Vereinsleben: Kontaktloser Kampfsport beim SC Kempo Neuruppin

Bild aus Zeiten vor Corona: So wie auf diesem Foto, werden die Mitglieder des SC Kempo bis auf Weiteres nicht trainieren können. Die Abteilungen Judo, Ju Jutsu, Karate und Kickboxen erarbeiten Konzepte, wie kontaktlos trainiert wird.
Brian KehnscherperDie vergangenen Wochen hat der Vereinsvorsitzende Bernd Pietsch dafür genutzt, die Vereinsräume an der Junckerstraße so auszustatten, dass sie den Anforderungen der Corona-Zeit entsprechen. Es wurden zusätzliche Seifenspender, Desinfektionsmittel und Papierhandtücher angeschafft. Nun wartet er darauf, dass das Training wieder starten kann. Laut Landessportbund darf in Indoor-Anlagen wieder ab dem 28. Mai trainiert werden. Da die Kampfsportarten, die der SC Kempo anbietet, aber sehr kontaktbasiert sind, wartet Pietsch noch auf Vorgeben von den jeweiligen Fachverbänden. Bisher öffnet deshalb nur die Abteilung Fitness wieder ab 2. Juni.
Schon jetzt ist klar, dass das Training, so lange die Pandemie anhält, nur in sehr eingeschränkter Weise stattfinden kann. „Wenn es soweit ist, werden wir Auflagen bekommen“, so Pietsch. Alle Abteilungen erstellen deshalb Konzepte, wie das Training kontaktlos stattfinden kann. Bei einer Hallengröße von 140 Quadratmetern können maximal 14 Personen gleichzeitig in den Dojo, ohne dass die geforderten Mindestabstände unterschritten werden. Erwärmung, Stretching, Kraftübungen und Kondition können problemlos ohne Kontakt absolviert werden. Schwieriger wird es bei den Techniken. Ohne Partner können im Judo, Ju Jutso und Karate lediglich die Bewegungslehre eingeübt werden. Im Kickboxen dürfen Geräte wie Pratzen nicht genutzt werden. Im Prinzip ist nur Schattenboxen möglich. Pietsch sieht darin aber auch einen Vorteil: „So können sich die Sportler mehr auf saubere Grundtechniken konzentrieren. Das wird sonst gerne vernachlässigt.“
Verkürzte Trainingszeiten
Um zu vermeiden, dass sich zu viele Sportler gleichzeitig im Eingangsbereich sowie in den Umkleidekabinen begegnen, wurden die Trainingszeiten der meisten Abteilungen verkürzt. So ist eine Gruppe bereits aus dem Objekt verschwunden, bevor die nächste ankommt. Eltern sollen ihre Kinder zudem an der Tür abgeben, ohne die Räume zu betreten. Die Abteilung Vorschulsport bleibt zudem bis auf Weiteres geschlossen. Sie nimmt das Training erst wieder auf, wenn wieder Regelbetrieb in den Kitas herrscht.
Die Mitgliedszahlen des Vereins sind trotz der mehr als zweimonatigen Schließung relativ stabil geblieben. 13 Personen sind seitdem ausgetreten, die meisten allerdings, weil ihr Vertrag ohnehin endete, da sie aus der Region wegziehen. „Bisher stehen wir gut da. Wenn es nicht langsam losgeht, wird es aber eng“, so Bernd Pietsch. Sein Signal ist klar: „Wir sind darauf vorbereitet, das Training wieder aufzunehmen.“
Weitere Lockerungen im Sportbereich ab 28. Mai
Die Aktiven aus Brandenburg können ab morgigem Donnerstag wieder in ihre Sporthallen und Sporträume zurückkehren. Dafür soll die Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus aktualisiert werden, kündigte die Staatskanzlei an.
Das Sporttreiben kann nun wieder in geschlossenen Räumen ohne engen Körperkontakt stattfinden. Es gelten die bekannten Hygiene- und Abstandsregeln. Außerdem muss ein Personennutzungskonzept vorliegen, in dem unter anderem die Anzahl der Personen, die Duschnutzung, Lüftungsmöglichkeiten und das Distanzgebot festgehalten sind. Dies ist zwischen Kommune und Verein abzustimmen.
Der Präsident des Landessportbundes Brandenburg, Wolfgang Neubert, erklärt: "Die Sportvereine waren mit ihrer Disziplin und ihrer Willensstärke maßgeblich an der Eindämmung des Coronavirus beteiligt. Dabei haben sie bewiesen, dass sie verantwortungsvoll, vorbildlich und kompetent mit allen Eindämmungsregeln umgegangen sind. Daher wäre die weitere Öffnung des Sportbetriebs ein Vertrauensbeweis in den Sport, für viele Menschen vor allem aber auch ein enorm wichtiger Schritt hin zur gesellschaftlichen Normalität. Wichtig dabei ist, dass die ohnehin schon durch die Pandemie belasteten Vereine nicht durch zu starke bürokratische Hürden ausgebremst werden. Personennutzungskonzepte sollten deshalb keine große Hemmschwelle darstellen. Noch wichtiger: Alle Gesundheitsämter vor Ort sollten einheitlich im Sinne des Sports entscheiden und die Landesvorgaben vor Ort umsetzen. Die kommunale Selbstverwaltung darf nicht zu einem sportlichen Flickenteppich führen."
Außerdem ist die Öffnung von Fitness-Studios und Freibädern vorgesehen. Indoor-Bäder könnten ihre Besucher wieder ab dem 13. Juni empfangen.⇥maha