Einsam in Neuruppin: Wo Menschen Hilfe beim Einkauf oder Behördengang bekommen

Christian Wirsam unterstützt Hildegard Grützmacher in Neuruppin bei Problemen im Alltag. Der Rentnerin und vielen anderen Menschen in Ostprignitz-Ruppin ist Nachbarschaftshilfe sehr wichtig.
Christian Bark- Nachbarschaftshilfe in Neuruppin unterstützt Senioren und Menschen mit Handicap im Alltag.
- Hildegard Grützmacher nutzt Angebote wie Einkaufshilfe und Rommee-Nachmittage.
- Projekt „Gemeinsam statt Einsam“ hilft bei Einkäufen, Behördengängen und Mobilität.
- Krümelkiste bietet Veranstaltungen, Vorträge und soziale Aktivitäten an.
- Wichtigkeit von Nachbarschaftshilfe zeigt Umfrage: 92,9% in Neuruppin engagieren sich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seit sie ihr Heimatdorf Barsikow in Richtung Neuruppin verlassen hat, ist Hildegard Grützmacher mehr oder weniger auf sich gestellt. Im Neubaugebiet nahe der Heinrich-Rau-Straße wohnt die Rentnerin allein. Von ihren Hausbewohnern hat sie bisher wenig Hilfe erhalten. Woanders hat sie allerdings mehr Glück.
Um nicht völlig einsam zu sein, hat sie 2023 das Sommerfest in der Krümelkiste besucht. Das ist das Mehrgenerationenhaus und Familienzentrum im Neubaugebiet WK I bis III. Träger ist der Demokratische Frauenbund. Hier hatte die heute 70-Jährige mehrere interessante Gespräche führen und sich über Hilfe im Alltag sowie Veranstaltungen informieren können.
Projekt in Neuruppin hilft beim Einkaufen
Seitdem besucht sie die wöchentlichen Rommee-Nachmittage in der Krümelkiste und konnte in Kontakt mit Christian Wirsam treten. Er ist seit März 2024 Leiter des Ankerprojekts „Gemeinsam statt Einsam“, das über den Pakt für Pflege finanziert wird. Das Projekt selbst gibt es in Neuruppin seit 2022.
„Vorher haben wir das alles mitbetreut“, sagt Krümelkisten-Leiterin Silvana Münch. Nun arbeiten mit Christian Wirsam drei feste Mitarbeiter und drei Ehrenamtler für das Projekt. Zehn Leute betreut das Team regelmäßig sowie bis zu 50 pro Woche sporadisch. Es hilft beim Einkaufen, Behördengängen, Kontaktaufnahmen und unterstützt etwa bei der Mobilität.

Silvana Münch leitet das Mehrgenerationenhaus Krümelkiste in Neuruppin. Bis zu 50 Menschen betreuen sie ihr und Team.
Christian BarkAls Hildegard Grützmacher mal ein schweres Paket retour schicken wollte, war Christian Wirsam für sie da gewesen und hatte ihr das Paket zur Post gebracht. „Er hat sich auch darum gekümmert, dass bei mir demnächst zwei Wände gestrichen werden“, schwärmt die Rentnerin. Wenn sie mal Hilfe beim Einkaufen benötige, könne sie sicher auch auf das Team zählen.
Die Unterstützung ist für die Menschen kostenlos. Die Förderung des Projekts steht laut Silvana Münch allerdings zunächst nur bis Ende 2024. Es richtet sich vor allem an Senioren und Menschen mit Handicap. „Einem alten Herrn wurde in dem Zusammenhang auch mal beim Umzug von seiner Wohnung in ein Seniorenheim geholfen“, berichtet sie.
„Gemeinsam statt Einsam“ steht auch als Ergänzung zum umfangreichen sozialen Angebot in der Krümelkiste. Hier gibt es Fachvorträge, Spielenachmittage, Kulturveranstaltungen, eine Kleiderbörse, gemeinsame Ausflüge, Ferienangebote und Projekte für Drittstaatler. „Die Hemmschwelle, den Nachbarn besser kennenlernen zu wollen, ist heute sicher größer als früher“, so Silvana Münch.
Hilfe unter Nachbarn ist Menschen in Neuruppin sehr wichtig
Nachbarschaftshilfe ist den Menschen in Ostprignitz-Ruppin und Neuruppin extrem wichtig. Das geht aus dem Wahlkompass Brandenburg geht hervor. An der Online-Umfrage – initiiert durch Märkische Oderzeitung, Lausitzer Rundschau und Märkische Allgemeine Zeitung in Zusammenarbeit mit der Agentur „Die Mehrwertmacher“ – haben landesweit 15.500 Menschen teilgenommen. In Ostprignitz-Ruppin waren es 841, in Neuruppin 243.
88,7 Prozent der Befragten im Landkreis engagieren sich in dem Bereich oder wären bereit, sich hier zu engagieren. Für die Stadt Neuruppin sind es sogar 92,9 Prozent. Nachbarschaftshilfe trägt für sie entscheidend zu einem lebenswerten Brandenburg bei. Auch in anderen Kommunen ist das so. Etwa in Kyritz, wo 89,2 Prozent der Teilnehmer für mehr Nachbarschaftshilfe votierten.
Angebote hält zum Beispiel die Volkssolidarität bereit. Etwa in ihren zwölf Ortsgruppen, wie Mitarbeiterin Irena Schwärtzel berichtet. Dort konnte zuletzt der Ortsgruppenleiterin in Sieversdorf, die an Krebs erkrankt war, geholfen werden. Nachbarn und Gruppenmitglieder hätten die Dame liebevoll im Alltag unterstützt, bis sie einen Pflegegrad erhalten habe.

Irena Schwärtzel arbeitet für die Volkssolidarität in Kyritz. In zwölf Ortsgruppen gibt es Angebote zur Unterstützung.
Irena SchwärtzelDer ist etwa nötig, wenn die Volkssolidarität Betroffenen Alltagshelfer – meist Ehrenamtliche – zur Seite stellt. „Von denen es leider immer weniger gibt“, wie Irena Schwärtzel bemerkt. Ab Pflegegrad zwei gebe es auch ein Budget für Verhinderungspflege, wenn etwa Verwandte keine Zeit oder Kraft dafür hätten. „Die können dann auch Nachbarn übernehmen.“
In der Kyritzer Sozialstation der Volkssolidarität finden Nachbarn ebenfalls zueinander. Die Einrichtung hält für ihre Besucher ähnliche Angebote wie die Neuruppiner Krümelkiste bereit. „Hier bilden sich unter Nachbarn auch mal Fahrgemeinschaften und Einkaufshilfen“, sagt Irena Schwärtzel. Der Kampf gegen das Alleinsein betreffe nicht nur ältere Menschen.



