Volleyball
: Ab in die Loipe

Es bleibt bei einem Saisonpatzer der Volleyballerinnen vom MSV Neuruppin. Sie stürzten den Tabellenführer SV 90 in dieser Woche mit einem Tie-Break-Sieg vom Thron.
Von
Matthias Haack
Neuruppin
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Wieder nicht gewonnen: Der amtierende Kreismeister SV 90 Neuruppin, auch unter Sonntagsspielerinnen bekannt, scheint seinen Titel loszuwerden. Am Dienstag unterlag der Sechser um Katharina Kolz (in Rot) dem MSV (Nicole Schwabe am Netz).

Matthias Haack

Mehr noch: Das von Peter Wagner gecoachte Team stieß den Tabellenführer vom Thron und verschaffte sich eine glänzende Ausgangsposition für die restliche Saison. Ein Nachholspiel gegen das sieglose Schlusslicht VSV Gransee sowie am finalen Spieltag Eintracht Alt Ruppin in eigener Halle vor der Brust, können sich die MSV-Frauen nur selbst noch ein Bein stellen. Allerdings ist der letzte Kontrahent derjenige, der für die einzige Saisonniederlage gesorgt hatte: Im Tie-Break hatte Alt Ruppin den MSV in eine ungemütliche Adventszeit geschickt. Aber der Serienmeister (bis 2017) nutzte am 8. Januar den personellen Engpass des SV 90 mit einem glatten Zweisatzerfolg, um dem Führenden im Nacken zu bleiben.

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Trainer David Vogt vom SV 90 traut der Eintracht zum Saisonausklang am 26. März „durchaus einen Sieg beim MSV zu“. „Ich sehe die Alt Ruppiner, den MSV und uns schon in etwa auf einer Stufe.“ Nur mit der Schützenhilfe des Neulings aus Alt Ruppin wäre das Team um Kapitänin Eveline Meinecke abzufangen. Immerhin hat es sogar noch die Chance, selbst nach Silber oder auch Gold zu greifen. Am Dienstag ist die zweite Abendpartie VSV gegen Alt Ruppin abgesagt worden. Daher könnte sich das Tabellenbild noch ändern.

Was sich vor zwei Tagen im Flachbau der Rosa-Luxemburg-Schule abspielte, hätte mehr als 14 Zuschauer verdient. Zwar nicht hochklassig, aber jederzeit spannend war das letzte Heimspiel des SV 90. Der brisanten Aufgabe des Schiedsens stellten sich Birk Baumberger (SV 90 Neuruppin) und Michael Güldener (RSV Maulwürfe). An der Anzeigetafel drehten Christian Gulde sowie Andy Miethling und Chris Hannemann (beide Lindow) dreimal die Täfelchen mit den schwarzen Zahlen.

Lange führte der amtierende Kreismeister, beim 18:18 glich der MSV jedoch aus und lag plötzlich sogar mit 22:19 vorn. Jessica Mehlitz drehte mit einer Aufschlagserie die zu Kippen drohende Partie (24:23). Ungewohnt viele technische Schwächen prägten weiterhin den Auftritt der routinierten MSV-Frauen. Katharina Kolz (ehemals MSV) brachte den ersten Satz nach mehr als einer halben Stunde mit 26:24 unter Dach und Fach.

Die Gäste standen im ersten Drittel des zweiten Abschnitts partout neben ihren Schuhen. 6:2, 10:4 – Peter Wagner musste bereits sehr früh beide Auszeiten einsetzen. Beim 15:5 aber flammte das zu verblassen drohende MSV-Licht auf. Antje Gäding brachte drei Aufgaben durch (15:8). Der SV 90 ruckte sofort an – 18:8. Noch mehr jedoch forcierte der bis dato Tabellenzweite wie aus dem Nichts sein Tempo. Aufmerksamer wurde jetzt angenommen, genauer zugespielt und die Lücke im Angriff gefunden. Beinahe überrollt wurde der SV 90 vom im Durchschnitt zwei Jahrzehnte älteren Gegner. 18:11, 18:13, 21:19 – die Fäuste wurden geballt. 21:20, 22:20. Einen irren Ballwechsel mit extremen Emotionen auf und neben dem Parkett brachten die Gäste dann durch. Erneut ein Punkt zum Anschluss. Einen Zähler holte der offenbar verblüffte SV 90 noch zum 23:22, doch der Gast nutzte die Stimmung auf dem Parkett mehr aus und zu drei Punkten in Serie.

Auch im Tie-Break flaute die Spannung nicht ab. Der Heimsechser lag nach einer Serie von Jessica Mehlitz mit 3:0 in Front, leistete sich aber vier Fehler in Folge. 3:4, 5:6 und dann blockte Nadin Weißenfels einen Diagonalangriff. Die Halle tobte. Der vielleicht wichtigste Ballwechsel im wohl längsten Saisonmatch. Über die Stationen 8:9, 8:11, 9:12, 9:13 bogen beide auf die Zielgeraden ein. Veronika Schwanz setzte ihre Aufgabe punktgenau aufs Parkett. Matchball. Den ersten von fünf wehrte der SV 90 ab. Sofort nach dem zweiten tanzten aber die MSV-Frauen vor Freude über den Prestigesieg im Stadtduell – das war sozusagen das harmonische Warmhüpfen und -jodeln für die Mannschaftsfahrt am kommenden Wochenende. Es geht nach thüringische Oberhof zum Wintersport in die Loipe.

SV 90 Neuruppin: Margitta Lorenz, Ivonne Lorenz, Katharina Kolz, Daniela Schulz, Janet Pritzkow, Bettina Nürnberg, Jessica Mehlitz, Jasmine Schubert

MSV Neuruppin: Eveline Meinecke, Elke Lucke, Nadin Weißenfels, Nicole Schwabe, Antje Gäding, Edda Mühlenberg, Veronika Schwanz, Ivonne Zindler, Doreen Lahn

Spiele vom Dienstagabend:

SV 90 - MSV26:24, 23:25, 10:15

Gransee - Alt Ruppin verschoben

Stand vor dem letzten Spieltag

1. MSV Neuruppin 7:3   6:2

2. SV 90 Neuruppin 7:5   6:4

3. Eintracht Alt Ruppin 4:5   4:4

4. VSV Gransee 1:6   0:6