Der Streit um das Segler-Gelände am Lindower Gudelacksee erreicht eine neue Eskalationsstufe: Dem Segel-Club Lindow (SCL) soll zum Jahresende 2021 der Pachtvertrag gekündigt werden. Das geht aus einer Beschlussvorlage hervor, die die Stadtverordneten demnächst behandeln. Den entsprechenden Antrag dazu hat laut Amtsdirektor Danilo Lieske die CDU-Fraktion am 24. September ohne weitere Begründung gestellt. Die dürfte aber darin liegen, dass der SCL und die Lindower Regatta Segler (LRS), die sich seit diesem Jahr das Grundstück teilen, seit Jahren im Clinch liegen und sich keine Einigung abzeichnet.

Angst um den Segel-Club Lindow

Da die Belange des SCL in der jüngsten Zeit in der Politik keine Berücksichtigung fanden, fürchtet SCL-Vorsitzender Rudi Mixdorf nun das Aus für den SCL mit seinen rund 120 Mitgliedern. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als der Antrag kam“, so Mixdorf.
Der SCL nutzt das städtische Grundstück seit seiner Gründung 1957. Am 21. Februar dieses Jahres musste er einen neuen Pachtvertrag eingehen und Teile des Areals freigeben, weil auch die 2015 gegründete LRS mit knapp 70 Mitgliedern auf dieses Grundstück wollten – gegen den Willen des SCL. Der darf nun nur noch die kleine Halle samt Vereinstreff nutzen, den LRS steht die große Halle zu. Der SCL hat daraufhin den Zugang zum Wasser verwehrt, weil er den Uferstreifen vom Land gepachtet hat. Die Stadt kippte daraufhin den Vertrag mit dem SCL für den Steg. Obwohl beide Vereine auf einem Areal sitzen, kommt es nicht zur Zusammenarbeit.

Bedauern beim Kreissportbund

„Den Antrag der CDU will ich gar nicht bewerten“, so Lieske. Auch, dass der SCL nach einer Kündigung noch Pächter des Uferstreifens ist und den Zugang zum Wasser verwehren könnte, spiele für ihn keine Rolle. Beim Kreissportbund (KSB), dem beide Vereine angehören, verfolgt man den Streit mit Bedauern: „Wir sind auf der Seite der Sportler. Beide Vereine müssen sich am Zippel reißen. Der Streit sollte gelöst werden“, so Geschäftsführer Thomas Krieglstein. Dem KSB sei der Kinder- und Jugendsport wichtig, Konflikte um Liegeplätze oder ähnliches seien ihm egal.

Verfehlungen auf beiden Seiten

Auch Karl-Heinz Hegenbart, Vorsitzender des Verbands Brandenburgischer Segler und Vize-Präsident des Landessportbundes, wird für keinen der beiden Vereine Partei ergreifen. Um im Bilde zu sein über das, was in Lindow passiert, ist er sogar in beiden Mitglied geworden. „Im Sport geht es eigentlich um Fairness und Umgang auf Augenhöhe. Das findet in Lindow leider nicht mehr statt“, so Hegenbart, der in beiden Vereinen Verfehlungen sieht und auch über zwischenmenschliche Konflikte berichtet. „Man hört sich nicht mehr zu, ist nicht mehr verhandlungsbereit. Es geht immer nur um entweder oder“, sagt er. Dabei hätten beide Vereine mit ihrer Ausrichtung eine Daseinsberechtigung, und beide seien zusammen stärker als allein. „Ich befürworte Zusammenschlüsse ausdrücklich, weil uns immer mehr das Ehrenamt wegbricht“, erklärt der Sportfunktionär.

Einsatz von Mediator vorgesehen

Auch, ob sich in Lindow mit Blick auf die Einwohnerzahlen auf Dauer zwei Vereine halten können, daran habe er seine Zweifel. Ziel des Verbands Brandenburgischer Segler sei es aber, noch im Herbst einen Mediator einzusetzen, der den Streit schlichten soll. Ob das gelingt, daran hat aber auch Hegenbart seine Zweifel. Womöglich kommen die Stadtverordneten mit ihrer Kündigung dem Schlichtungsversuch aber zuvor.