Bittersüße Chansons: Lieder von der Liebe und der Fremdheit

Bewies, dass sie viele Facetten hat: Jane Zahn sang in verschiedenen Sprachen und über unterschiedliche Themen.
Jürgen RammeltLaut dem Programm geht es diesmal um „Bittersüße Chansons“. Dabei begleitet Zahn sich selbst auf der Gitarre — mal zärtlich, verspielt und frech, aber auch eigenwillig und eindringlich. Die Texte haben es in sich. Jane Zahn hat viele Facetten, Saiten und Seiten, die sie bei ihrem Vortrag zum Klingen bringen möchte. Die Lieder handeln von der Liebe, aber auch von Fremdheit und Alltäglichem, von häuslichen und anderen Katastrophen, von menschlichen Schwächen und unerfüllten Sehnsüchten.
„Ein Menschenherz ist wie Kristall — zerbrich mich nicht und schick mich nicht von hier fort“ lautet der Text eines Liedes. Das, was die gerade mal 20 Besucher zu hören bekommen, trifft deren Nerv. Die Komponisten und Texter der Lieder sind keine Unbekannten: Berthold Brecht, Hanns Eisler, Franz Josef Degenhardt, Hannes Wader und Gisela Steineckert haben mit diesen Songs Musikgeschichte geschrieben. Als es bei dem Lied „Viel zu schade für mich“ um gestrickte Unterwäsche geht, die sich bis unter die Achseln ziehen lässt, müssen einige im Publikum schmunzeln.
Mit Brecht und Eisler und dem Lied „Nimm’s von den Pflaumen im Herbste“ beginnt der zweite Teil. Dem folgt mit der Ballade von Brigitte B. ein Titel, bei dem es um Frauenrechte und Vergewaltigungen geht. Jane Zahn nimmt ihr Publikum von Prag über Paris mit nach Bern, Moskau und Buenos Aires. Die folgenden Lieder singt die Chansonnette auf Französisch, auf Schwizerdeutsch, auf Russisch und Spanisch. Es geht um ein schielendes Mädchen, um einen Herrn Zehnder, der Tee verschüttet, und um die Moskauer Metro, in der die Leute rechts stehen und links gehen.
Zum Abschluss des zweistündigen Konzerts führt die Reise noch einmal über den Atlantik. Jane Zahn berichtet ihren Gästen vom Leben der Gauchos, vom Bandoneon, dem Instrument, aus dem die Töne für den Tango mit seinem betörenden Rhythmus kommen, und von ihrer Liebe zu dem lateinamerikanischen Tanz, zu dessen Melodien sie unbedingt singen will.(jr)