Bürgertelefon: Corona-Hotline für Ostprignitz-Ruppin ist offen für alle Fragen

Für die Einwohner im Landkreis: Eyli Roß ist eine von vielen Mitarbeitern, die seit mehreren Wochen das Bürgertelefon besetzen. Wenn Roß nicht im Büro sitzt, beantwortet sie die Fragen auch aus dem Homeoffice, während sie ihre Kinder betreut.
Alexander von UlenieckiWährend ihre beiden Teenager-Kinder Hausaufgaben machen, sitzt Eylin Roß, Mitarbeiterin der Kreisverwaltung und sonst eigentlich zuständig für den Bereich Kultur, zuhause in einem separaten Zimmer und kümmert sich um das Bürgertelefon des Landkreises.
Weniger Anrufe in der Kreisverwaltung
„Ich bilde sozusagen das Backoffice und bearbeite die Anfragen, die meine Kollegen nicht direkt beantworten konnten“, erklärt Eylin Roß ihre Aufgaben. Musste anfangs noch jeder Mitarbeiter in seiner Vier-Stunden-Schicht bei der Corona-Hotline bis zu 40 Telefonate entgegennehmen, sei die Zahl jetzt ein wenig zurückgegangen. Eine genaue Zahl an Anrufen, die seit Beginn der Corona-Krise beim Landkreis eingegangen sind, kann Kreissprecherin Britta Avantario indes nicht benennen. „Wir haben keine Strichliste geführt.“ Anfangs sei das Bürgertelefon täglich im Dreischichtsystem mit jeweils drei Personen besetzt gewesen, so Avantario. „Man merkt, dass die Menschen besser informiert sind“, so Roß. Mittlerweile nehmen nur noch vormittags drei Menschen die Anrufe entgegen, nachmittags wurde die Zahl auf zwei Mitarbeiter reduziert.
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„Wir wagen noch nicht, die Zahl weiter abzuspecken, da im Takt von zehn bis 14 Tagen neue Verordnungen auf Landes- oder heruntergebrochen auf Kreisebene für Verunsicherung sorgen“, so die Kreissprecherin weiter. Am Donnerstag soll eine weitere Regelung veröffentlicht werden, in der beispielsweise die Veränderungen in der Notbetreuung für Kinder festgelegt wird, die ab 27. April gelten sollen.
Diese Verordnung muss dann auch Eylin Roß im Kopf haben. Denn drehten sich im März, als das Bürgertelefon installiert wurde, die meisten Fragen um eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 oder um die Rückkehr aus einem Risikogebiet, brennen jetzt den Menschen Fragen zu den neuen Verordnungen auf den Nägeln. Doch keineswegs sei es so, dass es viel Kritik an den neuen Regeln gebe. „Die Leute wollen alles richtig machen und nicht gegen die Verordnungen verstoßen“, meint Eylin Roß. „Sie wollen Sicherheit.“
Doch die haben bei Detailfragen auch die Mitarbeiter der Hotline nicht immer. Also wird dem Anrufer ein Rückruf angeboten und Eylin Roß beginnt zu recherchieren, sich mit Ämtern oder auch Ministerium in Verbindung zu setzen. Im Notfall wird der Anrufer aber auch an die Hotline des Landes Brandenburg verwiesen. „Wir wollen ja nichts Falsches sagen“, so Avantario. Schließlich stamme die Eindämmungsverordnung ja auch vom Ministerium in Potsdam. So sei aktuell beispielsweise nicht klar, was Großveranstaltungen sind, die bis 30. August bundesweit verboten sind. Gilt das Verbot für 1 000 und mehr Zuschauer? Oder liegt die Grenze darunter? „Das ist noch nicht eindeutig geregelt“, so Avantario, die bei solchen Fragen dann an das Land verweist.
Aktuell drehen sich viele Anrufe um die geforderten Hygienevorschriften für Geschäfte, um die Regelungen für Pendler oder kommen von Betrieben, die mit den Vorbereitungen für die touristische Saison beginnen wollen, berichtet Eylin Roß. Aber auch Vereine melden sich, weil sie Fragen zu einer möglichen Freigabe von Sportstätten haben. Solche Anfragen leitet die Verwaltungsmitarbeiterin dann an die zuständigen Ämter weiter. Denn kein Betrieb darf einfach so wieder öffnen. „Alle brauchen eine Genehmigung, auch die Golfplätze.“
Lage hat sich in OPR etwas entspannt
Insgesamt habe sich die Lage beim Bürgertelefon aber mittlerweile schon etwas entspannt, so Roß. „Mir macht die Aufgabe Spaß.“ Anstrengend sei es trotzdem. Sie ziehe den Hut vor Mitarbeitern von Callcentern, die rund um die Uhr den Telefonhörer am Ohr haben. Die Anrufer der Hotline seien größtenteils freundlich und verständnisvoll, nur in Bezug auf die Reisebeschränkungen gab es auch unangenehme Gesprächsteilnehmer, erinnert sich Roß. „Viele freuen sich, dass sie überhaupt zurückgerufen werden und auch nicht stundenlang in einer Warteschleife hängen.“ Drei bis fünf Minuten dauert im Durchschnitt ein Gespräch.
„Ich versuche immer, Verständnis für den Menschen am anderen Ende der Leitung zu haben, doch nicht in jedem Fall kann ich ihn tatsächlich auffangen“, räumt Roß ein. Besonders nahe gehen ihr deshalb Anrufe von Bürgern, die Fragen zu Beerdigungen oder zu einem möglichen Besuch von todkranken Angehörigen haben.
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Ansprechpartnerin der Corona-Krise
Die Corona-Hotline des Landkreises Ostprignitz-Ruppin ist unter der Nummer 03391 6885376 montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 15 Uhr und sonnabends von 9 bis 12 Uhr erreichbar.
Auf der Homepage des Landkreises www.opr.de gibt es einen Menüpunkt Corona, über den weitere Kontakte, Dokumente und wichtige Links zu finden sind. Außerdem gibt es dort Hinweise speziell für Familien und Senioren mit Ansprechpartnern.⇥ug