Der Handball kehrt auf die Sportbühne zurück. An diesem Wochenende fliegen wieder die Bälle in den Hallen. Alle Handball-Liebhaber fiebern dem Start in die Saison 2020/21 entgegen, die allerdings auch viele Unwägbarkeiten und eine große Portion Ungewissheit mit sich bringt, wie es die Verantwortlichen allerorten anklingen lassen. Vor allem die Zuschauerfrage bei den Spielen ist eine, die Fingerspitzengefühl, Sorgfaltspflicht und eine fortwährende Diskussion bei deren Beantwortung beinhaltet. Stichwort Corona. Der Handball-Verband Brandenburg (HVB) hat klare Vorgaben zum künftigen Spielbetrieb bekanntgegeben.

Hansa Wittstock beginnt mit einem Heimspiel

Mittendrin sind ab Sonnabend auch wieder die Ruppiner Männer- Verbandsligisten HC Neuruppin und Hansa Wittstock. Die Wittstocker starten mit einem Heimspiel gegen Altlandsberg II. Genauso lautete die Paarung auch zu Beginn der Vorsaison. Hansa siegte am 7. September 2019 mit 25:24. Ein Auftakt nach Maß für den damaligen Aufsteiger. Die letzte Partie bestritten die Schützlinge von Trainer Sven Hennigs am 7. März (28:18 gegen Premnitz). Seitdem ruhte der Spielbetrieb.
„Nun sind alle absolut heiß. Die Vorfreude ist riesengroß“, berichtet Hansa-Trainer Hennigs. Sein Team habe die Corona-Zwangspause genutzt, um viel zu trainieren, kleinere Verletzungen auszukurieren und neue Abläufe einzustudieren. „Meine Mannschaft ist so fit wie noch nie. Wir haben die Zeit sinnvoll genutzt. Die auferlegte Pause kam uns entgegen, auch wenn der geregelte Trainingsbetrieb mit den Spielern über 27 Jahren erst seit drei Wochen möglich war“, so Hennigs. Er deutet damit an, dass sein Team bestens vorbereitet ins Heimspiel gegen Altlandsberg geht. „Uns erwartet ein Gegner, der sehr körperbetont agiert. Das wissen wir aus der Vorsaison. Daher müssen wir unsere Schnelligkeit und Athletik in die Waagschale werfen – und unsere Chancen nutzen. Daran haben wir hart gearbeitet“, verrät Hennigs.

Neue Aufgabenverteilung mit Ex-Kapitän im Trainerstab

Allen voran hat Ex-Kapitän Hannes Holtmann, der sich ins zweite Glied zurückzog, nur noch wenn Not am Mann ist, auflaufen wird, und in den Trainerstab gewechselt ist, mit der Offensive gearbeitet. Denn mit der Vorbereitung auf die Serie 20/21 sind Holtmann und Hennigs „gleichberechtigte Trainer“ bei Hansa, „mit einer klaren Aufgabenverteilung“, sagt Hennigs. Er leite die Defensive an, Holtmann die Abteilung Attacke. „Das funktioniert prima. Hannes bringt seine große Erfahrung mit ein, davon profitieren alle.“
Der Hansa-Kader (17 Spieler) hat sein Gesicht im Vergleich zur Vorsaison nicht verändert. „Alle sind nur ein Jahr älter geworden“, lacht Hennigs mit Blick aufs Spielertableau. Der Altersdurchschnitt ist mit knapp über 24 Jahren immer noch sehr jung. Dennoch betont der Hansa-Coach: „Die jungen Spieler müssen nun mehr Verantwortung übernehmen. Sie haben in der Landesliga gespielt, jetzt ein Jahr in der Verbandsliga. Da erwarten wir den nächsten Step.“

150 Zuschauer in der Wittstocker Stadthalle zugelassen

Zum Saisonauftakt gegen Altllandsberg II dürfen sich die Wittstocker auf lautstarke Unterstützung von den Rängen in der Stadthalle freuen. 150 Zuschauer sind zugelassen. „Darüber sind wir sehr froh“, so Hennigs. Der Verein habe im Vorfeld sehr eng mit der Stadt zusammengearbeitet und ein Hygienekonzept erarbeitet. „Normalerweise haben wir ja mehr Zuschauer bei Heimspielen, aber wir können mit 150 super leben.“ Wenn diese Zahl erreicht ist, wird kein interessierte Besucher mehr in die Halle gelassen. Auf dem Weg zum Sitzplatz muss ein Mund- und Nasenschutz getragen werden, auf dem Platz sitzend kann dieser dann abgenommen werden. Hennigs: „Wir haben ja den Vorteil, dass wir eine Tribüne haben und somit der Abstand der Zuschauer zu den Spielern und Betreuern unten auf dem Parkett groß genug ist.“

HC Neuruppin zum Auftakt auswärts gefordert

Nach monatelanger Pause dürfen auch die Männer des HC Neuruppin wieder ihrem geliebten Hobby nachgehen und in den Wettkampfbetrieb einsteigen. Sie müssen zum Auftakt bei Blau-Weiß Wusterwitz antreten. In der Vorsaison konnten die Fontanestädter die beiden Duelle gewinnen.
Neuruppins Trainer Michael Drefahl bringt die allgemeine Stimmungslage wie folgt auf den Punkt: „Alle freuen sich, dass es wieder losgeht. Nur die Umstände mit dem Hygienekonzept sind sehr anstrengend.“ Es sei ein gemischtes Gefühl. In Wusterwitz sind 15 HCN-Fans, die vorher namentlich benannt werden müssen, zugelassen. Aus sportliches Sicht stuft Drefahl Wusterwitz als „schweres Kaliber“ ein. Er kann bis auf Marten Bukowski (verletzt) und Oskar Wilke wohl auf alle Akteure zurückgreifen. Oskar Wilke? Der 24-Jährige ist der neue Linksaußen beim HCN. Er kam aus Falkensee. „Eine absolute Bereicherung“, so Coach Drefahl. In der Jugend wurde Wilke beim LHC Cottbus ausgebildet. Er tritt in Konkurrenz zum bisherigen Platzhirsch Jonas Simon. „Wir können variabel reagieren und Jonas hat noch ganz andere Qualitäten“, freut sich Drefahl über die neuen Optionen, die sich durch den Neuzugang ergeben haben. In Wusterwitz kann er voraussichtlich auch auf seine erfahrenen Stützen zurückgreifen, zum Beispiel auf Abwehrchef Christian Koall. Auch Torhüter Dennis Plötz zählt dazu, der sich in der Vorbereitung „in bester Verfassung“, so Drefahl, präsentiert hat. Ein guter Torwart sei im Handball immer ein wichtiger Faktor.
Bislang haben die Neuruppiner zwei Testspiele absolviert, ein dritter Test am Mittwoch fiel aus. Coach Drefahl: „Wir haben versucht, die dreiwöchige Trainingsphase, in der alle Spieler wieder mitwirken konnten, bestmöglich zu nutzen. Jetzt müssen wir schnell die Abläufe festigen.“