Demonstration: Neuruppiner Schüler gehen für Klimaschutz auf die Straße

Viele Plakate: Die Jugendlichen fürchten, dass sie die Versäumnisse der aktuellen Klimapolitik ausbaden müssen.
Markus KlugeDas Jahr 2018 war so heiß und trocken, dass es im Ruppiner Land oft brannte und sonst wasserführende Gräben trocken fielen. Im Jahr zuvor hatte es noch so stark geregnet, dass Bauern mit ihren schweren Maschinen auf den durchnässten Feldern stecken geblieben sind. Das sind nur zwei regionale Beispiele dafür, dass die Wetterphänomene immer extremer werden. Die Hitzewelle im vergangenen Jahr war der Auslöser für die heute 16-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg die Schule zu schwänzen und vor dem Reichstag für Klimaschutz zu demonstrieren. Was als eine Einzelaktion begann, ist mittlerweile zu einer weltweiten Bewegung von jungen Leuten gewachsen.
Die Neuruppiner Aktion am Freitag hat der aus Walsleben stammende Corven Drößler mitorganisiert. Nicht nur um Thunbergs Beispiel zu folgen, sondern auch um auf den erst für das Jahr 2038 vorgeschlagenen Kohleausstieg aufmerksam zu machen. Das heißt, das weitere 19 Jahre in Deutschland Kohle zur Energiegewinnung genutzt werden soll, bei deren Verbrennung das klimaschädliche Kohlendioxid freigesetzt wird. Das Thema kam bei vielen Schülern offenbar so gut an, dass sie sich nicht nur über die sozialen Netzwerke, sondern auch über WhatsApp-Gruppen organisierten und als Klasse oder im Freundeskreis zur Kundgebung kamen. „Ich interessiere mich schon immer für Umweltschutz“, sagte Katharina aus der achten Klasse der Montessori-Oberschule, die gemeinsam mit ihren Freundinnen ein Plakat gestaltet hat.
Drößler zeichnete in seinem Redebeitrag ein düsteres Bild für die kommenden Generationen, wenn sich in der Klimapolitik, aber auch in dem Verhalten von jedem Einzelnen nichts ändert. Im Jahr 2071, wenn er Rentner ist, müsse er wahrscheinlich mit seinen Enkeln miterleben, wie die Polkappen abschmelzen, Permafrostböden auftauen, ganze Länder überflutet werden, Milliarden Menschen auf der Flucht sind, der letzte Eisbär stirbt und letztlich alle in Gefahr sind. „Ich studiere in Potsdam Geografie und weiß, wie sich Veränderungen auf das System Erde auswirken können und welche Folgen das für uns haben kann“, so Drößler. Seine Generation wolle viel lieber eine Geschichte schreiben, „in der Enkel lachen, Eisbären leben und keiner fliehen muss, weil der Meeresspiegel das Haus verschlungen hat“. Jeder müsse sich entscheiden, ob er in jeden Urlaub wirklich fliegen, für jeden Weg das Auto nehmen und zu fast jeder Mahlzeit Fleisch essen muss, meinte Drößler.
Maxima Müller aus der 9a des Evangelischen Gymnasiums drehte den Spieß um und hielt ein vermeintliches Plädoyer für den Klimawandel: „Der Klimawandel macht uns fröhlich. Längere Sommer, mehr Wasser.“ Es werde weniger Baumwolle verbraucht, weil niemand mehr Winterkleidung benötigt. Die Ernteerträge werden aufgrund der Trockenheit so schlecht, dass es nicht mehr genug Tierfutter gibt und sich die Massentierhaltung dadurch von allein erledigt. Nur reiche Menschen könnten in einem Biosphärenreservat leben und darin auch noch Tiere essen. Und letztlich gebe es durch Naturkatastrophen so viele Tote, dass es auch keine Demonstranten mehr gibt, sagte sie.
Dass es Jugendliche gibt, die sich für Klimaschutz einsetzen, lobte Matthias Dittmer. „Das ist richtig klasse, dass die Schüler so etwas machen“, so der 64-jährige Berliner Grünen-Politiker und Schauspieler, der in Zempow lebt. Auch er kritisierte die Klimapolitik und die starke Autolobby in Deutschland. Wenn sich nicht schnell und dauerhaft etwas ändert, befürchtet er, dass seine drei Kinder Hamburg in einer Insellage erleben werden, wenn irgendwann das Wasser steigt. Ob es in Neuruppin eine weitere Demo für den Klimaschutz geben wird, steht noch nicht fest.
Fridays for Future
Die Aktion „Fridays for Future“ geht zurück auf die 16-jährige schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg. Ab August 2018 demonstrierte sie immer freitags vor dem schwedischen Reichstag mit einem Plakat „Schulstreik für das Klima“, was ihre Eltern und Lehrer zuerst kritisierten. Es schlossen sich ihr aber viele Mitstreiter an. Im Dezember 2018 hielt das Mädchen eine Rede bei der UN-Klimakonferenz in Katowice, die weltweit Beachtung fand. Im Januar nahm sie auch am Weltwirtschaftsforum in Davos teil, um zu kritisieren, dass die Politik zu wenig für Klimaschutz tue und damit unverantwortlich jungen Menschen gegenüber handele.