Ein eigenes Weingut
Denn nicht selten kommt bei ihm der Rebensaft vom eigenen Weingut in Rheinhessen ins Glas. In siebter Generation – bis ins 18. Jahrhunderts reichen seine Recherchen – befindet sich der Hof in Sprendlingen, zu dem 20 Hektar Land gehören, in Familienbesitz. "In meinem Leben gab es eine Weggabelung", berichtet Weidmann, an der er sich zwischen der Winzer-Ausbildung und einem anderen Beruf entscheiden musste. Schon als Jugendlicher war er auf dem Dorf bei der Feuerwehr aktiv und kam so bereits in jungen Jahren mit Notfällen in Berührung. Seinen Zivildienst absolvierte er ebenfalls im Rettungsdienst. "Die Medizin wuchs also zur beruflichen Alternative heran", erinnert sich der 50-Jährige. Er suchte das Gespräch mit seinem Vater, dem Winzermeister Helmut Weidmann, der 1954 das "Weingut Weidmann" übernommen hatte und es 1972 aus Liebe zu seiner schottischen Ehefrau in "Weingut Schottenhof" umbenannt hatte. Doch Weidmann senior riet seinem Sohn  davon ab, die Landwirtschaft, zu der auch der Weinbau zählt, zu seinem Lebensmittelpunkt zu machen. Also studierte der Neuruppiner Medizin. "Die Würfel waren gefallen."
Doch als Erik Weidmann gerade einmal 29 Jahre alt war, starb überraschend sein Vater. Keiner seiner drei Geschwister hatte Interesse daran, den Familienbetrieb zu übernehmen. "Zwei waren beruflich schon festgelegt und meine jüngere Schwester war noch zu jung." Aber Weidmann lag der Betrieb am Herzen. "Kümmere dich um den Hof", habe sein Vater ihm als Nachlass mitgegeben. "Ich wollte das Weingut für die Zukunft erhalten und es zugleich zukunftsfähig machen." In Erinnerung an seinen Vater erhielt er den Namen des Gutes. Um das Unternehmen neben seinem Medizinerberuf führen zu können, verpachtete er den Großteil der Flächen und konzentriert sich auf rund zwei Hektar Anbaufläche, auf denen die Trauben für die Herstellung von Flaschenweinen reifen. "Vieles im Weinbau ist Handarbeit. Über Verträge sind die Jahresarbeiten an befreundete Weingüter vergeben", erklärt Erik Weidmann.
Schon als Kind habe ihn fasziniert, dass es zu jeder Jahreszeit eine Arbeit im Weinberg gebe. "Im Weinbau ist es für mich ein ganz wesentliches Gefühl, die Jahreszeiten zu erleben." Da sei der erste Tag im Frühling, "an dem man das Gras und die Erde riechen kann", so Weidmann. Er erinnert an den Sommer, wenn man schon vorher riechen kann, dass der Regen kommt. Im Herbst beeindrucken ihn die Farben der Weinblätter in den Weinbergen. Im Winter dann kehre Ruhe ein, wenn alle Arbeiten erledigt sind. "Der Mensch arbeitet im Rhythmus der Natur. Diese Verbindung von Maschine, Mensch und Natur hat mich immer wieder erstaunen lassen." Der Wein vom Schottenhof schmecke anders, er sei geprägt von der Familiengeschichte, so der Mediziner. "Wein ist gefangene Geschichte in Flaschenform."
Auf Weidmanns Flächen reifen zum Teil für das Weinbaugebiet Rheinhessen traditionelle Rebsorten wie Riesling oder Grauburgunder, aber auch Silvaner, Chardonnay oder Kerner. Zwischenzeitlich hat es Erik Weidmann auch schon mit einem Cabernet Sauvignon versucht. "Das Klima prägt die Sorten, die angebaut werden." Und so ist er nicht nur seit 22 Jahren an vielen Wochenenden auf dem Weingut, sondern auch einen Teil seines Urlaubs verwendet der Mediziner darauf, pünktlich zum Start der Weinlese in dem Gebiet zwischen Nahe und Rhein zu sein. Unterstützung erfährt er von einem Kellermeister. Anders als beim Fasswein, sei für die Herstellung von Flaschenweinen ein filigraneres Arbeiten notwendig, erklärt Weidmann. So werden die Trauben besonders sorgfältig, getreu dem Motto "nur die Guten kommen ins Töpfchen", aussortiert und eine spezielle Kellereitechnik ist für eine gezügelte Gärung notwendig. Denn auch wenn die zwei Hektar Anbaufläche einen Ertrag von jährlich 20 000 bis 30 000 Flaschen Wein bringen könnten, nimmt sich Erik Weidmann die Freiheit, nur die wirklich guten Weine zu vermarkten. Das geschieht über das Weingut und über wenige Weinhändler, unter anderem in Potsdam und Leipzig.
Hochschulwein für die MHB
Aber auch in Neuruppin, wo ihn 2007 die Liebe zu seiner Frau hingezogen hat, die jedoch vor drei Jahren verstorben ist, ist Wein vom Schottenhof erhältlich. Zur Gründung der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) brachte Weidmann 2014 einen Hochschulwein heraus, von dessen Kaufpreis vier Euro an den Förderverein der MHB gehen. Bei einer Tasse Tee, lacht Weidmann, sei gemeinsam mit Prof. Dr. Gerhard Danzer, der nicht nur Mediziner, sondern auch Philosoph und einer der MHB-Gründungsväter ist, die Idee zu diesem Gründungswein geboren worden. Erik Weidmann wählte für den besonderen Anlass einen Prädikatswein, einen trockenen Riesling des MHB-Gründungsjahrgangs 2014 aus. "Das Wetter war durchwachsen, aber der Wein ist hervorragend und passt zu diesem historisch bedeutsamen Anlass der Hochschulgründung. Denn so gut wie der Jahrgang gelungen ist, so gut ist die Idee der MHB."
Jetzt zum fünfjährigen Bestehen der MHB, das 2019 begangen wurde, gibt es einen neuen Hochschulwein. "Ein Fünf-Jahres-Wein, der knapp nicht mehr trocken, sondern schon als feinherb bezeichnet werden kann." Ausgewählt habe er für diesen Fontanewein eine Cuvée, also eine Komposition, aus Riesling und Chardonnay. "Bei diesem Wein ist die belebende, spritzige Säure des Rieslings verheiratet mit einem Hauch Restsüße der Chardonnay-Trauben", beschreibt Winzer Weidmann den neuen MHB-Wein, der nach Abfüllung und einer Ruhephase, die im Februar begann, nun erhältlich ist.  Kostenpunkt 12,50 Euro – erneut gehen pro Flasche vier Euro an den MHB-Förderverein. "Der Wein ist spritzig lebhaft und passt damit sehr schön zur Entwicklung der Hochschule." 600 Flaschen, mit denen er die MHB unterstützen will. hat Erik Weidmann abgefüllt. "Es ist eine Freude den Zusammenhang zwischen Wein, Kultur, Tradition, Natur und Körper herzustellen, ganz nach der Erkenntnis - in vino medici."
Informationen: www.mhb-fontane.de, www.weingut-schottenhof.de

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