Pilze in Königs Wusterhausen: Influencer stellt mutmaßliche Sammler-Bande im Wald

Ist das eine Pilz-Bande in Königs Wusterhausen auf Raubzug? Pilz-Influenzer Moritz Schmid aus Zeuthen spricht in seinem Video die mutmaßlichen Pilz-Wilderer auf ihr Verhalten an.
Screenshots vom Instagram-Account "intothewoods_mushrooms" von Moritz Schmid, Montage: Till Eichenauer- In Königs Wusterhausen sorgen mutmaßliche Pilz-Sammler-Banden für Aufsehen – Influencer Moritz Schmid konfrontierte sie.
- Schmid dokumentierte, wie Personen mit Handkarren bis zu 50 kg Pilze aus dem Wald abtransportierten.
- Erlaubt sind in Deutschland max. 2 kg Pilze für privaten Verzehr; Schmid vermutet gewerbliches Interesse.
- Neben illegalem Weiterverkauf beklagt Schmid Umweltschäden und Müll im Wald durch die Sammler.
- Experten und Behörden raten, bei Verdacht auf illegales Sammeln Förster, Ordnungsamt oder Polizei zu informieren.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Es ist illegal, mehr als ein, zwei Kilo zu sammeln!“ Das ruft ein Mann zwei Personen im Wald hinterher, die sich mit zwei vollgepackten Handkarren schnellen Schrittes davonmachen. Auf seine Frage, „Was kriegt ihr denn das Kilo?“, bekommt er keine Antwort.
Das Video stammt von Moritz Schmid, Pilz-Sachverständiger und Social-Media-Berühmtheit aus Zeuthen. Gefilmt wurde es laut Schmid im Wald bei Königs Wusterhausen. Innerhalb von drei Tagen haben das Instagram-Video über 2,6 Millionen Menschen gesehen, über 100.000 haben es gelikt.
Auf Anfrage erklärt Moritz Schmid, was ihn an diesem Vorfall so aufregt: „Die Leute holen da bis zu 50 Kilo Steinpilze aus dem Wald. Ich beobachte die schon seit drei Jahren. Die kommen mit Lieferwägen, um das alles abzutransportieren.“ Der Pilz-Experte ist sich sicher, dass dahinter ein gewerbliches Interesse steht: „Das sind keine armen Rentner, die sich ein paar Euros dazuverdienen wollen, sondern organisierte Banden.“
Pilze aus Königs Wusterhausen werden illegal weiterverkauft
Erlaubt sei es in Deutschland maximal zwei Kilo Pilze für den privaten Verzehr zu sammeln. Schmid ist sich aber sicher, dass die Pilze illegal weiterverkauft werden. „Pilze, die man irgendwo auf dem Wochenmarkt oder im Restaurant findet, kommen oft aus dubiosen Quellen. Dann wird als Herkunftsland fälschlicherweise Polen angegeben, wo andere Regelungen gelten.“
Ein großes Problem sei auch der Schaden, der im Wald durch die Pilz-Banden angerichtet werde, so Schmid: „Das sieht stellenweise so aus, als ob der Boden durchgepflügt wurde. Es wird alles durchwühlt und es werden keine alten Pilze stehen gelassen.“ Zurück gelassen werden stattdessen zerbrochene Eimer, Plastiktüten, leere Getränkedosen und Zigarettenschachteln, sagt Schmid.
Der Pilz-Coach plädiert für Nachhaltigkeit beim Sammeln: „Man nimmt nicht alle Pilze mit. Ein paar Fruchtkörper lässt man zurück, damit sich die Sporen wieder verteilen - und so im nächsten Jahr wieder neue Pilze wachsen.“ Passend dazu, ist sein Motto auf seinem Social-Media-Kanal: „Der Wald ist kein Supermarkt.“
Moritz Schmid, Pilz-Experte aus Zeuthen
Moritz Schmid, geboren 1980 in Hamburg, ist gelernter Werbefotograf. Vor einigen Jahren hat er den Job an den Nagel gehängt und engagiert sich heute von seiner Wahlheimat Zeuthen aus als „Pilz-Fluencer“ auf Instagram für nachhaltiges Pilzesammeln und Naturschutz. Im Netz folgen seinem Kanal rund 67.000 Menschen, im echten Leben bietet er Pilz-Workshops, Führungen und Retreats im Wald an.
Auch Heinrich Waldschütz, ebenfalls Pilz-Experte, aus Königs Wusterhausen, kennt das Problem: „In Wünsdorf gibt es eine Stelle mit vielen Pfifferlingen. Da habe ich schon mehrmals gesehen, wie Leute mit Säcken und Eimern die Pilze aus dem Wald tragen.“ Auch er vermutet, dass die illegalen Sammler einen gewerblichen Hintergrund haben. „Die Leute können solche Mengen ja unmöglich selber essen.“ Wer mehr als die erlaubte Menge sammelt, muss in Brandenburg übrigens mit Strafen im bis zu vierstelligen Bereich rechnen.
Bei Verdacht auf illegale Pilz-Sammler den Förster rufen
Auch Martin Neufeld vom Naturschutzbund (NABU) Brandenburg sieht die im Video gezeigten Mengen kritisch: „Pilze sammeln ist in Brandenburg für den Eigenbedarf und in kleinen Mengen erlaubt - ein Körbchen voll für die Familie ist in Ordnung. Wer aber mit Handkarren und Lieferwägen anrückt, überschreitet klar die Grenze.“ Ob es sich bei den im Video gezeigten Herrschaften um eine organisierte Bande handelt, darauf will er sich aber nicht festlegen.
Dennoch könne man sich laut Neufeld Hilfe holen, wenn man vermutet, dass gewerbsmäßig große Mengen Pilze aus dem Wald geschafft werden. „Zuständig ist grundsätzlich die untere Naturschutzbehörde. Wer direkt Hilfe dazuholen möchte, kann den lokalen Förster anrufen. Im Zweifel aber auch das Ordnungsamt oder die Polizei.“

