Krebs in Neuruppin: Leukämie, Koma, Klinik – was Lena (13) sich wünscht und ihr Vater plant

Nach der Knochenmarktransplantation reißen die Komplikationen nicht ab. Seit über acht Monaten sind Mutter Franziska Altenberg und Tochter Lena ununterbrochen in der Klinik. Nun hat ein Wunsch der Tochter den Vater zusammenbrechen lassen.
Martin AltenbergEs gibt Nachrichten, da fragt man sich: Warum macht der das und was hat er überhaupt damit zu tun? Und dann wird daraus eine Geschichte, die das Herz berührt und Mitgefühl weckt, mit dem Wunsch, dass alles gut ausgeht. Diese Geschichte ist so ein Fall.
Stefan Schulz (40), bekannter Triathlet aus Neuruppin, wird in gut drei Wochen einen kompletten Ironman als Spendenaktion für Lena (13) bestreiten. Doch warum macht er das? Hat er eine persönliche Beziehung zu ihr? Lena ist den Menschen in der Region schon seit vergangenem Jahr ein Begriff. Sie war an Leukämie erkrankt, in einer Welle der Anteilnahme wurde auch in Neuruppin im vergangenen Sommer nach Stammzellenspendern gesucht, nachdem zuvor keine der 38 Chemotherapien angeschlagen hatte.
Im September konnte verkündet werden, dass eine Spenderin gefunden wurde, im November erhielt sie die Knochenmarktransplantation. Nun mögen viele denken, jetzt sei alles gut, es ist acht Monate her, sie ist gesund und munter, warum dann jetzt der Spenden-Ironman?
Seit mehr als acht Monaten nicht zu Hause
Doch Lena ist nicht gesund und munter, sie hat alle Komplikationen mitgenommen, die es gibt. Im Dezember lag sie sogar eine Woche im Koma, wurde lange künstlich ernährt. Zu Ostern sah es besser aus, die Ärzte stellten schon den allerersten Kurzbesuch zu Hause in Aussicht. Doch dann verschlechterte sich ihr Zustand erneut. Seit April wird sie wieder künstlich ernährt, ihre kleinen Spaziergänge wurden kürzer, ständig stehen Tests und Untersuchungen an. Großes Glück neben all den Komplikationen: Sie ist krebsfrei, aber weit davon entfernt nach Hause zu kommen.

Zu Ostern sah es besser aus, die Ärzte stellten schon den allerersten Kurzbesuch zu Hause in Aussicht, doch dann verschlechterte sich Lenas Zustand erneut.
Martin AltenbergIhr Vater, Martin Altenberg, hält seit November 2022 allein zu Hause die Stellung. Am Wochenende fährt er freitags, sonnabends und sonntags nach Berlin in die Charité und abends immer wieder zurück nach Neuruppin. Ein Hotel ist auf Dauer viel zu teuer. Den Umzug in die neue Wohnung hat er vor ein paar Wochen allein gestemmt, seine Frau Franziska ist seit November jeden Tag bei der Tochter.
Ein Kuscheltier aus Paris für Lena
Die neue Wohnung haben sie noch nicht gesehen. Martin ist stolz auf seine Frau und sie auf ihn. Beide tun das Beste für ihre Familie. Sie leben in einer unsicheren Situation, niemand weiß, ob Lena krebsfrei bleibt und welche Komplikationen noch auf sie zukommen. Mutter Franziska ist seit mehr als einem Jahr krankgeschrieben, kann nicht arbeiten gehen, mit dieser Diagnose dreht sich jeder Tag nur noch um Lena.
Als eine Pflegerin vor zwei Wochen Bilder und Videos von ihrem Besuch im Disneyland Paris zeigte und Lena als Überraschung ein Plüschtier schenkte, sprudelte es aus ihr heraus: „Papa, ob wir das auch mal schaffen?“ ‚Hmmm, sicher, klar‘ mag er geantwortet haben. Martin Altenberg dachte: „Man sitzt daneben und kann nicht helfen, ist einfach nur da“. Dass er selbst Hilfe braucht und nervlich am Ende ist, zeigt sich, als er nach dem Wochenende auf der Arbeit vom Wunsch seiner Tochter erzählen will und zusammenbricht. „Da haben wir beide auf der Arbeit geheult, weil sie diesen Wunsch hat. Ich habe ihn dann nach Hause gebracht und beruhigt: Ja Martin, machen wir, kriegen wir hin. Wir machen einen Ironman mit Spendenaktion“, erzählt Stefan Schulz.

Ein Foto aus vergangenen Tagen. Martin Altenberg (links) und Stefan Schulz kennen sich seit ihrem elften Lebensjahr. Sie sind Freunde fürs Leben.
Jule SchulzZwei Freunde fürs Leben
Am liebsten hätte er den Benefiz-Triathlon gleich am nächsten Wochenende gemacht, aber da hatte er seinen Start beim Ironman in Roth, dem wichtigsten Ironman Deutschlands. Doch er verspricht Martin, beide noch in Tränen aufgelöst, in Sekundenschnelle, dass sie es schaffen werden, Lenas Wunsch zumindest finanziell möglich zu machen und damit dem symbolischen Wunsch, dass sie wieder gesund und zu Hause sein wird, ein Stück näherzukommen.
Denn die beiden sind seit der vierten Klasse befreundet. Aber nicht nur das: Beide haben nach der Schule bis 2003 den gleichen Beruf gelernt, Maler und Lackierer und sich seitdem nie aus den Augen verloren. 2012 wechselte Martin Altenberg in den Malerbetrieb „Schulz und Söhne“, den Stefan zusammen mit seinem Vater führt. Seitdem sind die beiden unzertrennlich.
Lena wurde 2010 geboren und einige Zeit später sagte Martin zu Stefan: „Du, unsere Hebamme, die könnte was für dich sein“. Und damit kommt man der Antwort auf die Frage, warum Triathlet Schulz das macht, noch ein weiteres Stück näher: Weil Lenas Hebamme Jule und Stefan ein Paar geworden sind und eine fünfjährige Tochter haben. „Ich bin immer gerne als Hebamme hingefahren. Das war kein Job, das war fast so, als würde man zu Freunden nach Hause kommen“, blickt Jule zurück.

Stefan Schulz (links) ist als Martins Freund sofort zur Stelle: „Ich habe letztes Jahr meinen Traum gelebt und er erlebt seit letztem Jahr den totalen Albtraum“.
Jens KarraßAls sich Stefan für den Ironman auf Hawaii qualifizierte, beschlossen Jule und er dort zu heiraten. Freund Martin fuhr sie zum Flieger. „Ich komme vom Flughafengelände runter und bekomme den Anruf: Lena ist zusammengeklappt“, erinnert sich Martin an den Tiefschlag. Freund Stefan sagt: „Ich habe letztes Jahr meinen Traum gelebt und er erlebt seit letztem Jahr den totalen Albtraum“.
Ironman für Lena
Deshalb war für Stefan Schulz sofort klar: „Wir machen hier am 22. Juli einen Ironman, so wie wir es 2021 schon einmal gemacht haben, als wegen Corona kein Wettkampf stattfand. Es kamen 1000 Euro zusammen, die wir dem Hospiz in Neuruppin gespendet haben“. Damals war es eine spontane Aktion im Freundes- und Nachbarschaftskreis, viele hätten mitgemacht und einfach Spaß gehabt.
Der soll auch diesmal nicht zu kurz kommen, aber die Ziele sind viel höher: Lenas Eltern sind psychisch und physisch an ihre Grenzen gestoßen, zudem ist ihre Einkommenssituation nicht so, dass sie das stemmen könnten. „Gerade heute muss man mit dem Geld haushalten“, sagt Stefan Schulz.
„Du brauchst 4000 Euro nur für ein Wochenende. Disneyland ist nicht ohne. Flug, Hotel, alles komplett, da bist du locker bei 4000.“ Um auch nur in die Nähe dieser Summe zu kommen, braucht es ein starkes Team, eine gute Organisation und eine nachvollziehbare, unkomplizierte Art, wie jeder einfach zum Ergebnis beitragen kann.
Das Team formierte sich bereits drei Tage nach dem mentalen Zusammenbruch. Stefan, der Radsportler Marco Wiegel, der Caterer und Food-Influencer „Hillbilly_BBQ_and_more“ alias Marco Meyer und der Verein „Die Maulwürfe“ setzten sich in Stefans Garten an einen ausgezogenen Tisch und stellten ein Projekt auf die Beine, das Hand und Fuß hat.

Hoffen auf viele Spenden-Kilometer: Martin Altenberg und Stefan Schulz (rechts).
Jens KarraßMitmachen leicht gemacht
Die Aktion ist einfach gestrickt: Der Hauptprotagonist Stefan absolviert einen kompletten Ironman: 3,8 km Schwimmen im Ruppiner See, 180 km Radfahren in der Region und 42 km Laufen. Dabei wird er weit unter 10 Stunden bleiben. Den zweiten „Haupt-Akt“ bestreitet Marco Wiegel, der so lange Rad fahren wird, wie Stefan unterwegs ist. Für jeden Kilometer, den sie zurücklegen, spenden die beiden einen Euro für Lena. „Bei mir sind es 226, das ist ja fix, aber Marco muss ran und strampeln, ich hoffe, er schafft 300 Euro“, sagt Stefan Schulz. Die beiden bitten nun darum, dass sich möglichst viele Menschen an der Spendenaktion beteiligen.
Vier Möglichkeiten des Spendens
Dafür gibt es vier Möglichkeiten: Erstens, jeder kann Stefan am 22. Juli bei seinem Ironman begleiten, egal in welcher Teildisziplin und auch langsamer als er, nur eines ist klar: Wer mitmacht, will auch einen Euro pro Kilometer spenden. Zweitens, gemeinsam mit Marco Wiegel auf seiner Tour fleißig Euros sammeln. Drittens einfach nur anfeuern, vor allem am Ende beim Marathon, der bei Stefan zu Hause startet und ihn neunmal zur Therme und zurück führt. Wer dabei hungrig wird, kann sich gegen eine Spende mit Leckerem vom Grill stärken. „Wir sind gespannt, wie viele Leute zu uns kommen, wir freuen uns riesig, das wird ein Riesenspaß, unser Haus wird zur Eventarena. Wir stellen sanitäre Anlagen zur Verfügung“, sagt Jule.
Die vierte Möglichkeit ist fast die wichtigste: Wer nicht nach Neuruppin kommen kann oder am 22. Juli verhindert ist, aber ein deutliches Zeichen für Lena und ihre Familie setzen möchte, kann vom 17. Juli bis zum 22. Juli virtuell an der Challenge teilnehmen und den Kilometer-Euro-Betrag spenden.
Starke Partner im Boot
Die Chancen, dass das Geld zusammenkommt, stehen gut, denn Stefan hat bereits eine tolle Zusage. „Die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, unser langjähriger Sponsor, hat mir zugesagt, dass sie den Betrag am Ende verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen wird, egal was dabei herauskommt – das ist eine Riesenmotivation für uns, richtig Gas zu geben“, sagt er.
Wenn statt der 4000 Euro vielleicht sogar 7000 Euro zusammenkommen, „dann sollen sie statt nach Paris nach Orlando fliegen und Disney World sehen“, motiviert sich Stefan selbst. Damit die ganze Spendenaktion sicher und glaubwürdig abläuft, haben sie sich mit „Kolibri – Hilfe für krebskranke Kinder Deutschland e.V.“ einen starken Partner ins Boot geholt. Alle Spenden gehen mit dem Verwendungszweck „Lena Altenberg“ auf das Konto des Vereins. Das Schöne an der Aktion: Wenn die 7000 Euro erreicht sind, gehen alle weiteren Spenden an Kolibri und deren Projekte für krebskranke Kinder.

Martin Altenberg (links) und Stefan Schulz halten zusammen. Das Schöne an der Aktion: Wenn die 7.000 Euro erreicht sind, gehen alle weiteren Spenden an Kolibri und deren Projekte für krebskranke Kinder.
Jens KarraßManchmal verbergen sich hinter so kleinen Nachrichten – Ironman für Lena – „so große Geschichten“, sagt auch Jule, Lenas Hebamme noch einmal zum Schluss. „Letztes Weihnachten haben wir uns alle hier getroffen. Ich habe für den Kartoffelsalat geschnippelt. Die Jungs haben ein Bierchen gezischt, alle Geschenke eingepackt, Vorfreude auf das Fest und dann sagt Martin: „Ich hoffe, ich kann dort morgen bei ihnen im Zimmer übernachten an Heiligabend“. Da haben wir geschluckt. Okay, wir sagen jetzt nichts mehr. Ich mache den Kartoffelsalat weiter und ihr trinkt euer Bier“.
Spendenkonto für Lena und krebskranke Kinder
Empfänger: Kolibri – Hilfe für krebskranke Kinder Deutschland e.V.
Spendenkonto:
Berliner Sparkasse
IBAN: DE55100500000190446439
BIC: BELADEBEXXX
Verwendungszweck: Lena Altenberg
Alle Infos zum Zeitplan des Ironmans am 22. Juli und zur „Ironmänner für IronLena“-Challenge vom Ruppiner Sportverein „Die Maulwürfe“ gibt es hier: Die Maulwürfe




