Zwischen 16 und 58 Jahren

An den Beruflichen Schulen Neuruppin – ehemals Agus/Gadat – werden rund 300 Schüler zu Erziehern, Heilerziehungspflegern und Sozialassistenten ausgebildet. Um die derzeit geltenden Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können, wurden jetzt sämtliche Klassen geteilt. Im täglichen Wechsel besuchen die Azubis, die zwischen 16 und 58 Jahren alt sind, jetzt die Schule für je vier Unterrichtseinheiten. Die jeweils andere Gruppe arbeitet im virtuellen Klassenzimmer. Damit es zu möglichst wenigen Begegnungen kommt, bleibt zudem die Mensa geschlossen und die Unterrichts- sowie Pausenzeiten wurden versetzt, erklärt Martin Homa. Außerdem wurden die Tische auseinander geschoben, die Schüler müssen sich ihre Hände desinfizieren und es muss regelmäßig gelüftet werden. Dieses System soll vorerst bis zu den Sommerferien Ende Juni beibehalten werden, so der stellvertretende Schulleiter.
In den vergangenen Tagen sei die Freude der Auszubildenden auf die Schule spürbar gewesen, berichtet Denise Verena Ladewig, die an der Schule angehende Heilerziehungspfleger und Erzieher unterrichtet. "Mittlerweile wollen sie wieder den direkten Bezug zu Mitschülern und Lehrern, und sie wollen schneller nachfragen können", so die Lehrerin, die trotzdem ein positives Fazit aus dem virtuellen Unterricht der vergangenen Woche zieht. "Wir haben so viel geschafft wie sonst auch", bestätigt Martin Homa.
Für den virtuellen Unterricht wurden mehrere Programme eingesetzt, da die Schule die entsprechenden Lizenzen besitzt. "Sonst nutzen diese eher Wirtschaftsunternehmen", verrät Martin Homa. Die Bereitschaft der Lehrkräfte so zu arbeiten sei groß gewesen, auch wenn es nicht allen Kollegen leicht gefallen sei. Zur Unterstützung gab es eine technische Auftaktveranstaltung und die Teamsitzungen wurden fortan auch für IT-Fragen genutzt. Für Homa war es besonders wichtig, zu den Schülern per Videochat Kontakt zu halten und ihnen nicht nur Aufgaben per E-Mail zukommen zu lassen. Denn Unterricht sei mehr, ist er überzeugt: "Wir müssen ansprechbar sein. Und es muss die Möglichkeit zum reden und diskutieren geben."
Unterrichtet wurde dabei strikt nach Stundenplan, was für die Schüler zuhause eine gewisse Tagesstruktur ermöglichte. Nachdem die ersten Tagen noch vor allem für technische Fragen genutzt wurde, spielte sich der Unterricht Stück für Stück ein. Da es eine Teilnahmepflicht gibt, konnte Denise Verena Ladewig stets rund 20 Schüler im Videochat begrüßen. Für die Bearbeitung der Aufgaben wurden sogenannte virtuelle Klassenräume eingerichtet, in denen jeder Schüler "seinen Platz" hat. Sprich es gibt einen Reiter unter seinem Namen. Wobei die Lehrkraft alle Plätze der Auszubildenden sehen kann und somit auch die absolvierten Aufgaben. Diese waren unter den verschiedenen Menüpunkten zu den Lernfeldern zu finden. Bei Denise Verena Ladewig erfolgte dabei der Einstieg meist über ein Video zum Thema. Dann folgten Texte und Arbeitsaufträge. Ladewig ergänzte ihre Angebote stets um Links zu weiterführender Literatur, da anfangs keine Bibliotheksbesuche möglich waren. "Die Schüler sollen nicht nur frontal arbeiten, sondern mit vielen Sinnen lernen", so der Anspruch von Ladewig. Im Videochat wurde daher die Tafel oder der Lerngegenstand in den Mittelpunkt gerückt, berichtet Martin Homa, und nicht er selbst als Lehrkraft. Die Optionen des Videochats ermöglichen beispielsweise auch, einen Text gemeinsam zu erarbeiten und bei Bedarf sofort Fragen zu stellen. "Die Schüler haben dann ihre Notizen zu der Stunde eingestellt", erklärt der Vize-Schulleiter.
Die Programme, welche die Klassen auch in den kommenden Wochen nutzen werden, ermöglichen sogar Gruppenarbeiten oder kreatives Arbeiten. "Die Schüler können Präsentationen erstellen oder Videos drehen und diese wie in der Schule im Chat vorstellen", erklärt Denise Verena Ladewig. Doch trotz all dieser technischen Möglichkeiten, treibt die Lehrkräfte stets die Sorge um, ob alle Schüler erreicht werden, so Martin Homa. Anders als im realen Unterricht fallen jedoch die Azubis beim virtuellen Lernen mehr auf, die nichts machen oder mehr machen könnten. "Das muss die Kursleitung immer im Blick haben." Das virtuelle Lernen und Unterrichten sei Chance und Herausforderung zugleich. Für Homa ist ein reiner Unterricht via Internet aber keine Dauerlösung.