Mehrere Feste, internationaler Tanzunterricht, selbst gekochtes Essen aus aller Welt, Hilfe bei der Arbeitssuche, Fachkräftesicherung für Unternehmen oder eine Veranstaltung zum muslimischen Leben in Neuruppin – die Woche der Begegnung zwischen den Kulturen in Ostprignitz-Ruppin zeigt unter dem Motto „#offen geht“ viele Facetten des Themas. Die „Interkulturelle Woche“ findet seit 1975 bundesweit immer im September in mehr als 500 Städten und Gemeinden statt. Mit mehr als 5000 Veranstaltungen wird in diesem Jahr die Vielfalt der Gesellschaft gefeiert.
Der Landkreis OPR plant 19 Veranstaltungen und weitere, die zwar nicht genau in den Aktionszeitraum fallen, sich aber thematisch daran anlehnen.

Sich kennenlernen und die Geschichte des anderen anhören

Die Aktionszeit startet am 23. September im Begegnungscafé des Kyritzer Mehrgenerationenhauses, wo Gastfamilien und Geflüchtete aus der Ukraine zusammenkommen, ihre Erfahrungen austauschen oder zum Wohnen zusammen finden. „Die Pandemie ist längst nicht vorbei, mitten in Europa wütet ein Krieg – das sind Fakten, die das Begegnen und offen sein eher erschweren. Umso wichtiger ist es, den Kontakt zwischen Menschen zu fördern, sich die Geschichte des anderen anzuhören, sich kennenzulernen“, sagt Landrat Ralf Reinhardt, der die „Interkulturelle Woche“ an diesem Ort um 14 Uhr eröffnen wird.

Kinderfest und traditionelles Essen aus aller Welt

Dorina Hortig, Sachgebietsleiterin im Bereich Asyl des Landkreises, und ihr Team planen für den 23. September von 14 bis 23 Uhr ein multikulturelles Fest auf dem alten Flughafengelände am Hangar 312 in Neuruppin. Ein Teil der Kosten wird aus dem Integrationsbudget des Landes bestritten. Neben vielen Angeboten für Kinder wie einer Hüpfburg, einem Roller-Parcours oder Puppentheater, wird es Essen aus ganz unterschiedlichen Ländern geben, das von Teilnehmenden verschiedener Integrationsprojekte im Landkreis gekocht wird. „Essen verbindet, weil es ohne Sprache funktioniert und es öffnet den Horizont“, findet Hortig. „Die Leute am Stand können etwas über die Zubereitung oder die Tradition, die sie mit den Gerichten verbinden, berichten.“ Es darf unentgeltlich probiert werden. Die Idee ist vor allem, auch über das Essen ins Gespräch zu kommen.

Bühne frei für weltweite Tänze und Musikkultur

Auch wer kein Auto hat, kann das Fest auf dem Hangar 312 besuchen. „Ein Busshuttle des Landkreises verkehrt alle 30 Minuten zwischen dem Bahnhof Rheinsberger Tor und dem Hangar“, so Hortig.
Das Musikprogramm wird unter anderem von Gruppen der Kreismusikschule gestaltet. „Aber am späteren Abend ist die Bühne freigegeben. Im letzten Jahr haben die Leute ihre eigene Musik aus verschiedenen Ländern mitgebracht“, erzählt Hortig. „Es war schön zu sehen, wie auf der Bühne getanzt wurde und wie sich die Besucher die unterschiedlichen Tanzstile untereinander gezeigt haben“, beschreibt Hortig die Situation im vergangenen Jahr. Der Eintritt für das Fest am Hangar ist frei.

Open-Air-Arbeitsvermittlung

Das Team der Agentur für Arbeit Neuruppin hatte ebenfalls eine originelle Idee für die Aktionswoche. Eine Open-Air-Arbeitsberatung wird es am 29. September von 9 bis 12 Uhr im Agenturpavillion an der Trenckmannstraße geben. „Für manche ist der Weg in die Behörde eine große Hürde“, erklärt Diana Buschmann, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt in der Arbeitsagentur. Angeboten werden Sprachkurse, Qualifizierungsmaßnahmen oder Beratungen zur Anerkennung von Berufsabschlüssen. Auch offene Stellen werden ausgeschrieben sein. Buschmann weist auf die Möglichkeit hin, Freunde oder Verwandte mit zur Beratung zu bringen, wenn jemand nicht genug Deutsch spricht. Zudem gibt es einen Dolmetscherdienst der Arbeitsagentur, der allerdings vorher per E-Mail bei der Arbeitsagentur bestellt werden muss. „Nach dem Ankommen sind eine sichere Unterkunft und Arbeit die wichtigsten Beträge für die Autonomie der Geflüchteten“, gibt Buschmann zu bedenken. Für den Landkreis seien die vielen Fachkräfte eine Win-win-Situation. „Der Bedarf in den Unternehmen ist da“, so Bachmann. Während im Dezember 2016 nur 781 Menschen mit Migrationshintergrund in OPR beschäftigt gewesen seien, seien im Dezember 2021 bereits 1482 gezählt worden.

Veranstalter sind aufgerufen sich für das nächste Jahr zu melden

„Der Terminkalender war sowohl bei den Veranstaltern, als auch bei den Besuchern der Aktionswoche in diesem Jahr extrem voll“, beschreibt Judith Melzer-Voigt, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises OPR, die Organisation der Aktionswoche. Viele schon lange geplante Veranstaltungen wurden in diesem Sommer, wegen der entspannteren Coronalage, nachgeholt und fielen zusammen mit der Urlaubszeit. Sie ruft Veranstalter schon jetzt auf, sich mit Ideen für die „Interkulturelle Woche“ im kommenden Jahr zu melden.
Die Veranstaltungen der „Interkulturelle Woche 2022“ im Landkreis Ostprignitz-Ruppin finden über den Aktionszeitraum einer Woche hinaus vom 23. September bis 8. Oktober statt. Das ausführliche Programm ist auf der Website des Landkreises www.ostprignitz-ruppin.de zu finden. Hintergründe und bundesweite Termine gibt es unter www.interkulturellewoche.de.