Fußball
: Wehmut hier, Wehmut dort: Ein Dauerbrenner tritt kürzer

Dauerbrenner Dustin Wolter blickt auf 25 bewegte Jahre im Unioner Dress zurück.
Von
Gunnar Reblin
Neuruppin
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Dauerbrenner: Seit 25 Jahren spielt Dustin Wolter für den SV Union Neuruppin Fußball. Nun tritt er kürzer. Der 32-Jährige, ein wichtiger Bestandteil der Landesklasse-Mannschaft, will nur noch im Notfall die Töppen schnüren.

Gunnar Reblin

Die 0:2-Niederlage der Unioner am 7. März dieses Jahres bei der SG Michendorf geht damit als sein Abschiedsspiel in die Karrierestatistik ein. Ungewollt. Stichwort Corona. Es ist davon auszugehen, dass die Union-Familie dem Urgestein noch einen würdigen Abschied bereiten wird.

Stets Wort gehalten

So richtig Abschied nimmt Dustin Wolter auch nicht wirklich. Aber er betont: „Ich stehe definitiv nur noch im Notfall zur Verfügung.“ Den Notnagel-Status anzunehmen, damit hatte er bereits längere Zeit geflirtet. Schließlich pendelt er seit fünf Jahren aus Berlin nur für den Fußball nach Neuruppin. Der zeitintensive Job als Polizei-Oberkommissar ließ oftmals auch nur ein kleines Zeitfenster für das geliebte Hobby zu. „Zum Glück komme ich mit wenig Schlaf aus“, schmunzelt Wolter. Nicht selten ist er direkt von der Nachtschicht zum Spiel gedüst oder nach dem Spiel direkt zur Arbeit gefahren. „Wenn ich dann aber wieder für eine Saison zugesagt hatte, dann stehe ich auch zu meinem Wort und versuche alles möglich zu machen, um beim Team zu sein.“ Sein Trainer, Stephan Ellfeldt, honorierte diese Einstellung fast durchweg mit einem Startelf-Mandat. Dustin Wolter ist diesbezüglich sehr dankbar. „Zwischen dem Trainer und mir ist ein gegenseitiges Vertrauen gewachsen. Er wusste, dass ich auch in Berlin viel für meine Fitness getan habe. Auch, weil ich einen hohen Anspruch an mich selbst habe.“ Der Fan von Bayer Leverkusen gibt auch offen zu: „Sich in dieser Pendel-Konstellation mit einem Bankplatz hätte begnügen zu müssen, wäre mir auch schwer gefallen.“

Doch ein Bankplatz wurde Dustin Wolter in seinem Fußballer-Leben nur selten verordnet. Als E-Junior hießen seine ersten Trainer „Herr Ahlfeldt und Herr Bauer“, kann er sich noch erinnern. „Später war es Egon Hischke.“ Die Fußball-Leidenschaft hatte Opa Klaus in ihm geweckt, der auch jahrzehntelang für den SV Union gekickt hat. Zu Beginn stellten ihn die Trainer auf die Libero-Position, „weil ich den Ball schon über die Mittellinie schießen konnte“, lacht Wolter lauthals los. „Das war ja wichtig früher, so fielen auch viele Tore.“ Apropos Tore: Davon erzielte der schmächtige Schlaks viele, als ihn sein Trainer Roland Popp ins Mittelfeld stellte. „Aber da durfte ich nur in der Hinrunde spielen. Er hat mich dann wieder in die Innenverteidigung zurückgezogen, weil wir zu viele Gegentore bekommen haben.“

Und dann begann seine Männer-Karriere. Und wie. Als 18-Jähriger bekam er im Kreispokalfinale gegen den Lindower SV – das Finale fand damals in Protzen statt – einen Sonderauftrag von Coach Malte Neumann. Wolter erinnert sich: „Ich sollte Daniel Behnke bewachen, seinerzeit einer der besten Stürmer. Malte kam am Abend vor der Partie noch zu meiner Abi-Feier, um mir mitzuteilen, dass ich nicht so viel trinken soll, weil ich am nächsten Tag spielen sollte.“ Union gewann das Finale mit 4:1. Lindows Behnke – weitgehend abgemeldet.

Brüder-Geplänkel

Als junger Spieler war Dustin Wolter sogleich Stammkraft. Seine geliebte Nummer Acht erbte er von Dirk Assmann. Wolter pendelte fortan zwischen Innen- und Außenverteidigung, nur selten durfte er im defensiven Mittelfeld ran. „Auf dem Platz habe ich mich als Innenverteidiger und als rechter Außenverteidiger am wohlsten Gefühl.“ Vor ihm spielte stets sein drei Jahre älterer Bruder Steven. Für ihn hat er nur Lob parat: „Wir haben uns als Brüder immer gut verstanden. Und gemeinsam auf dem Platz zu stehen, ist einfach schön. Als Fußballer liefert Steven stets konstant gute Leistungen ab, das ist seine große Stärke. Und er ist abseits des Platzes genauso präsent.“ Einen kleinen Zusatz kann sich der jüngere Bruder aber nicht verkneifen: „Mein Bruder fällt jedenfalls nicht durch elegante Dribblings auf“, lacht er los. Für die ist eher Mitspieler Jannis Steinke bekannt. Dem Dustin Wolter „super Anlagen“ bescheinigt. „Er ist vielleicht mit der beste Spieler, mit dem ich je zusammengespielt habe. Aber“, so ergänzt er, „er macht viel zu wenig aus seinem Talent.“

Und was sagt Steven Wolter (35) über seinen jüngeren Bruder? „Was ihn immer ausgezeichnet hat, war sein Ehrgeiz. Er hat immer alles für den Fußball getan und auf dem Platz immer alles gegeben“, kommen auch über seine Lippen durchweg lobende Worte. „Dustin hat auch immer zum Verein gestanden, sich auch über das reine Fußballspielen hinaus eingebracht.“ Und auch der ältere der beiden Wolter schiebt einen neckischen Zusatz nach: „In der Innenverteidigung hat er zuletzt seine Paradeposition gefunden. Das hat er wirklich gut gemacht. Sein Kopfballspiel ist seitdem auch deutlich besser geworden, denn als Außenverteidiger ist er des Öfteren auch unterm Ball durchgesegelt“, schmunzelt Steven Wolter.

Seit 2012 lebt und arbeitet Dustin Wolter in Berlin, aktuell wohnt er in Wedding/Ecke Pankow. Das ewige Pendeln wird er nicht vermissen, andere Dinge schon. Jene Dinge, die er stets am Fußball mochte. Da wäre zum einen der Zusammenhalt, „jeder stellt Sachen hinten an für den Fußball, jeder bringt sich ein“. Zum anderen sei der Verein auch immer ein Bezugspunkt im Leben – und der Sport eine willkommene Abwechslung zum stressigen Alltag.

Eher weniger Spaß kam bei ihm in der letzten, vorzeitig abgebrochenen Landesklasse-Saison auf. „In der haben wir komplett unter unserem Niveau gespielt“, räumt Wolter ein. „Da wäre ein guter Mittelfeldplatz drin gewesen, wenn stets alle da gewesen wären und wir nicht so eine hohe Fluktuation in der Startelf gehabt hätten. Wir hätten wohl bis zum Ende gegen den Abstieg gespielt“, vermutet er. Mit 14 Punkten (Platz elf) hatten die Neuruppiner zum Zeitpunkt der Corona-Pause nur zwei Zähler mehr auf dem Konto als Schlusslicht Pritzwalk.

Mit einem Vereinswechsel hat sich Dustin Wolter in der ganzen Unioner Zeit übrigens „nie ernsthaft“ beschäftigt. „Lose Anfragen gab es zwar mal, aber mich hat es nie wirklich weggezogen. Union ist mein Verein.“ Und so schmeckten die größten gemeinsam errungenen Erfolge, wie der Aufstieg in die Landesklasse (2012) oder die drei Pokalsiege (2007, 2014, 2018) besonders süß. Sie bleiben Dustin Wolter nach 25 Jahren im Unioner Trikot demnach auch in besonderer Erinnerung.

Vier große Höhepunktein der Laufbahn

In der Saison 2011/12 zählte Dustin Wolter zum Aufstiegsteam des SV Union. Die Neuruppiner wurden mit 73 Punkten vor dem SV 69 Schönberg (69) und dem FC Wusterhausen (63) Kreismeister und rückten in die Landesklasse auf.

Den Kreispokal stemmte Dustin Wolter gar dreimal in die Höhe. Die Endspiele in der Übersicht:2007: 4:1 gegen den Lindower SV (in Protzen)2014: 1:0 gegen Alt Ruppin (im Neuruppiner Volksparkstadion), Torschütze Miles Geske (85.), Zuschauer: 6002018: 2:1 gegen den Lindower SV (in Wustrau), Torfolge: 0:1 Jens Schmidt (9.), 1:1 Dustin Wolter (50.), 2:1 Michael Engel (67.), Zuschauer: 333⇥gü