Präsentation: Applaus für Amtshaus-Pläne

Im Dornröschenschlaf: Der marode Zustand des Amtshauses soll bald der Vergangenheit angehören. Denn Familie Schenk aus Oberhavel hat große Pläne für Flecken Zechlins Ruine am Schwarzen See.
Holger RudolphSeit bald 30 Jahren steht das nahe am Schwarzen See und unweit des Ortskerns gelegene Gebäude leer. Vernagelte Fenster und Türen sollen die zunehmend verfallende Ruine vor Vandalismus schützen. Ortsvorsteher Horst-Rainer Maranke (CDU) freute sich, dass es „zwei Jahre nach den ersten Gesprächen mit Familie Schenk nun heute zur Vorstellung des Projektes kommt“. Auch Rheinsbergs Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow (BVB/Freie Wähler) war voll des Lobes: „Seit gut eineinhalb Jahren befinden wir uns in intensiven Gesprächen mit Familie Schenk. Ich bin sehr froh, dass die Schenks das Projekt nun in die Hand nehmen wollen.“
Vertrag mit der Stadt
Es sei lediglich noch der Notarvertrag zwischen Kommune und Investoren in den nächsten Wochen zu unterzeichnen. Doch handele es sich dabei „eigentlich nur noch um eine Formsache“. Dieses Jahr werde Flecken Zechlin im Zeichen einer neuen Zukunft für die alte Schule stehen, sagte Schwochow. 2021 werde er sich dann persönlich darum kümmern, dass auch das Hochhaus auf der Anhöhe im Ortskern eine neue Nutzung erfährt. Früher diente es als Ferienheim der DDR-Gewerkschaft FDGB, später noch als Hotel, seit vielen Jahren aber steht es als Ruine da.
Kerstin und Ralf Schenk sind im Kreis Oberhavel zu Hause. „Wir sind beide Ossis und haben Landwirtschaft studiert“, sagte Kerstin Schenk. Bei einem Spaziergang am Schwarzen See hätten sie sich in das geschichtsträchtige Objekt förmlich verschossen. Dank näherer Inspektion sei dann klar geworden, dass die Zwischendecken nicht mehr tragfähig sind, was auch für das verfallene Dach gilt. Von allen Plänen soll die Fläche an der Bushaltestelle ebenso unberührt bleiben wie eine unter Naturschutz stehende alte Eiche und der vorhandene Parkplatz. Auch der außerhalb des Grundstücks gelegene Wanderweg bleibe erhalten. Man werde schon bald beginnen, „das Schloss aus dem Dornröschenschlaf zu reißen“, versprach Kerstin Schenk.
Teils öffentliche Nutzung
In das nach den Kriterien des Denkmalschutzes zu restaurierende Gebäude soll in der unteren Etage ein öffentliches Café einziehen. Außerdem ist ein größerer Raum samt Küche geplant, der für Familienfeiern gemietet werden kann. Im Foyer soll Platz für Wechselausstellungen sein. In der ersten Etage ist ein Raum für den Heimatverein oder die Gemeinde vorgesehen. Im zweiten Obergeschoss unter dem Dach wird es einen großen Veranstaltungsraum geben, in dem zum Beispiel die örtlichen Chöre auftreten oder Lesungen stattfinden könnten. In den unteren beiden Etagen sind zudem mehrere Ferienwohnungen geplant.
Angaben zu den Kosten des Projektes werde es keine geben, sagte Ralf Schenk. Nur soviel: Es seien natürlich Fördermittel beantragt. Gebaut werde erst, wenn diese fließen. Spätestens dann werden die dadurch finanziell von der öffentlichen Hand mitgetragenen Investoren allerdings öffentlich etwas zu den Gesamtkosten sagen müssen, sind sie als Nutznießer doch dazu verpflichtet. Den Flecken Zechlinern gefielen die Pläne sehr. Sie applaudierten lange und wollen sich wie gewünscht mit eigenen Ideen zur Nutzung der öffentlichen Räume beteiligen. Ortsvorsteher Maranke lobte die Investoren: „Das hört sich super gut an.“ Beiratsmitglied Prof. Klaus Günther (SPD) pflichtete ihm bei: „Mein schon vorher sehr guter Eindruck hat sich heute verfestigt. Ich sehe eine Riesen-Chance für Flecken Zechlin.“
Im Frühjahr wollen die Schenks mit dem Bau beginnen. Allerdings fehlt bislang noch die Baugenehmigung. Auf diese warte man nun schon seit acht Monaten, sagte der verärgerte Investor. Eigentlich wollte das Paar die Anlage in drei Jahren fertig haben. Falls die Mühlen der Behörden aber weiter so langsam mahlten, könne es auch fünf Jahre dauern.
Die Geschichte des Amtshauses
Auf dem Gelände des Amtshauses stand ab zirka 1320 eine Burg, die im 16. Jahrhundert zum Renaissanceschloss ausgebaut wurde.
Ein Brand zerstörte das zu jenem Zeitpunkt schon baufällige Schloss im Jahr 1721 völlig. An seiner Stelle entstand das Amtshaus.
Ab 1862 wurde das Objekt für kirchliche Zwecke und als Schule genutzt. 1870 zog das Pfarramt ein. Von 1966 an diente es allein als Schule. Als diese 1985 in den Neubau zog, wurde das Gebäude als Ferienheim des DDR-Justizministeriums genutzt. Seit der Wende steht es leer und verfällt.⇥bk