Fußball: Ungeliebt und dennoch pflichtig
Daniel Kraatz (Grün), Alt Ruppin
Diese Pokalspiele mitten in der Vorbereitung passen mir gar nicht. Man hat ja gesehen, die Jungs hatten alle schwere Beine nach drei Wochen harter Vorbereitung auf eine für uns ganz wichtige Saison in der Landesliga. Dann mitten in der Trainingsphase erst ein Halbfinale, fünf Tage später ein Finale zu spielen, passt nicht rein. Ich bin froh, dass sich bei der Hitze am Sonnabend keiner verletzt hat. Da noch Urlaubszeit ist, fehlten auch etliche Spieler. Ich verstehe auch nicht, bei den trainierten Profis wurden wegen der so hohen Belastung fünf Wechsel ermöglicht. Bei den Amateuren geht das nicht, wir dürfen nur dreimal wechseln. Da sieht man den Stellenwert des Amateurfußballes beim DFB. Meine Jungs gehen alle arbeiten, trainieren dreimal in der Woche hart und das nach einer langen Spielpause, da ist die Verletzungsgefahr doch riesengroß, zwei weitere Wechsel wären da hilfreich. Und dieser Stress der Pokalspiele hier im Kreis mitten in der Vorbereitung nur um pünktlich für den Landespokal ein Team melden zu können, das dann in der ersten Runde rausfliegt. Am Ende geht der Landespokal doch sowieso an einen Regionalligisten.
Ronny Krapat (in Rot), Kyritz
Im November haben wir nach dem 4:1-Sieg beim SV Blumenthal über den Einzug in Kreispokal-Halbfinale gejubelt und uns dann auf das Halbfinale gegen Alt Ruppin gefreut. Heute sehe ich es nach der langen Spielpause natürlich anders, mir steht ein ganz anderes Team zur Verfügung, wir haben den Verjüngungsprozess fortgesetzt, einige ältere Spieler haben aufgehört. Dann ein Pflichtspiel am Anfang der Vorbereitung mitten in der Teambildungszeit passt mir gar nicht. Wir hatten am Mittwoch das erste Training, so habe ich das Halbfinale als Testspiel angesehen, aber die Jungs haben bei dieser Hitze ganz schön geackert, zum Glück hat sich kein Spieler verletzt. Ich konnte die Vorbereitungsphase einfach nicht planen, zumal ja auch ein Landespokalspiel am 16. August möglich ist. Also kurz gesagt, mit dem Sinn dieser Pokalspiele tue ich mich schwer.
Gunnar Reblin, MSV II
Ich finde es nicht gut, das der Pokalwettbewerb fortgesetzt wurde, vor allem, dass die Halbfinalpartien und das Finale dann auch noch so früh angesetzt wurden. Nach der langen Spielpause, die letzten Punktspiele gab es Anfang März, dann mitten in der Vorbereitung ein eigentlich so wichtiges Spiel anzusetzen, ist nicht ideal. Wir sind als Landesklasse-Aufsteiger mitten in der Vorbereitung auf eine wichtige, schwere Saison, hatten schon drei Verletzte, kein Wunder nach der langen Pause. Ich verstehe nicht, warum in unserem Fußballkreis so ein Pflichtspiel in der Vorbereitungs- und Urlaubszeit angesetzt wurde. In anderen Fußballkreisen wurde da anderes entschieden.
Dann noch die Reglung nur drei Wechselspieler zu erlauben, anstatt fünf wie auch im Profibereich. Wir hatten ja noch Glück mit dem Wetter, doch am Sonnabend in Kyritz bei über 30 Grad zu spielen, das erhöht noch einmal die Verletzungsgefahr. Da wären fünf Wechsel schon gut gewesen. Bei uns hat sich Dimitar Milushev zum Glück wohl nur leicht verletzt, ich hoffe auch beim Unioner Jannis Steinke ist es nicht so schlimm.
Ich glaube mit der Ansetzung dieser Pokalspiele hat sich der Fußballkreis keinen Gefallen getan. Am Freitag steht ja für uns und Alt Ruppin das Pokalfinale an, ein weiteres Pflichtspiel mitten in der Vorbereitungszeit. Klar, wollen wir es gewinnen, ich freue mich auch irgendwie darauf, hoffe aber, es geht ohne Verletzungen ab. Union und Kyritz mussten theoretisch im Relegationsspiel auch noch einmal ran. Man hätte doch den freien Platz des Fußballkreises im Landespokal 20/21 einmal unbesetzt und diese Partien später austragen oder ganz wegfallen lassen können.
Stephan Ellfeldt, Union II
Also ich muss aufpassen, was sich sage, ansonsten werde ich wohl gesperrt werden. Ich bin nämlich sauer, diese Pokalpartien sind eine Frechheit, ein Unding unter diesen Umständen schon Pflichtspiele anzusetzen. Union ist seit knapp eineinhalb Wochen in der Vorbereitung nach einer monatelangen Pause, das Team ist mitten im Umbruch und dann so ein Pflichtspiel. Man kann sagen, der jammert nur und meckert. Aber wir als Trainer haben auch eine Verantwortung. Die Jungs sind alle Amateure, haben monatelang nicht gespielt, da ist die Verletzungsgefahr in so einem Pflichtspiel sehr groß, wie man bei Jannis Steinke ja gesehen hat. Es ist ein Pokalhalbfinale gewesen, natürlich wollten wir auch gewinnen und da gehen dann die Spieler schon mal über die Grenzen. Das ist in einem Testspiel ganz anders, da hält man sich dann doch mal zurück.
Das ist ein sinnloser Wettbewerb, der MSV II kann sich für den Landespokal nicht qualifizieren und Alt Ruppin ist schon dabei. Klar geht es um einen Titel, aber der kann mit ein, zwei Langzeitverletzten teuer werden. Wir müssten jetzt eine Relegation um den freien Platz spielen, um dann eine Woche später im Landespokal gegen einen höherklassigen Gegner wahrscheinlich rauszufliegen. Also noch zwei Pflichtspiele in der Vorbereitung. Ich sehe da einfach keinen Sinn drin.
Dann rufe ich am Sonnabend beim Fußballkreis an, frage nach, ob wir fünfmal wechseln können. Dies wurde mir zunächst zugesagt. Wenig später gab es die Info, nur drei Wechselspieler sind möglich. Da fühlt man sich doch von den Funktionären verladen. Warum hat man im Vorfeld der Planung nicht mit den vier Trainern gesprochen? Nein, da wird einfach etwas festgelegt, Trainer und Spieler müssen es ausbaden.
Die beidenVerletzungen
Dimitar Milushev, MSV II: Der 22-Jährige gehört zum Kader des Brandenburgliga-Teams, kam aber auch schon in der abgebrochenen Saison in der Kreisoberliga sowie im Pokalwettbewerb der zweiten MSV-Elf zum Einsatz. Zwei Treffer erzielte er in der ersten Runde gegen Wittenberge/Breese. Am vorigen Sonntag bekam er nach einer halben Stunde Spielzeit einen Schlag aufs rechte Schienbein. Die Muskel "machten zu", beschreibt Coach Gunnar Reblin. Die Wade des Stürmers war dann knochenhart. An eine Fortsetzung der Partie war für ihn nicht mehr zu denken. Leon Mewes kam dafür, was den MSV wurde zu mehreren Positionswechseln zwang.Eine genaue Diagnose der Muskelverletzung steht noch aus. Es deutet sich eine Spielpause an. Ausschließen will der Finalist aber nicht, dass der wuchtige Bulgare am Freitagabend zum Kader zählen wird.
Jannis Steinke, Union Neuruppin: Als unersetzbare Größe beschreibt der Coach seinen Mittelfeldspieler. Er 24 Jahre alt, aber der Regisseur der Unioner. "Gerade so wichtig, weil wir im Umbruch sind", bedauert Stephan Ellfeldt den Ausfall des Sechsers. Er blieb bei einer leichten Drehbewegung im Rasen hängen. Es knackte dreimal kurz hintereinander im Knie. Das Spiel lief weiter, als Steinke am Rand nicht nur behandelt wurde, sondern auch mit einem Ball kurz testetet, ob es weiter gehen kann. Er wollte zurück. Keine Minute nach der Rückkehr knackte es erneut im geschädigten Knie. Ole-Bastian Wagener kam nach 38 Minuten herein. Ellfeldt: "Jannis war raus, ein Bruch in unserem Spiel zu erkennen."Über Einlagerungen von Wasser im rechten Knie klagt Jannis Steinke. Er wartet auf einen Termin zur Magnetfeld-Resonanz-Untersuchung. Eine Fraktur dürfte ausgeschlossen sein, dass der Bandapparat betroffen ist, scheint sicher.⇥maha



