Was die Bundeswehr auf dem Gelände plant, ist unklar. Bürgermeisterin Wiezorek bereitet Sorge, dass Fragen der Infrastruktur und Erschließung noch völlig offen sind: „Schon die Entwicklung des Areals in Ziegenhals zu einem Wohngebiet wäre verkehrstechnisch eine große Herausforderung – noch viel größer werden die Herausforderungen für den Bau eines Kasernenstandorts.“

Bebauungsplan der "Innenentwicklung Waldsiedlung Ziegenhals" aus dem Jahr 2010, mit Wohngebieten (rot), Mischgebiet (braun) und Gewerbegebiet (grau).

Bebauungsplan der „Innenentwicklung Waldsiedlung Ziegenhals“ aus dem Jahr 2010, mit Wohngebieten (rot), Mischgebiet (braun) und Gewerbegebiet (grau).

Stadt Königs Wusterhausen

So wäre etwa die Wernsdorfer Straße, an der das Areal liegt, mit einer größeren Kaserne überlastet. „Wenn dort wirklich eine Kaserne entsteht, erwarte ich, dass die Infrastruktur vom Bund entsprechend mitbetrachtet und mitgeplant wird“, so die Bürgermeisterin.

Jedoch ist die bisherige Kommunikation mit der Bima und der Bundeswehr laut Michaela Wiezorek nicht besonders gut. Im jüngsten Schreiben der Bundeswehr heißt es, es habe ein Standortdialog mit den betroffenen Kommunen stattgefunden. „Einen solchen Standortdialog hat es aus unserer Sicht aber nicht gegeben. Das müssen wir aufklären.“

Bundeswehr hat Interesse an 15 Standorten in Brandenburg

Insgesamt wurden im Memorandum der Bundeswehr 187 Liegenschaften gelistet. 15 davon in Brandenburg, etwa am Mellensee, wo ebenfalls Wohnraum auf der Fläche geplant war. Im neuesten Dokument der Bundeswehr werden 40 Areale von der Liste gestrichen, die nach Erkundung „für Zwecke der Bundeswehr nicht benötigt werden“. Diese Liegenschaften gibt die Bundeswehr wieder für die Konversion, also etwa die Umwandlung in Wohn- oder Industriegebiete, frei.

Ehemalige NVA Kaserne in Niederlehme bzw. Ziegenhals, Ortsteil Königs Wusterhausen

Vieles auf dem Gelände der ehemaligen NVA-Kaserne in Niederlehme und Ziegenhals verfällt seit Jahren.

Till Eichenauer

Insgesamt ist Michaela Wiezorek enttäuscht darüber, dass die Pläne der Stadt mit der ehemaligen Kaserne nun weiterhin auf Eis liegen. Von einer Kaserne in Königs Wusterhausen hält sie wenig: „Aus meiner Sicht ist eine Kaserne in Ziegenhals keine Chance für die Stadt, sondern mit erheblichen Problemen verbunden.“

Eine andere Perspektive auf einen möglichen Bundeswehrstandort hat hingegen Ludwig Scheetz, der für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung in Königs Wusterhausen sitzt: „Die Synergien, die ein Bundeswehrstandort für eine Stadt haben kann, sollte man nicht unterschätzen.“

Als Landtagsabgeordneter des Wahlkreises 27 vertritt Scheetz auch Bürger der Stadt Storkow. In der dortigen Kurmark-Kaserne sind etwa 700 Militärangehörige tätig. Ein Engagement der Bundeswehr könne dem ganzen Gebiet in Niederlehme und Ziegenhals einen positiven Impuls geben, so Scheetz. Dass die Infrastruktur an die Herausforderungen angepasst werde, müsse vorher verhandelt werden. „Aber die Bundeswehr hat ja selbst ein Interesse daran, dass ihr Material über vernünftige Straßen fährt“, so der Politiker.

Klar ist jedoch auch: Der zivile Wohnungsbau auf dem Areal wäre mit einer Ansiedelung der Bundeswehr aber keine Option mehr.