Mystery-Box-Automat A10 Center
: Ziehen Secret Packs Kunden in Wildau wirklich an?

Im A10 Center Wildau steht ein Automat der anderen Art: bestückt mit Mystery Boxen, deren Inhalt man erst nach dem Kauf sieht. Ein Besuch vor Ort.
Von
Maria Häußler
Wildau
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Paket

Im A10 Center Wildau steht ein Mystery-Box-Automat. Der Inhalt der Secret Packs ist nicht identifizierbar. Bei Christiane Masera siegt die Neugier. Sie kauft eines der Pakete. Was ist drin?

Maria Häußler
  • Im A10 Center Wildau gibt es einen Mystery-Box-Automaten mit Päckchen für je 10 Euro.
  • Christiane Masera kauft neugierig ein Paket, das eine Eiswürfel-Flasche enthält.
  • Verbraucherzentrale warnt vor Enttäuschung durch wertlose Inhalte.
  • Rückgabe nur bei defekten Artikeln möglich.
  • Betreiber Domenic befüllt die Boxen regelmäßig; Trend leicht rückläufig.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im A10 Center steht seit etwa einem halben Jahr ein ganz besonderer Automat: Statt Süßigkeiten oder Getränken, sind Päckchen hintereinander aufgereiht. Weder Verpackung noch Aufschrift lassen erahnen, was sich darin befindet: „Zurück“ steht auf den meist weißen Tüten oder „Retour“. Manche Stellen sind geschwärzt, denn die Kunden sollen gar nicht wissen, was sie kaufen. Das ist der Reiz bei diesen sogenannten „Secret Packs“ oder „Mystery Boxen“.

Ein kleiner Junge springt in eins der großen Spielzeugautos, die direkt neben den Automaten stehen. Während er beschäftigt ist, tritt die Frau, die ihn begleitet, an den Automaten heran. Christiane Masera lacht, als sie die Beschreibung zu den Secret Packs liest.

Mystery-Box-Automat A10 Center: Die Neugier siegt

„Witzig“, sagt sie. „Aber ich mach es nicht, weil mein Enkel dabei ist. Ich hab ihm gerade gesagt, dass ein Euro eine Menge Geld ist.“ Soviel kostet eine Fahrt mit dem Kinderauto. Ein paar Minuten später siegt offenbar die Neugier und Masera entscheidet sich um – der Enkel darf Auto fahren und dann kaufen sie gemeinsam eins der Pakete.

„Wir wissen aber nicht, was drin ist“, warnt sie ihn. „Es könnte auch eine Unterhose sein.“ Alle Pakete kosten 10 Euro. Es ist keine Unterhose, sondern eine Art Flasche, in der man Eiswürfel herstellen kann. Ratlos drückt Masera darauf herum. „Jetzt hab ich einen Ice Cube und weiß nicht, was ich damit machen soll.“

A10 Center Wildau: Die Pakete in dem Automaten der Firma Loot Pack Hunters kosten jeweils 10 Euro.

A10 Center Wildau: Die Pakete in dem Mystery-Box-Automaten der Firma Loot Pack Hunters kosten jeweils 10 Euro.

Maria Häußler

Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat kürzlich zu den „Wundertüten“ eine Presseinformation veröffentlicht. Das Geschäftsmodell eigne sich hervorragend, um überflüssige Ware loszuwerden, die aus Retouren oder unzustellbaren Sendungen stammt: „Nach einem sehr kurzen Überraschungseffekt folgt meist die Ernüchterung, wenn die Ware wert- oder nutzlos ist“, sagt Juristin Stefanie Kahnert. „Die Anbieter spielen mit der Neugierde“.

Automat im A10 Center: Umtausch nur bei defekten Artikeln

Ein gesetzliches Rückgabe- oder Umtauschrecht von 14 Tagen gibt es laut Verbraucherzentrale nur bei Online-Käufen von Secret Packs. An einem Automaten funktioniere das nur, wenn die Ware defekt ist und der Betreiber erkennbar.

Im A10 Center haben viele Kunden dieses Prinzip offenbar schnell begriffen und widerstehen der Versuchung. Ein Pärchen geht vorbei und schaut neugierig durch die Glasscheibe. Sie zeigen auf verschiedene Pakete, aber kaufen nichts. Zwei junge Frauen in Jogginghosen schauen sich die Päckchen aus der Nähe an. „Das verleitet einfach so sehr, etwas zu kaufen“, sagt die eine. Sie gehen weiter.

Ein Vater und sein erwachsener Sohn bleiben etwas länger stehen. Sie schauen skeptisch. „Entweder scheißte dich an oder es ist gut. Das ist wie Lotto spielen“, sagt der Vater, der einen vollen Einkaufswagen schiebt. „Das liegt dann sinnlos rum oder du wirfst es weg. Oder du verschenkst es.“

Mystery-Pakete kommen aus dem Großhandel

Der Betreiber des Automaten und Gründer der Firma Loot Pack Hunters sagt, der Trend sei eher rückläufig. „Aber ich kann mich nicht beschweren“. Den Automaten im A10 Center befülle sein Mitarbeiter täglich, mindestens alle zwei Tage.

Die Pakete bezieht Betreiber Domenic, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, containerweise aus dem Großhandel. Im Juli 2024 hat er seinen ersten Automaten an der Warschauer Straße aufgestellt. „Die Leute standen Schlange. Ich musste danebenstehen und auffüllen“, sagt er.

Der Automat im A10 Center steht dort seit dem 15. Dezember. In dieser Zeit sei das Geschäft gut gelaufen, „auch wegen Schrottwichteln“. Im Januar und Februar sei die Nachfrage gesunken. Trotzdem gibt es offenbar noch Neugierige und genug zu tun. An der Glasscheibe hängt ein Schild: „Mitarbeiter gesucht“.