Die Kameras waren auf Nico Ruhle, den Bürgermeister von Neuruppin gerichtet. Für die Sicherheit und das Wohlergehen der Kinder müsse gesorgt sein, sagte er bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Wenn Zweifel daran bestünden, müsste konsequent gehandelt werden. „Deswegen hat die Stadt schnell alle Hebel in Bewegung gesetzt“, so Ruhle. Gegen die beiden Kitaleiterin der städtischen Kindereinrichtung „Eichhörnchen“ in Neuruppin, stehen Vorwürfe der Körperverletzung, Nötigung und Verletzung der Fürsorgepflicht im Raum, erklärt er, jedoch kein Vorwurf des sexuellen Missbrauchs.
„Wir haben am 3. August die Verdachtskündigung gegen sie ausgesprochen und am 5. August die fristlose, außerordentliche Kündigung“, beschreibt Ruhle das Vorgehen der Stadt. „Es wurde Strafantrag gestellt. Die Vorwürfe einzuordnen, wird jetzt Sache der Staatsanwaltschaft sein.“
Die Pressekonferenz zu den Kita-Vorwürfen verursachte großen Medienrummel.
Die Pressekonferenz zu den Kita-Vorwürfen verursachte großen Medienrummel.
© Foto: Elisabeth Voigt

Kitaleiterinnen bestreiten die Vorwürfe

Die beiden Beschuldigten hätten die Vorwürfe bestritten, informiert er. Ansonsten hätten Sie sich bisher nicht dazu geäußert. Am 15. August seien die betroffenen Eltern zu Gesprächen eingeladen worden. In den Social Media Kanälen sei die Sache seit dem 24. August diskutiert worden.
„Meine Aufgabe ist jetzt auch, die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor einem Generalverdacht zu schützen“, so Ruhle. Es gehe konkret um die beiden Leiterinnen.
Der Vorwurf, dass die Stadt zu lange gezögert habe, ließe sich zurzeit nicht erhärten. „Wir recherchieren gerade, wer wann was gewusst hat – stehen damit jedoch noch am Anfang“, sagt der Bürgermeister. Früher in der Kita bekannt gewordene Probleme würden entweder organisatorische Fragen betreffen oder Mobbing-Vorwürfe der Mitarbeitenden untereinander – nicht jedoch die Arbeit am Kind, erklärt er.

Verbleibende Erzieherinnen bitten um Schutz

„Wir möchten die Vorgänge vollständig und bis ins letzte Detail aufklären“, verspricht er. Nach derzeitigen Erkenntnissen gehe es nicht um Vorfälle während eines längeren Zeitraums, sondern um aktuelle Beobachtungen.
Die in der Kita verbliebenen Erzieherinnen und Erzieher hätten sich Schutz erbeten. „Seit heute Morgen sind Kamerateams in der Stadt unterwegs. Deswegen finde ich es nachvollziehbar, wenn in der Kita die Vorhänge zugezogen sind“, so Ruhle. Dies sei Ausdruck von Angst und Verunsicherung. Die Mitarbeitenden der Kita hätten an einer Supervision teilgenommen, um sich über die Geschehnisse auszutauschen. „Es geht nicht um die Einrichtung als Ganzes“, betont er nochmals. „Dort wird ansonsten gute Arbeit geleistet.“

Ruhle nennt seine E-Mail-Adresse für Hinweise

Der Fall müsse lückenlos aufgeklärt werden, so Ruhle. Er bittet deswegen darum, sich mit Beobachtungen und Hinweisen, die noch nicht bekannt sind, direkt an ihn zu wenden – am besten schriftlich über nico.ruhle@stadtneuruppin.de. Er verspricht, dass die Namen derjenigen, die sich dazu äußern möchten, nicht an die Öffentlichkeit geraten. Es werde alles getan, um solche Fälle zu verhindern, erklärt er. „Es gibt einen regelmäßigen fachlichen Austausch zwischen den Kitas und eine Kinderschutzbeauftragte der Stadt“, sagt Ruhle. „Die Kontrollmechanismen sind gut, aber wie man sieht, können solche Probleme trotzdem nicht ausgeschlossen werden.“