Notfall am Flughafen BER
: Dutzende Easyjet-Passagiere in Bulgarien gestrandet

Und wieder steht Easyjet in der Kritik. Ein Vogelschlag stoppte einen Urlaubsflug vom BER nach Bulgarien. Eine Urlauberin aus Eberswalde berichtet von Chaos auch am Ziel-Flughafen in Burgas.
Von
Till Eichenauer
Burgas/Eberswalde
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Passagiere besteigen ein Easyjet Flugzeug am Flughafen BER

Passagiere besteigen ein Easyjet Flugzeug. Eine Familie in Burgas musste sich für über 2800 Euro selbst einen Flug zurück buchen. (Symbolbild)

Till Eichenauer
  • Easyjet-Flug BER–Burgas fiel nach Vogelschlag am Start aus – Chaos bei der Rückreise.
  • In Burgas erhielten viele nur spärliche Infos, teils kein Essen oder Trinken am Flughafen.
  • Familien buchten teure Eigenrückflüge, etwa über Kopenhagen; ein Fall kostete 2841 Euro.
  • Easyjet: Maschine wurde geprüft, kein Ersatz verfügbar, Erstattungen werden einzeln geprüft.
  • Hotelhilfe laut Airline angeboten, Betroffene berichten jedoch von fehlender Betreuung vor Ort.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Da waren Familien mit Kindern, Leute ohne Geld und Menschen mit dringenden Terminen – und keiner wusste, wie es weitergeht.“ Wenn Kathrin Tutsche-Babati von ihren Erlebnissen vom Wochenende berichtet, ist sie immer noch aufgebracht. Sie wollte, wie viele andere, am Sonntagmorgen (2.8.) vom Goldstrand in Bulgarien zurück nach Berlin fliegen.

Der Easyjet-Flieger von Berlin nach Burgas, der sie und die anderen Reisenden abholen sollte, kollidierte nach dem Start mit einem Vogel und musste nach Berlin zurückkehren. Zu einer Katastrophe kam es zum Glück nicht, allerdings zu einem großen Durcheinander. So erfuhren die Urlauber auf dem Heimweg erst am Gate des Flughafens von der Situation. „Easyjet hat den Flug gestrichen – und das war’s. Mehr Information gab es praktisch nicht“, sagt Kathrin Tutsche-Babati.

Was die Frau aus Finowfurth auch Tage später noch wütend macht, ist der Umgang der Fluggesellschaft mit ihr und den vielen anderen Reisenden. „Easyjet hat sich überhaupt nicht gekümmert“, sagt sie. „Wir haben stundenlang am Flughafen gesessen und Hilfe gesucht. Ich habe Leute ausrasten sehen.“ Man habe nicht gewusst, wohin, habe weder Essen noch Trinken bekommen, so Kathrin Tutsche-Babati. Zeitgleich stehen auch in Berlin viele Easyjet-Kunden vor den Scherben ihres geplanten Urlaubs.

Easyjet hat nach Vogelschlag am BER kein Ersatzflugzeug

Easyjet bestätigt auf Anfrage den Vorfall. Nach dem Vogelschlag in Berlin sei das Flugzeug zum BER zurückgekehrt und für eine Inspektion vorsorglich außer Betrieb genommen worden. „Da kein Ersatzflugzeug zur Durchführung des geplanten Umlaufs zur Verfügung stand, musste der Flug EJU5354 annulliert werden“, so Easyjet-Sprecher Felix Eggert.

Kathrin Tutsche-Babati aus Finowfurt bei Eberswalde am Flughafen in Burgas.

Kathrin Tutsche-Babati aus Finowfurt bei Eberswalde am Flughafen in Burgas. Wie viele andere Passagiere war sie dort für Stunden gestrandet.

Kathrin Tutsche-Babati

Auch Anton Maltsev aus Berlin stand an diesem Sonntagmorgen mit seiner Frau und zwei Kindern – darunter einer einjährigen Tochter – am Flughafen in Burgas. Das Bodenpersonal vor Ort erklärte ihm, nicht für Easyjet zu arbeiten. „Wir erhielten lediglich ein Informationsblatt mit Telefonnummern, unter denen niemand erreichbar war“, so Maltsev. Auch das Umbuchungsportal von Easyjet war für die junge Familie keine große Hilfe: „Der nächste verfügbare Rückflug war erst in fast einer Woche“, so Maltsev.

Kurzum: Der Vater nimmt die Organisation seines Rückflugs selbst in die Hand und bucht seiner Familie einen Flug über Kopenhagen nach Berlin. Kosten: 2841 Euro. Nachdem er sich Erfahrungsberichte anderer Easyjet-Kunden im Internet durchgelesen hat, fürchtet er nun, dass er auf seinen Ausgaben sitzen bleibt. „Ich habe das Gefühl, dass ich dafür kämpfen muss“, so Maltsev.

„Wettkampf zwischen den Passagieren“ um Rückflug nach Berlin

Eine andere Reisende, die ebenfalls am Sonntag in Bulgarien festhing, berichtet bei Facebook von einem „Wettkampf zwischen den Passagieren, noch irgendwie nach Berlin zu kommen“. Auch sie buchte einen Flug über Kopenhagen für 800 Euro und fürchtet ebenfalls, ihr Geld nicht wiederzubekommen.

Laut Easyjet werde die Kostenerstattung der Betroffenen in Burgas „individuell geprüft“ und unter Berücksichtigung der geltenden Vorschriften bearbeitet. Die Zahlen zeigen aber, dass viele Fälle von Fluggastrechten am zuständigen Amtsgericht Königs Wusterhausen landen. Weil die Fluggesellschaften geforderte Entschädigungen nicht auszahlen wollen, landeten allein im vergangenen Jahr fast 20.000 Fälle von Reisenden des benachbarten Flughafens BER am Gericht Königs Wusterhausen.

Abfluganzeige am Flughafen in Burgas, Bulgarien. Die Reisenden aus Deutschland mussten auf dem Heimweg lange Umwege in Kauf nehmen.

Abfluganzeige am Flughafen in Burgas, Bulgarien, mit dem gestrichenen Flug zum Flughafen Berlin-Brandenburg. Die Reisenden aus Deutschland mussten auf dem Heimweg lange Umwege in Kauf nehmen.

Kathrin Tutsche-Babati

Warum hat sich Easyjet nicht selbst um die Rückreise seiner Passagiere gekümmert? „Aufgrund der hohen Nachfrage während der Sommerreisezeit waren die Möglichkeiten zur Umbuchung begrenzt und lagen in vielen Fällen außerhalb des 48-Stunden-Zeitraums“, so Airline-Sprecher Felix Eggert. Für die betroffenen Fluggäste in Burgas sei eine Hotelunterbringung angeboten worden.

Das kann Kathrin Tutsche-Babati aus Finowfurth nicht bestätigen. „Von Easyjet war am Flughafen gar keiner da.“ Um sie und andere Urlauber, die ihre Reise über das gleiche Portal gebucht hatten, kümmerten sich die Reisebegleiter des Anbieters. „Das war gar nicht deren Aufgabe, aber bis 17 Uhr hatten sie uns ein Hotel in einem Industriegebiet besorgt“, so Tutsche-Babati. Dort harrte sie mit den anderen Gestrandeten zwei Tage aus.

„Easyjet hat sich entschuldigt, als hätten sie dir ein Stück Pommes vom Teller genommen.“
Kathrin Tutsche-Babati
Aus Finowfurth bei Eberswalde

Dann konnte der Reiseveranstalter für die Finowfurtherin und ihren Ehemann eine Rückreise über Köln organisieren. „Wir haben uns nicht getraut, selbst etwas zu buchen, weil uns gesagt wurde, dass wir dann womöglich auf den Kosten sitzen bleiben.“

Nun ist Kathrin Tutsche-Babati wieder zu Hause. So viel Glück im Unglück, wie sie, hatten aber nicht alle Passagiere der gestrichenen Easyjet-Maschine: „Ich weiß von Leuten, die am Donnerstagnachmittag (6.8.) immer noch in Burgas auf einen Rückflug warten.“

Neben all den Unannehmlichkeiten der Rückreise stört Tutsche-Babati vor allem der Umgang von Easyjet mit den Passagieren. Ein Krisenmanagement sei praktisch nicht vorhanden und auch die Kommunikation sei nicht angemessen gewesen: „Easyjet hat sich entschuldigt, als hätten sie dir ein Stück Pommes vom Teller genommen – und das war es.“