Hund in Neuruppin vermisst
: Drama um verängstigten Windhund Mercy spitzt sich zu

Hündin Mercy ist in Neuruppin Silvester 2023 verschwunden – nach der Begegnung mit einer Kuh. Die Suche läuft erfolglos. Nun ergibt sich ein weiteres Problem. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Von
Jens Karraß
Neuruppin
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Mercy ist drei Jahre alt und ein „Angsthund“ aus der Tierrettung. Annäherungen sind zu vermeiden, Sichtungen diekt mit dem Besitzer zu teilen.

Tilo Kretzschmar

Ein Hund hält Neuruppin in Atem. Seit Silvester 2023 wird Windhund Mercy vermisst. Das ohnehin schon traumatisierte Tier, das von einem Vorbesitzer jahrelang gequält wurde, verschwand bei einem Spaziergang. Seither läuft die Suche. Nun spitzt sich die Situation weiter zu. Was bisher unternommen wurde und welche neuen Gefahren lauern.

Seit Jahresbeginn 2024 haben Tilo Kretzschmar und viele Helfer einiges unternommen, um die Hündin zu finden. Vergebens. Mercy bleibt verschwunden. Das Problem daran: In dem Gebiet, wo das Tier zuletzt gesehen wurde, ist eine Treibjagd geplant. Die Zeit läuft ab.

Die Geschichte von Hündin Mercy

Die dreijährige Hündin wurde vor acht Monaten aus dem Tierschutz adoptiert. Sie hat eine schmerzhafte Vergangenheit in Polen hinter sich, wo sie schlecht behandelt wurde. Ihr jetziger Besitzer Tilo Kretzschmar berichtet, dass sie am 31. Dezember 2023 während eines Spaziergangs am Kalksee in Panik geriet und in einen elektrischen Weidezaun lief. Auslöser war die Begegnung mit einer Kuh. Die Schreckreaktion trieb sie in den Wald – seitdem ist Mercy auf der Flucht.

Windhund Mercy aus Neuruppin ist seit dem 31. Dezember 2023 auf der Flucht. Trotz mehrerer Sichtungen scheitert die Rückführung nach Hause.

Tilo Kretzschmar

Tilo Kretzschmar, der selbst in seiner Jugend im Tierschutz aktiv war, hat seit dem Verschwinden seiner geliebten Hündin keine Mühen gescheut. Drei Tage lang ist er mit seiner Tochter rund um den Kalksee gelaufen. Zusammen mit Tierschützern und der Unterstützung von „Saving Souls“, einer Pfotenrettung aus Berlin-Brandenburg, wurden Futterstellen eingerichtet und persönliche Gegenstände von Mercy platziert, um sie anzulocken.

Die Hündin wurde einige Male gesichtet und nahm auch das angebotene Futter an – doch eine Zurückführung nach Hause blieb erfolglos. Die Lage wird nun durch eine geplante Treibjagd im möglichen Umkreis ihres Aufenthaltes weiter verschärft.

„Windhunde legen innerhalb von einem Tag locker 60 Kilometer zurück, wenn sie frei laufen. Es ist so schwierig, sie an einem Ort zu halten, um sie zu fangen“, erklärt Kretzschmar die Herausforderungen. In Absprache mit einem Jäger wurde an einem Ort auch eine Lebendfalle aufgestellt. Doch die Hündin tauchte wieder für zwei Tage komplett ab, als viele Menschen die Gegend frequentierten.

Wer hat Mercy gesehen? Die Zeit für eine gesunde Wiederkehr wird langsam knapp.

Tilo Kretzschmar

Am neunten Tag ihres Verschwindens gab es endlich eine neue Sichtung, aber aufgrund negativer Erfahrungen teilt der Besitzer den genauen Ort nicht öffentlich. „Mercy muss zur Ruhe kommen. Es ist extrem wichtig, dass sie nicht aufgescheucht wird und in die Nähe von Frankendorf gelangt.“ Dort ist ab Donnerstag, 11. Januar, die Treibjagd angesetzt.

Dringende Bitte des Besitzers

Der mögliche Aufenthalt der Windhund-Hündin umfasst den ganzen Bereich rund um Neuruppin. Die dringende Bitte des Besitzers und seiner Helfer lautet, Sichtungen nicht öffentlich in sozialen Netzwerken zu teilen, sondern direkt an Tilo Kretzschmar (0152 59 14 25 81) oder die 24-Stunden-Hotline von Tasso (06190 93 73 00) weiterzuleiten, damit keine Menschen zu dem Ort pilgern, wie bereits geschehen.

Nur so bestehe die Hoffnung, Mercy an neue Futterstellen und die Lebendfalle zu gewöhnen, um sie endlich nach Hause zu bringen.