Hunderasse
: Shar-Peis made in Dierberg

Magdalena Szymanski hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Gemeinsam mit ihrem Mann züchtet sie in Dierberg Shar-Peis.
Von
Brian Kehnscherper
Dierberg
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Ein Anbau für die Hunde: Um kranke oder trächtige Tiere gesund pflegen zu können, haben die Szymanskis ihr Haus erweitert. Dort sind auch die vielen Preise zu sehen, die sie bei Zuchtschauen erhalten haben.

Brian Kehnscherper

Es sei schon immer ihr Traum gewesen, Hunde zu züchten, sagt Magdalena Szymanski. Also studierte sie Tierzucht an der Landwirtschaftshochschule in der polnischen Großstadt Posen. Noch während des Studiums schaffte sich das Paar seinen ersten Shar-Pei an. 2013 begann Magdalena Szymanski schließlich, ihren Lebensunterhalt mit ihrer Leidenschaft zu verdienen. Vor fünf Jahren zog das Paar nach Dierberg. Szymon Szymanski fand als studierter Maschinenbauingenieur eine Anstellung bei der Firma PAS in Neuruppin. Auf ihrem Grundstück in Dierberg hat die Familie ausreichend Platz für ihre Tiere. Neben dem auffälligen faltigen Fell zeichnen sich Shar-Peis vor allem durch ihr Wesen aus. „Sie sind ein wenig wie Katzen und gehen ihre eigenen Wege. Sie bellen nicht viel und sind auch für die Wohnung gut geeignet“, sagt der 39-Jährige. Aufgrund ihres sanftmütigen Wesens gelten die chinesischen Faltenhunde als sehr familientauglich.

Noch mehr Hunderassen

Derzeit leben zehn Shar-Peis, vier Chow-Chows und eine Britische Bulldogge auf dem Gelände. Die Szymanskis gehören zu den wenigen Züchtern von Shar-Peis in Deutschland. Nach ihrem Wissen sind sie die einzigen, die es gewerblich machen. Sie sind Mitglied in der Fédération Cynologique Internationale (FCI), dem größten Dachverband für Hundezucht mit Sitz in Belgien. Die Zertifikate, die die FCI für Tiere ausstellt, gelten als Qualitätsmerkmal. Um für ein Tier Papiere zu bekommen, muss es mindestens dreimal auf Ausstellungen perfekt bewertet worden sein. „Wenn es zum Beispiel nur krumme Zähne hat, wird es schon nicht anerkannt“, sagt Szymon Szymanski.

So sind die Eheleute regelmäßig auf Zuchtausstellungen. Mindestens einmal im Monat, oftmals auch häufiger, präsentieren sie auf Messen ihre Tiere. Um ihre Töchter nicht zu sehr zu belasten, bleiben sie aber in einem Umkreis von maximal 500 Kilometern. Da sie nicht alle Tiere mitnehmen können, muss zudem immer jemand gefunden werden, der derweil die anderen Vierbeiner hütet. Auch im familiären Alltag nehmen die Hunde viel Zeit in Anspruch. „Ich arbeite mit den Hunden 24 Stunden am Tag“, sagt Magdalena Szymanski. „Sie sind wie meine Kinder.“ Wenn es einem Tier schlecht geht, übernachtet sie, wenn es sein muss, sogar mit ihm in einem Raum. Die Familie hat eigens dafür einen Anbau ans Haus gebaut, in dem neben zahlreichen Medaillen, Schleifen und Pokalen für Zuchterfolge auch ein Zwinger und eine Couch stehen, auf der die Hausherrin die Nacht verbringt, um sich bei Bedarf sofort um den Hund kümmern zu können. Denn für sie steht fest, dass sie nur gesunde Tiere verkauft. Ein Vierbeiner, der derzeit auf dem Grundstück lebt, hat eigentlich schon ein neues Herrchen. Weil er eine bakterielle Erkrankung hat, pflegt die 38-Jährige ihn aber erst gesund.

Bei all der Hingabe ist es ihr wichtig, dass ihre Hunde in gute Hände kommen. Daher kommt es auch schon mal vor, dass die Familie Interessenten ablehnt, wenn sie keinen guten Eindruck von ihnen hat. Ihre Kunden kommen aus aller Welt: England, Belgien, Holland, Schweiz. „Wir bleiben auch in Kontakt mit unseren Kunden und bekommen viele Fotos und Videos.“ Zum Teil sind Freundschaften entstanden. Man besucht sich, grillt gemeinsam und lässt die Hunde miteinander spielen. Bei der intensiven Pflege fällt es Magdalena Szymanski noch immer schwer, die Tiere abzugeben. „Ich weiß noch: Bei meinem allerersten Wurf habe ich bei jedem einzelnen Welpen geweint“, sagt sie.

Jedes der Tiere hat im Übrigen einen Stammbaum. Bei der Namensvergabe wird die Familie gern kreativ. „Da haben wir immer viel Spaß“, sagt Szymon Szymanski. Eine Hündin, die am Valentinstag zur Welt kam, trägt beispielsweise den Namen Valentines Gift. Bei der Namensvergabe gilt, dass alle Tiere eines Wurfes den selben Anfangsbuchstaben haben. Zudem erhalten die Tiere als Zusatz einen Zuchtnamen. Die Dierberger Shar-Pei-Züchter nennen ihre Hunde „Hippo Muffin“. „Hippo, weil sie aussehen wie Nilpferde, und Muffin, weil sie so süß sind“, so der Familienvater.

Die Rasse Shar-Pei

Der Shar-Pei ist eine antike chinesische Hunderasse, deren Ursprünge 2 000 Jahre zurückreichen. Er wurde als Jagd-, Wach- und Hüte- sowie Kampfhund eingesetzt. In den 1970er-Jahren war er nahezu ausgestorben. Dank Züchtern aus den USA haben sich die Bestände seit den 1980er-Jahren kontinuierlich erholt.

Die Tiere zeichnen sich vor allem durch ihr faltiges Fell aus, das immer einfarbig ist. Bekannt sind sie für ihre goldene Farbe. Es gibt sie aber auch in grau. Es gibt drei Felltypen: kurz und rau (Horsecoat), mittel und weich (Brushcoat) oder zottelig (Bearcoat).

Der Körperbau ist kompakt. Die Tiere erreichen eine Widerristhöhe zwischen 44 und 51 Zentimetern und ein Gewicht von 20 bis 27 Kilogramm. Sie haben einen kräftigen Hals und einen großen Kopf. Die Rute wird zusammengerollt getragen.⇥red