Solidarität
: Von Mensch zu Mensch - Hilfen in OPR während der Coronakrise

In Neuruppin und Umgebung gibt es immer mehr Hilfsangebote für jeden, der durch die Corona-Krise das Haus nicht mehr verlassen sollte oder darf.
Von
Markus Kluge
Neuruppin
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  • Vorbildlich: Zumindest auf dem Neuruppiner Wochenmarkt wurde beim Anstehen Abstand gehalten, um das Infektionsrisiko zu senken.

    Vorbildlich: Zumindest auf dem Neuruppiner Wochenmarkt wurde beim Anstehen Abstand gehalten, um das Infektionsrisiko zu senken.

    Markus Kluge
  • Hilft am Telefon: Pfarrer Christoph Römhild.

    Hilft am Telefon: Pfarrer Christoph Römhild.

    Jürgen Rammelt
  • Bietet ihre Hilfe an: Astrid Leberti.

    Bietet ihre Hilfe an: Astrid Leberti.

    Josephin Hartwig
  • NEU_Facebook-help Facebook-Help Gruppe Neuruppin (03/20 Screenshot Markus Kluge)

    NEU_Facebook-help Facebook-Help Gruppe Neuruppin (03/20 Screenshot Markus Kluge)

    Markus Kluge
  • Bitte beachten. Neuruppiner Markthändler wollen ihre Kunden durch solche Hinweise auch schützen.

    Bitte beachten. Neuruppiner Markthändler wollen ihre Kunden durch solche Hinweise auch schützen.

    Markus Kluge
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Spürbare Uneinsichtigkeit

„Durch die Corona-Krise stehen unsere Existenzen auf dem Spiel. Wenn meine Töchter oder ich krank werden, werden wir wieder gesund. Alle Vorsichtsmaßnahmen, die jetzt ergriffen werden, sind aber dazu da, die Kranken und Älteren zu schützen“, sagt sie. Bei denen registriere sie aber viel Uneinsichtigkeit. In ihrer Familie habe sie denjenigen, für die das Virus gefährlich sein könnte, Hilfe angeboten. Das sei abgelehnt oder ignoriert worden. „Erst hieß es: ,Ja, du kannst helfen.’ Und ein wenig später bekomme ich von demjenigen die Nachricht aufs Handy, dass bei Lidl und Aldi das Klopapier alle ist“, ärgert sie sich. Und im Supermarkt hat sie ältere Menschen beobachtet, die die Köpfe zusammenstecken, sich über die Gesundheitsgefahren lustig machen und dann Äpfel in der Auslage anfassen, von denen sie nicht wissen, ob ein junger Mensch, der vielleicht infiziert ist, die Krankheit aber wegsteckt, sie schon berührt hat.  "Wir sollen ältere Menschen schützen, aber sie schützen sich selbst nicht. Da könnte ich schreien“, kritisiert Leberti. Ihr gehe es nicht darum, ältere Menschen zu bevormunden oder sie einzusperren. „Sie können jederzeit raus, spazieren gehen oder im Garten etwas machen. Aber bitte geht doch nicht einkaufen“, sagt die 43-Jährige. Denn dort, wo viele Menschen zusammenkommen, ist die Gefahr am größten sich zu infizieren. Deshalb appelliert sie an ältere und kranke Menschen, sich Hilfe zu suchen. „Ich möchte auch nicht mit der Todesangst leben, dass meinen Verwandten etwas passiert“, erinnert sie daran, dass sich viele Jüngere um ihre Familienmitglieder sorgen.

Aber nicht nur Astrid Leberti  und ihre Mitstreiter, die sie dafür gewinnen konnte, wollen älteren Menschen helfen und sie so schützen. Bereits Anfang der Woche hatte die Ortsgruppe Neuruppin der Fridays For Future-Bewegung angeboten, die Generation, die zur Risikogruppe gehört, zu unterstützen.  Die Jugendlichen, die derzeit nicht zur Schule oder in die Uni müssen, seien ebenfalls bereit, Einkäufe von Lebensmitteln und Medikamenten zu tätigen.  Auch das Betreuen von Kindern würden sie übernehmen, soweit es ihre Kapazitäten und Fähigkeiten erlauben. Wie berichtet bietet auch das Neuruppiner Gesundheitsstudio You gemeinsam mit dem Lieferservice Landkorb einen Lieferservice an.

Gut 15 Einwohner von Bechlin haben sich auch zusammengetan und für diesen Krisenfall eine Nachbarschaftshilfe eingerichtet, die über eine Telefonnummer zu erreichen ist. Laut Mitinitiator Nico Ruhle, der für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung sitzt, richtet sich dieses Angebot nicht nur an die Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören. „Es kann ja sein, dass jemand selbst erkrankt oder seine Verwandten häuslich isoliert werden, auf deren Hilfe man angewiesen ist“, so Ruhle. In der Nachbarschaftshilfe seien viele Bechliner, die Transporte übernehmen könnten. Zudem befinde sich mit Rewe ein Lebensmittelmarkt in der Nähe, bei dem jeder seine Waren beim Packservice vorbestellen kann, die dann beispielsweise über die Nachbarschaftshilfe abgeholt werden. „Wir werden mit der Nachbarschaftshilfe ein gutes, zweites sicheres Netz einziehen, sodass im Ernstfall jeder gut versorgt ist“, so Ruhle.

Auch in Rheinsberg gibt es mehrere Hilfsangebote. Pfarrer Christoph Römhild hat mittwochs, donnerstags und freitags von 14  bis 16 Uhr für jeden ein offenes Ohr, der mit ihm am Telefon über Gott und die Welt plaudern möchte. Die Nummer für Mitgefühl und gegen Einsamkeit lautet 033931 2035. Zudem bieten in Rheinsberg zwei junge Einkaufshelden, die nicht zur Risikogruppe gehören, ihre Hilfe an.

Wo gibt es Hilfe?

Astrid Leberti und ihre Mitstreiter sind unter 0152 08370195 zu erreichen.

Bechliner Nachbarschaftshilfe hat eine Hotline unter 0160 5279185 eingerichtet.

Fridays For Future kann per E-Mail an neuruppin@fridaysforfuture.de kontaktiert werden.

Café Hinterhof in Neuruppin bietet ebenfalls eine Einkaufshilfe an. Koordiniert wird sie über Jugenddiakon Eckhard Häßler unter 0152 53586069.

Einkaufshelden in Rheinsberg sind Dennis Seidel, der unter 0162 2575421, und Saskia Boehm, die unter 0151 67837688, zu erreichen sind. Unter www.die-einkaufshelden.de können sich auch noch weitere Helfer melden.

"Coronavirus-Hilfe Neuruppin" lautet der Name einer regionalen Gruppe bei Facebook, auf der mehrere Angbote gebüdendelt werden.

You und Landkorb sind unter 03391 5995023 und 033928 90410 zu erreichen.