Kunst
: Marcus Sendlinger aus Lentzke arbeitete zwei Jahre mit Evi-Schülern

Möglich wurde das durch das Projekt „Max – Artists in Residence an Grundschulen“. Eine Neuauflage ist geplant.
Von
Markus Kluge
Neuruppin
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  • In seiner Scheune in Lentzke zeigte Sendlinger die Werke der Kinder.

    In seiner Scheune in Lentzke zeigte Sendlinger die Werke der Kinder.

    Markus Kluge
  • Skulpturen aus Fahrzeugteilen: Für manche seiner Werke zerlegt Marcus Sendlinger auch Motorräder und Autos.

    Skulpturen aus Fahrzeugteilen: Für manche seiner Werke zerlegt Marcus Sendlinger auch Motorräder und Autos.

    Markus Kluge
  • neu-200625-Lentzke-kus6 Marcus Sendlinger Kunstprojekt mit dem Evi Neuruppin Ausstellung Lentzke (06/20 Foto: Markus Kluge)

    neu-200625-Lentzke-kus6 Marcus Sendlinger Kunstprojekt mit dem Evi Neuruppin Ausstellung Lentzke (06/20 Foto: Markus Kluge)

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Eigene Lebensform

Initiiert und finanziert wurde das Projekt von der Stiftung „Brandenburger Tor“ aus Berlin und der Universität der Künste. Darüber erhalten die Künstler ein Stipendium, wenn sie an einer Schule ein Atelier einrichten und dort zwei Jahre regelmäßig arbeiten. Laut Kunstlehrer Kai Brandt hatte sich die Schule bereits zum zweiten Mal erfolgreich um eine solche Zusammenarbeit beworben. In den Jahren zuvor war ein Künstler aus dem US-Bundesstaat Kalifornien für die Schüler da.

„Das Gute ist: Es ist kein Unterricht und unterliegt keinem Rahmenlehrplan“, so Brandt. Während er nach jeder Stunde dafür sorgen muss, dass das Klassenzimmer wieder tipptopp ist und jeder Schüler gleiche Voraussetzungen hat, konnten die Mädchen und Jungen bei Sendlinger erleben, wie es ist, als Künstler zu arbeiten und zu leben, wie sich Kunst entwickelt und wie sich auch das Atelier um ihn herum im Laufe der Zeit verändert. „Ein Künstler hat ja seine ganz eigene Lebensform. Da läuft bei der Arbeit auch mal laute Musik, und es ist vielleicht mal etwas lebendiger und chaotischer. Es ist ein ganz neuer Zugang zur Kunst“, so Brandt. Denn Schüler und Künstler begegnen sich regelmäßig über einen langen Zeitraum. Aufgaben gab es allerdings nicht. Die Schüler konnten sich einfach zu Sendlinger gesellen, mit ihm arbeiten  und sich inspirieren lassen.

Dass ihn auf einmal ein paar Knirpse bei seiner Arbeit begleiten, hat Sendlinger keineswegs gestört. „Ich habe ja selbst drei Kinder, mit denen ich oft allein unterwegs bin. Mir macht das Spaß“, sagt er.  Bei ihm bekamen die Schüler die Chance, mit sämtlichen Materialien zu arbeiten, die er auch selbst nutzt. Unter anderem konnten die Kinder mit Pigmenten ihre Farben selbst anmischen. Sendlinger, der zuletzt in Mexiko unterwegs war, wo nun in der Stadt Chihuahua eine vier Meter hohe Skulptur von ihm steht, verarbeitet seine Erfahrungen auch in Reisekollagen, in denen er Fotos, Bierdeckel und auch andere Mitbringsel einarbeitet, die er mitunter überdruckt – diesmal mit Holzschnitten. Dabei sind ihm auch die Kinder zur Hand gegangen. Ihre Schnitte wurden ebenfalls in Lentzke gezeigt, wo Sendlingers großformatige Werke und Skulpturen in einem ehemaligen Stall entstehen, durch den derzeit auch schon mal ein paar Schwalben kreisen. „Ich war selbst überrascht, wie die Kinder arbeiten und was sie dabei herausfinden. Manche haben Effekte entwickelt, die ich bisher nicht kannte“, freut sich der 53-Jährige darüber, auch etwas vom Nachwuchs gelernt zu haben – selbst, wenn der Effekt nur zufällig entstanden ist.

Doppelter Effekt

Für beide Seiten sei es die Chance, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, sagt Sendlinger. Jeder nehme seine Umwelt anders wahr, sehe Dinge anders und bringe sie dementsprechend auch unterschiedlich auf die Leinwand, so Sendlinger, der auch schon Bilder in Musik umgewandelt hat und überzeugt davon ist, dass Werke auch in mathematische Formeln umgesetzt werden können. „Man muss nur den Mut haben, so etwas zu machen“, sagt der Lentzker. Mut, sich zu verwirklichen, den er auch den Kindern mit auf den Weg geben will: „In der Kunst kann man etwas erleben.“ Das zu vermitteln, könnte in den vergangenen Jahren etwas verloren gegangen sein. Die Universität der Künste in Berlin unterstützt dieses Projekt. Laut Sendlinger seien in den vergangenen Jahren bei manchen Studiengängen die Bewerberzahlen von einst 900 auf 250 eingebrochen.

An der Evangelischen Schule soll das Projekt auch eine Neuauflage erfahren, sagt Kai Brandt. In Berlin gebe es fünf Einrichtungen, die bisher dabei waren, in Brandenburg neben der Neuruppiner Schule nur eine weitere. Für die nächste Runde will sich das Evi erneut bewerben.

Aus derVita

Marcus Sendlinger wurde 1967 in Königstein in Hessen geboren. 1992 bis 1997 studierte er Malerei, Zeichnung und Druckgrafik in Offenbach und absolvierte 1992 ein Gaststudium an der Staatlichen Hochschule der bildenden Künste in Saarbrücken. Er beschäftigt sich in seinem Werk mit dem urbanen Leben, seinen Abgründen und deren Schönheit. 2017 richtete er sich eine Werkstatt auf einem Hof in Lentzke ein. ⇥red