US-Cars und Oldtimer in Neuruppin: Corvette, Cadillac und Leichenwagen rollen durch die Stadt

Er liebt US-Cars und organisiert in Neuruppin mit Freunden wieder ein großes Event: Raoul Buchschatz fährt selber eine knallrote Corvette. Für das Treffen auf dem Parkplatz in Neuruppin an der B 167 haben sich die Organisatoren einiges einfallen lassen.
Thomas PilzDie Tage werden kürzer, das Wetter ungemütlich. Empfindsame Gemüter ziehen sich zurück. Tiere gehen in Winterschlaf. Und Fahrer von Oldtimern motten ihre Lieblinge ein. Liebhaber der US-Cars machen da keine Ausnahme. Ein letztes Mal in diesem Jahr wollen sie aber noch mal Gas geben – für die Veranstaltung am 8. Oktober in Neuruppin.
Unweit der Parkplätze an der B 167, wo auch eine bekannte Fastfood-Kette residiert, findet an der Neustädter Straße 27 die Großveranstaltung statt. Von 10 bis 16 Uhr lautet das Motto: „Rummblubbern und Rummtuckern“. Raoul Buchschatz hat den Hut auf bei dem PS-starken Spaß. Gemeinsam mit seinem „Buddy“ und Freund Dirk Marx sowie der Blubbercrew hat er wieder viel vorbereitet. Für die Versorgung sorgt der Imbiss am Kino.
Wenn der Leichenwagen zum Hingucker wird
„Das einzige, was uns noch einen Strich durch die Rechnung machen kann, ist das Wetter“, sagt Buchschatz, der selber eine knallrote Corvette aus den 1960er-Jahren fährt. Kumpel Marx bevorzugt einen Cadillac. Nicht irgendeinen. Das Auto ist etwa so alt wie das Rennauto von Buchschatz. Aber es ist ein echter, Respekt einflößender Leichenwagen.

Trabi auf dem Thron samt Storchennest: Das bekannte Wahrzeichen – wie auch eines an der B 167 unweit der Autobahn kurz vor Neuruppin steht – bot die perfekte Kulisse, um für das US-Car-Event zu werben. Beim letzten Mal konnten 150 Ami-Veteranen, aufgemotzt und mit kräftigen Motoren, begrüßt werden.
BuchschatzMarx ist in Königs Wusterhausen beheimatet und weiß eine große Gemeinde Gleichgesinnter hinter sich. Die meisten von ihnen wollen in Neuruppin vorfahren und begleiten ihn deshalb durch Berlin. Das ist schon fast eine Tradition.
Bei der Veranstaltung Anfang April 2023 brachte Dirk Marx 75 US-Cars aus seiner Region mit, insgesamt konnten rund 150 Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen gezählt werden. „Das war tatsächlich ein Riesenspaß, zumal wieder eine Rundfahrt unternommen werden konnte.“ Seinerzeit blubberten und tuckerten 90 US-Cars durch die Fontanestadt, ein echter Hingucker nicht nur für Oldie-Fans.
Dass so eine Unternehmung aber viel Aufwand und Vorbereitung erfordert, liegt auf der Hand. Trotzdem bleibt es dabei: „Wir rufen keinen Verein ins Leben“, erklärt Raoul Buchschatz. An diesem Punkt sei er konsequent. Ungezwungen soll es weiter bleiben. In einem Verein kann es leicht zu Spannungen kommen, Eitelkeiten und Begehrlichkeiten werden womöglich geweckt. „Dann lieber unverbindlich, aber mit echtem Herzblut“, meint Buchschatz und lacht.
Bei solch einer Veranstaltung entstünden dank dieser lockeren Beziehungen richtige Freundschaften, „so richtig durch dick und dünn“, man arbeite und feiere dann auch gemeinsam. Und echte Herzensanliegen werden viel stärker nach außen vertreten.
Weltrekord mit einem Peace-Symbol
Etwa, als man ein Zeichen setzte und mehr als 300 Fahrzeuge sich so aufstellten, dass aus der Luft das Peace- und Friedensmarsch-Symbol der Hippie-Bewegung aus den 60ern in den USA dargestellt wurde. „Einer von unseren Mitstreitern hat das Ganze mit seiner Drohne fotografiert.“

Steigert den Erkennungswert und ist witzige Werbung: Die Blubbercrew hat sich Hoodies anfertigen lassen – mit dem Logo des Teams. Auch sonst ist der enorme Zusammenhalt Garant dafür, dass das Event am 8. Oktober zum Publikumsmagnet wird.
BuchschatzÜbrigens noch vor dem Ukraine-Krieg war das, betont Buchschatz und weist auf die zeitlose Allgemeingültigkeit des Symbols hin. Die Aktion fand im Königspark nördlich von Königs Wusterhausen statt und sei mittlerweile als Weltrekord offiziell anerkannt, erklärt Buchschatz.
Anschließend rollten damals sämtliche Fahrzeuge, von der Polizei eskortiert, durch die Region südlich von Berlin. „Nach meiner Überzeugung eine beachtliche Aktion“, betont Buchschatz.
Zur Beerdigung im Cadillac-Leichenwagen
Grundsatz für die Blubber-Freaks dürfte daher die Freiheit sein, sich und den Mitmenschen Spielräume zu gönnen. Ohne übertriebenes Moralgedöns. Zum Beispiel jene Spielräume, die sich mit dem Traum verbinden, in einem Ami-Schlitten einmal friedlich über den Highway zu rollen.

Verrückte Truppe: Mit PS-starken Ami-Schlitten sorgt die Blubbercrew regelmäßig für Aufsehen. Aber nicht nur US-Car-Besitzer können teilnehmen bei dem Event am 8. Oktober. Auch Oldtimer-Bastler und Fans umgebauter Autos sind willkommen.
Buchschatz„Aber unsere Events sind keinesfalls auf die Ami-Autos beschränkt“, erklärt Buchschatz. Bastler und Freaks, die mit eigenen Oldtimern oder fantasievoll umgebauten Autos an der Veranstaltung teilnehmen wollen, seien herzlich willkommen. „Das bereichert die Palette der ausgestellten Autos enorm.“
Dass der Leichenwagen aus der Vielfalt trotzdem herausstechen dürfte, liegt auf der Hand. Zumal der Cadillac im Juli sogar zum Einsatz kam. Es habe nämlich eine in Hamburg beheimatete Enthusiastin in der US-Car-Szene gegeben, mit der man gut bekannt war, die dieses Jahr 82-jährig verstarb, erinnert sich Buchschatz. Die Dame hieß Brigitte. Einer ihrer letzten Wünsche sei gewesen, mit dem Leichenwagen von Dirk Marx zu ihrer letzten Ruhestätte befördert zu werden. Am 4. Juli fand die Beerdigung von Brigitte statt. Selbstverständlich habe man ihrem Wunsch entsprochen.

