Corona-Pandemie
: Neuruppiner Wochenmarkt nicht nur in der Krise eine Alternative

Um vor allem älteren Menschen lange Wege zuim Einkaufen zu ersparen, gab es im Neuruppiner WK I das erste Mal einen Markt. Die Resonanz überraschte die Händler.
Von
Siegmar Trenkler
Neuruppin
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  • Vom Schulplatz ins Neubaugebiet Neuruppin: Die Händler, die sonst in der Innenstadt zu finden sind, waren zufrieden mit der Nachfrage der Kunden.

    Vom Schulplatz ins Neubaugebiet Neuruppin: Die Händler, die sonst in der Innenstadt zu finden sind, waren zufrieden mit der Nachfrage der Kunden.

    Siegmar Trenkler
  • Sicherheit ist wichtig: Hinweisschilder und Verhaltensregeln mahnen die Kunden des Neuruppiner Wochenmarktes zur Vorsicht.

    Sicherheit ist wichtig: Hinweisschilder und Verhaltensregeln mahnen die Kunden des Neuruppiner Wochenmarktes zur Vorsicht.

    Siegmar Trenkler
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Schon bevor um 8 Uhr die vier Händler ihre Waren angeboten haben, standen die ersten Kaufwilligen parat und fragten, wann es losgehe, berichtete Markt- und Platzmeister Andreas Dziamski. „Manche meinten: Endlich denkt jemand an uns“, freute er sich über den Zuspruch der Menschen.

Die Idee, auch im Neubaugebiet einen Markt anzubieten, liegt laut Christian Ringleb vom Stadtmarketing schon länger in der Schublade. Die Umsetzung ging dann aber innerhalb weniger Tage, so Dziamski. Ziel ist es, gerade den älteren Menschen, die einen großen Teil der Bewohner der Neubauten ausmachen, das Einkaufen zu ermöglichen, ohne, dass sie dafür lange Wege auf sich nehmen müssen.

Dankbare Kundschaft auf Neuruppiner Wochenmarkt

Der Plan scheint aufzugehen. „Für den ersten Tag war das okay“, schätzte Zemary Nabizada ein, der mit seinen selbst gemachten Aufstrichen seit zwei Jahren fest zum Wochenmarkt gehört. „Die Leute bedanken sich dafür, dass wir hier sind.“ Diese Erfahrung machten auch die anderen Händler. „Die Nachfrage hier ist gut“, berichtete Katharina Ibishi-Willmes, die mit ihrer Gewürzoase alltägliche und ungewöhnliche Angebote parat hat. „Grundsätzlich stehe ich mittwochs in Rathenow. Dort gibt es aber viele Händler und auch sehr viele Menschen. In der vergangenen Woche habe ich mich deshalb dort sehr unwohl gefühlt. Das war schon beängstigend.“ Deshalb packte die Neuruppinerin die Gelegenheit beim Schopf und sagte kurzfristig für den Markt im Neubaugebiet zu. Sie könne sich durchaus vorstellen, auch öfter dort vertreten zu sein. „Neue Gewürze braucht man ja nicht jede Woche. Eventuell könnte ich hier aber alle zwei Wochen oder einmal im Monat stehen“, war sie zuversichtlich.

Sicherheit geht vor wegen Corona

Ein Grund, warum die Händlerin weniger Sorge als in Rathenow hatte, waren auch die nicht zu übersehenden Sicherheitsvorkehrungen. Zwar ist es auf dem provisorischen Marktplatz aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht möglich, wie in Supermärkten Sicherheitsmarkierungen aufzukleben, erklärte Ringleb. Doch dafür gibt es an jedem Stand den Hinweis, zwei Meter Mindestabstand zu anderen Kunden zu halten. Und die Menschen vor den Verkaufswagen beachteten das auch, obwohl ein reges Treiben herrschte. „Mit dieser sehr guten Resonanz habe ich nicht gerechnet. Die Menschen sind total freundlich und froh darüber, dass sie keine weiten Wege laufen müssen“, sagte Angela Rawe, die Fleisch- und Wurstwaren anbietet. „Es gibt hier viele ältere Leute. Diese Generation hat früher uns geschützt. Daher haben wir spontan zugesagt, als wir in der vergangenen Woche gefragt wurden, ob wir mitmachen wollen.“

Doppelt lohnenswert für Neuruppiner Rewe-Markt

Für Rawe ist das neue Marktangebot auch eine ideelle Sache. Dass die Nachfrage darüber hinaus stimmt, sei umso besser. „Das wurde schon gleich morgens gut angenommen. Wenn sich der Markt hier etablieren würde, würden wir uns freuen.“ Sogar über die Krise hinaus sieht sie darin eine Bereicherung für die Menschen, die im Umfeld wohnen. Die sind durchweg positiv gestimmt. „Ich finde das gut“, sagte eine ältere Dame, die nicht namentlich genannt werden möchte, weil ihr Sohn nicht mitbekommen soll, dass sie ihre Wohnung verlassen hat. „Man ist ein wenig draußen. Das ist für uns ja wichtig.“ Dass es den Markt gibt, hatte sie von ihrer Cousine erfahren. „Es ist wirklich in Ordnung für die Menschen, die hier wohnen“, fand auch Helga Drescher. "Vom Angebot her ist es alles, was man braucht“, schätzte Brigitte Schuster ein, die gemeinsam mit ihrem Mann die Chance zum Einkaufen nutzte.

Wochenmarkt-Angebot wird ausgebaut

Dabei waren die vier Händler am Mittwoch nur der Anfang. „In der kommenden Woche kommen weitere Händler hinzu“, blickt Dziamski voraus. Unter anderem Eier soll es dann geben. „Wir haben einen Händler, der hier sowieso immer donnerstags steht und Eier verkauft. Wir hoffen, dass er vielleicht mit auf den Markt kommen kann.“ Auch Obst und Gemüse wird es laut Markt- und Platzmeister Dziamski am nächsten Mittwoch im WK I geben. Nur Backwaren seien nicht vorgesehen. „Es gibt nur 200 Meter weiter einen Bäcker. Dem wollen wir keine unnötige Konkurrenz machen.“

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Der neue Wochenmarkt im WK I

Als provisorischer Marktplatz fungiert das gepflasterte, dreieckige Areal zwischen dem Schwarzen Weg, der Junckerstraße sowie dem Block mit der Hausnummer 16 a.

Händler stehen dort mittwochs von 8 bis 13 Uhr. Bei der ersten Auflage waren es nur vier Verkäufer mit Blumen, Gewürzen, Fleisch- und Wurstwaren sowie Feinkost-Aufstrichen. Ab kommender Woche soll es auch Eier, Obst und Gemüse geben.

Der Mindestabstand ist aus Sicherheitsgründen beim Einkauf zu beachten. ⇥zig