Wohnen in Königs Wusterhausen: Wie ist es, in einem verlassenen Neubau zu leben?

In Königs Wusterhausen ist ein Neubauprojekt nahezu unbewohnt geblieben. Rosmarie Freist wohnt im Ufer Quartier und ist zufrieden mit ihrer Wohnung. Was in der Geisterstadt schief läuft, erzählt sie vom Balkon aus.
Maria Häußler- Neubauprojekt Ufer Quartier in Königs Wusterhausen bleibt größtenteils unbewohnt.
- 177 Wohnungen, davon 58 seniorengerecht, teils mit Einbauküche und Balkon, stehen leer.
- Bewohner kritisieren hohe Mieten, fehlende Gemeinschaft und langsame Kommunikation der Buwog.
- Senioren loben barrierefreie Ausstattung und Betreuung durch Johanniter.
- Externer Dienstleister seit April vor Ort, Interesse an Wohnungen steigt langsam.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am Nottekanal in Königs Wusterhausen ist ein Wohngebiet größtenteils unbewohnt. Seit eineinhalb Jahren sind die Wohnungen im sogenannten Ufer Quartier fertig. Doch auf den Klingelschildern steht immer noch „Wohnung 1, Wohnung 2, Wohnung 3“. Leere Fenster reihen sich aneinander und der neue Spielplatz bleibt verlassen. Wer viel Geduld mitbringt, trifft aber doch den ein oder anderen Bewohner an. Wie lebt es sich in so einer „Geisterstadt“?
Drei Jugendliche schlendern auf die Brücke am Nottekanal zu. „Zu teuer“, begründet der eine den Leerstand trocken. „Schreiben Sie auch, dass alles hier gleich aussieht“, sagt der andere. „Das nervt“. Dann ziehen sie weiter. Ein Mann, etwa Mitte 30, öffnet die Tür seines Einfamilienhauses. Er hat keine Zeit, Fragen zu beantworten, sagt er und deutet die Straße entlang. „Bei den Häusern brauchen sie es erst gar nicht versuchen“, meint er. „Die stehen alle leer.“ In die Wohnungen würden aber manchmal Leute ein- und ausziehen.
Torsten Hahn, Kommunikationsmanager der Buwog, ein Projektentwickler im Bereich Wohnungsneubau, sagt, dass aktuell zwar eine „gewisse Zurückhaltung“ bei der Vermietung zu beobachten sei, sich das Interesse in den vergangenen Wochen aber positiv entwickelt habe. Die Wohnungen mit ein bis fünf Zimmern verfügen über Balkon oder Terrasse, Einbauküche, Fußbodenheizung und hochwertige Vinylböden. Insgesamt 58 der 177 Wohnungen seien für „selbstbestimmtes Wohnen im Alter“ konzipiert
Geisterstadt in Königs Wusterhausen: Schöne leere Wohnungen
An einem sehr heißen Tag im August steht eine ältere Dame auf ihrem Balkon in der „Geisterstadt“ und gießt Blumen. Rosmarie Freist beugt sich über das Geländer, um zu erzählen, wie sehr sie ihre Zweizimmerwohnung mag. „Sie ist sehr schön und praktisch für alte Leute“, sagt sie. „Mein Lebensgefährte hat im sozialistischen Wohnungsbau gewohnt und die Treppen am Schluss nicht mehr geschafft“. Der Fahrstuhl, ein seniorengerechtes Bad und ein geräumiger Abstellraum tragen dazu bei, dass Freist sich wohlfühlt. Hinzu kommt die Betreuung durch die Johanniter vor Ort am Vormittag. Dazu gehören zum Beispiel Beratung und Begleitung im Alltag sowie gemeinsame Ausflüge.
Freist ist 85 Jahre alt und hat lange in Braunschweig gelebt, ihr Lebensgefährte kommt aus Berlin. Nach fünf Monaten Beziehung im Jahr 1958 seien sie durch die Ost-West-Teilung in Berlin getrennt worden und hätten erst vor drei Jahren wieder zusammengefunden, erzählt Freist, immer noch vom Balkon aus. Die Schwester lebt in Königs Wusterhausen und hat das Paar auf das Ufer Quartier aufmerksam gemacht.
Die ältere Dame erzählt von der Besichtigung: „Peter hat mich umarmt und gesagt: das ist es, was wir suchen.“ Ende Juli seien sie in die neue Wohnung gezogen. 1260 Euro warm zahlt das Paar, Nebenkosten wie Strom und die Hilfe der Johanniter nicht eingerechnet. Die ehemalige Braunschweigerin zählt Vorteile, wie die rutschfesten Kacheln im Bad und die moderne Einbauküche auf, doch allein könne sich Freist das nicht leisten, sagt sie.

Die Einfamilienhäuser des Ufer Quartiers in Königs Wusterhausen stehen fast alle leer. Auf den Parkplätzen sprießt das Grün, die Fenster sind dunkel. Auch viele Wohnungen sind bisher unbewohnt.
Maria HäußlerDie Wohnung zu bekommen, sei allerdings nicht so leicht gewesen. „Die Buwog ist ein Schnarchverein“, sagt 85-jährige. Zunächst sei ihre Bewerbung nicht beantwortet worden. Nach mehreren Anrufen klappte es dann, Freist vermutet auch, dass das mit dem neuen Makler zu tun hatte. Die Unterlagen musste das Paar allerdings erneut einreichen. Auch die Wohnungsgeberbescheinigung kam nicht direkt mit dem Vertrag. „Wir haben außerdem noch kein Fernsehen. Seit bald drei Wochen!“, erzählt die Rentnerin. Dann muss sie zurück ins Haus, wegen der Hitze.
Die Vision in Königs Wusterhausen gemeinsam alt zu werden
Kurz nach dem Gespräch mit Rosmarie Freist schiebt eine andere Bewohnerin ihr Fahrrad aus dem Hauseingang. Auf das Wohnen im Quartier angesprochen, winkt sie nur ab. „Ach, vielleicht ziehe ich bald wieder aus.“ Dann muss Angelika Keil zu einem Termin. Später erklärt die 72-Jährige dann am Telefon, dass es sie störe, so wenige Nachbarn zu haben. „Es ist nicht abzusehen, dass das hier eine Gemeinschaft wird“, sagt sie. „Meine Vision war, hier zusammenzuleben und gemeinsam alt zu werden.“
Auch Keil sagt, dass sich die Buwog kurz nach dem Bau „nicht gekümmert“ habe. Auf Mails sei „keine Reaktion“ gekommen, inzwischen sei das anders. „Offensichtlich hat sich da etwas in der Struktur geändert“, sagt sie und mutmaßt, dass auch das ein Grund sein könnte, dass das Wohngebiet so verlassen ist.
Torsten Hahn von der Buwog sagt dazu, dass sie seit April dieses Jahres mit Q.I.M. Quartier Immobilienmanagement GmbH einen externen Dienstleister engagiert haben, der vor Ort ein Vermietungsbüro eingerichtet hat und so „die Erreichbarkeit für potenzielle Mieter erhöht und kontinuierlich im Austausch mit Mietinteressenten steht“. Zu einzelnen Vertragsverhältnissen könne man grundsätzlich keine Auskunft erteilen.
„Die Wohnungen sind top“, so Keil. Sie hätte bereits versucht, ihre Wohnung Bekannten zu zeigen und so neue Bewohner zu werben, doch ohne Erfolg. Montag und Mittwoch gebe es eine Sprechstunde vor Ort. Da habe man ihr gesagt, dass ihr Haus bis Ende des Jahres voll wird. Bis zum Frühjahr will Angelika Keil deshalb noch warten, um dann zu entscheiden, ob sie bleibt.


