Hilfe in der Krise: Neuruppin spendet 23 000 Euro für Certaldo

Magdalena Yanshin, Jens-Peter Golde (Mitte) und Ronny Sattelmair berichteten von den Hilfen für Certaldo.
Markus KlugeGroße Hilfe aus Neuruppin
Welch einen großen Wert so eine Städtepartnerschaft aber haben kann, zeigt sich eindrucksvoll am Beispiel der italienischen Partnerstadt Certaldo. Fast jeder hat die Aufnahmen aus Italien gesehen, als sogar die Armee Corona-Tote abtransportieren musste. Wenn auch nicht ganz so drastisch, spurlos ist die Pandemie auch nicht an Certaldo vorübergegangen. „Man sagt: In jeder Familie ein Toter. Das hängt mit den familiären Strukturen dort zusammen“, so Ronny Sattelmair, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Ostprignitz-Ruppin. Seit 2013 bestehen Kontakte zwischen dem DRK und der Schwesterorganisation CRI in Certaldo, bei der damals ein Krankenwagen abgebrannt ist. Schon damals gab es Hilfe aus Neuruppin. Zwei Jahre später wurde die Partnerschaft zwischen DRK und CRI offiziell besiegelt. Denn laut Sattelmair können beide Seiten viel voneinander lernen, auch wenn sie sich unterscheiden. Denn beim CRI werde vor allem ehrenamtlich gearbeitet. In diesem Frühjahr erreichte Sattelmair und seine Kollegen ein Hilferuf von dort: „Das Rote Kreuz dort hatte kein Geld für Schutzausrüstung. Und es mussten trotzdem Corona-Patienten gepflegt, gefahren oder ein anderer Service erbracht werden.“ Laut Sattelmair seien da bei ihm alle roten Lampen angegangen.
Um den Kollegen in Certaldo zu helfen, seien aus dem näheren DRK-Umfeld sofort die ersten kleineren Beträge überwiesen worden – schnell, unbürokratisch und ohne Spendenquittung. An der kurz darauf folgenden Spendenaktion beteiligten sich dann neben dem DRK und der Stadt auch die Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft, die Stadtwerke, die Inkom und viele andere Neuruppiner mehr mit kleineren Beträgen. „Es haben mich auch viele Menschen angerufen, die wissen wollten, was da los ist“, berichtet der DRK-Chef von einer großen Anteilnahme.
Schließlich konnte er bisher knapp 23 000 Euro überweisen und dem CRI in Certaldo damit richtig helfen. Das bedankte sich bereits im Juni wie berichtet mit Fotos und Videobotschaften in den sozialen Netzwerken. „Wir sind durch das Elend näher zusammengerückt“, konstatiert Sattelmair. Laut Magdalena Yanshin sei der jüngste Einsatz eine richtige Hilfe gewesen, die keinen Vergleich scheuen muss: „Eine relativ kleine Stadt hat Großes geleistet.“
Spendenkonto noch geöffnet
Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) lobt die Aktion und die Spendenbereitschaft ausdrücklich: „Das zeichnet die Neuruppiner aus. Wenn Hilfe gebraucht wird, zeigen sie sich solidarisch.“ Dabei erinnerte er an einige Spendenaktionen – zuletzt unter anderem für Fukushima, als es dort 2011 nach einem Tsunami zu einem verheerenden Unfall in einem Atomkraftwerk kam. Die Hilfe hatte damals der Musikvereins-Vorsitzende Takao Ukigaya eingefädelt. Noch heute werde Neuruppin dafür von japanischen Botschaft angeschrieben.
Das Spendenkonto für das CRI in Certaldo ist noch nicht geschlossen DRK-Chef Ronny Sattelmair befürchtet, dass bei einer zweiten Corona-Welle noch einmal Hilfe für die Freunde in Certaldo nötig sein könnte.
Spenden und Ausstellung
Die Spendenaktion afür Certaldo geht weiter. Wer Fragen dazu hat, kann sich beim DRK unter 03391 39630 melden. Spenden sind auf das Konto unter IBAN: DE42 1605 0202 1730 0030 40
Verwendungszweck: CRI Certaldo möglich.
Fotos aus Certaldo, die 2019 Fotografen der Jugendkunstschule bei ihrer Italien-Reise aufgenommen haben, sind derzeit als Ausstellung im Rathaus zu sehen. Wer diese besichtigen möchte, muss sich zuvor bei Magdalena Yanshin unter magdalena.yanshin@stadtneuruppin.de oder 03391 355667. Die Bilder werden gegen Spende für das CRI Certlado abgegeben.⇥red