Unbekannte haben am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr den Dienstwagen von Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) angezündet. Der Wagen stand auf dem Privatgrundstück des Politikers, der sich am 8. November zur Wiederwahl stellt. Golde geht von einer gezielten Tat aus und zeigt sich erschüttert.

Erster Löschversuch von Golde und einer Zeugin

Laut Polizeisprecherin Ariane Feierbach wurde das Feuer gegen 19.30 Uhr von einer Zeugin im Wohngebiet Seeufer in Neuruppin entdeckt. Der Hybrid-Volvo von Jens-Peter Golde brannte am Reifen. „Zusammen mit dem Nutzer wurde ein erster Löschversuch unternommen“, so Feierbach. „Wir ermitteln wegen möglicher Brandstiftung.“ Kriminaltechniker untersuchten den Wagen.
Die am Mittwoch durchgeführten Maßnahmen der Kriminaltechniker sowie Zeugenbefragungen sollten am Donnerstag ausgewertet und bewertet werden, sagte Feuerbach weiter.
Die Polizei wollte nach eigenen Abgaben noch am Donnerstag einen Zeugenaufruf starten. Gesucht werden Zeugen, die verdächtige Personen oder Fahrzeuge bemerkt haben.

Golde ist überzeugt von Brandstiftung

Dass es Brandstiftung war, da ist Jens-Peter Golde sicher. „Auf dem Reifen befand sich ein Brandbeschleuniger (Anmerk. d. Redaktion: Kohlenanzünder)“, sagte er. Er gehe auch von einem gezielten Anschlag aus.
Mit Verbalattacken in den sozialen Netzwerken könne er inzwischen umgehen. „Aber das hier ist eine ganz andere Sache. Das lässt einen nicht kalt.“ Er hofft, dass der Volvo kein wirtschaftlicher Totalschaden ist und muss nun abwarten, was die Versicherung sagt. „Wer aber denkt, dass ich jetzt aufgebe, dem sage ich: Jetzt erst recht!“

Brandanschlag scheint gezielt gewesen zu sein

Golde geht nicht davon aus, dass der Brandanschlag Teil einer Serie ist, auch wenn die Polizei in diese Richtung ermittelt. Vor Kurzem ging ein Wohnmobil nur wenige Hundert Meter weiter in Flammen auf. Da dieser Brand aber in öffentlichem Raum stattfand, sieht der Bürgermeister die Lage in seinem Fall etwas anders.

Staatsschutz ermittelt: Drohschreiben und angezündetes Auto

Jetzt wurde bekannt, dass es eine weitere Bedrohung für Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) gegeben hat. Ein Drohschreiben habe im Briefkasten von Golde gesteckt, sagte ein Polizeisprecher am Mittwochabend.
Zuvor hatte der RBB berichtet, dass im Briefkasten des Bürgermeisters eine Morddrohung gefunden worden sei.
Der polizeiliche Staatsschutz hat wegen einer damit einhergehenden Morddrohung die Ermittlungen übernommen, da ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen wird. Ob beide Vorfälle zusammenhängen, werde jetzt untersucht, sagte der Polizeisprecher.
Nicht bekanntgegeben wurde, ob das Drohschreiben nach dem Anschlag auf den Wagen entdeckt wurde. Zum Inhalt des Schreibens machte der Sprecher keine näheren Angaben. Die Gefährdung des Politikers als Person des öffentlichen Lebens werde weiter geprüft, hieß es auf die Frage, ob Golde jetzt Polizeischutz bekomme.

Politische Kontrahenten und andere Politiker verurteilen Tat

Derweil melden sich auch andere Bürgermeister-Kandidaten zu Wort und verurteilen die Tat: Nico Ruhle (SPD) bezeichnet die Brandstiftung in sozialen Netzwerken als feige und in höchstem Maße gefährlich für Leib und Leben.
Sven Deter, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung Neuruppin, sagte mit Blick auf einen möglichen politisch motivierten Anschlag: „Ich glaube, dass ich im Namen aller Stadtverordneten spreche, wenn ich sage, dass ein derartiger feiger Eingriff in die Privatsphäre nicht zu akzeptieren und zu tolerieren ist.“
Am 8. November finden in Neuruppin Bürgermeisterwahlen statt. Golde will zum dritten Mal antreten.
Ermittler gehen von Brandstiftung bei dem Fahrzeug aus. Kriminaltechniker untersuchten den Wagen. Der Bürgermeister und eine Zeugin seien befragt worden.

Frau bemerkt Brand und ruft Feuerwehr

Eine Frau hatte nach Angaben der Polizei den Brand auf einem Privatparkplatz in einem Wohngebiet am Seeufer bemerkt und die Feuerwehr gerufen. Auch der Besitzer des Wagens sei alarmiert worden, hieß es von der Polizei.
Gemeinsam habe man versucht, die Flammen mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen. Einsatzkräfte der Feuerwehr konnten den Brand schließlich löschen und verhindern, dass das Fahrzeug komplett in Flammen aufging.
Immer wieder brannten in der Vergangenheit Autos in der Fontanestadt im Norden Brandenburgs. Eine Sprecherin der Polizei sagte: „Wir haben eine Häufung festgestellt“.