Finanzen: Ruppiner bezahlen häufiger bargeldlos
Geht es nach der EU-Kommission sollen solche Beträge künftig nach einer einheitlichen Regel auf fünf Cent auf- oder abgerundet. Der Gewinn oder Verlust soll sich im Laufe der Zeit wieder ausgleichen und die Einer und Zweier überflüssig machen. Denn deren Herstellung und deren Logistik verursachen unverhältnismäßig hohe Kosten. Von denen sind auch die regionalen Banken betroffen
Schwierige Preispolitik
Bäckermeister Thomas Hausbalk aus Fretzdorf, der im Kreis sieben Filialen betreibt, hat weniger das Problem, dass seinen Mitarbeitern häufig das Wechselgeld fehlt. „Es gab Zeiten, da musste ich das Kleingeld in zwei Taschen zur Bank bringen“, sagt er. Allerdings habe das Kreditinstitut irgendwann Druck gemacht. Während Privatkunden bei vielen Banken ihr Münzgeld kostenlos einzahlen können, müssen Unternehmer dafür häufig Gebühren zahlen. Hausbalk hat deshalb entschieden, dass seine Mitarbeiter davon so viel wie möglich wieder an die Kunden herausgeben sollen. „Das funktioniert gut“, sagt er. Die Idee der EU-Kommission, kleine Cent-Münzen abzuschaffen, sieht Hausbalk mit sehr gemischten Gefühlen. „Vor allem unterhalb von 50 Cent wird es kritisch“, sagt er. Die Preisschwankungen um bis zu vier Cent seien Kunden dann schwer zu erklären. „Das stelle ich mir bei einem einzelnen Brötchen sehr schwierig vor“, so Hausbalk. Fraglich ist auch, wie an der Tankstelle noch bar bezahlt werden kann, wenn man beim Spritzapfen kein glückliches Händchen hat.
Annekathrin Dau steht in Neuruppin auf dem Wochenmarkt und verkauft dort Obst, Gemüse und Blumen. „Ein- und Zwei-Cent-Münzen müsste ich nicht mehr haben“, sagt sie. Dabei kommen auch zu ihr viele Kunden, die ihr quasi das Kleingeld ausschütten. Bisher komme sie damit sehr gut klar: „Das mit dem Auf- und Abrunden würde mir aber komisch vorkommen. Ich würde das aber hinbekommen – so oder so.“
Der Handelsverband Berlin-Brandenburg sieht beim Kleingeld keinen Handlungsbedarf. „Das führt nur zu einer Verwirrung der Kunden und zu einem Mehraufwand bei den Händlern. Wir lehnen diesen EU-Vorschlag deshalb ab“, so Referent Phillip Haverkamp.
Die Banken würden die Abschaffung der Kleinstmünzen nicht nur aus Zeit- und Kostengründen begrüßen. Die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin und die Raiffeisenbank registrieren nämlich auch, dass immer mehr bargeldlose Transaktionen vorgenommen werden. „Die Online-Filiale der Raiffeisenbank ist mit 426 524 Aufrufen im Jahr 2019 unsere am stärksten besuchte Filiale. Die VR-Banking App wurde 294 506 aufgerufen. Genauso rasant entwickelt sich das Bezahlen mit Girocard und Kreditkarten“, so Anja Gensch, Sprecherin der Raiffeisenbank Ostprignitz-Ruppin.
Bei der Sparkasse wird der Anstieg des bargeldlosen Bezahlens anhand der Nutzung der Sparkassencard deutlich. Rund 56 000 davon gibt es. Die wurden 2019 bei etwa 2,169 Millionen Transaktionen eingesetzt, mit denen rund 104,6 Millionen Euro bewegt wurden. 2018 waren es nur 1,888 Millionen Transaktionen mit einem Volumen von 93,8 Millionen Euro.
Viele Kleinstmünzenim Umlauf
Etwa 65 Milliarden Ein- und Zwei- Cent-Münzen sind in Europa im Umlauf, davon rund 11,6 Milliarden Ein-Cent-Münzen und zirka 9,3 Milliarden Zwei-Cent-Münzen allein in Deutschland.
Die Herstellung einer Ein-Cent-Münze kostet etwa 1,65 Cent.⇥red


