Volleyball: Aderlass beim SV Lindow-Gransee

Kurz vor dem Aufschlag des Gegners: Libero Martin Pomerenke, Timo Schlag und Nicolas Marks (von links).
Matthias HaackDass vier Spieler nach einem Saisonende gehen und damit vier neue geholt werden müssen, sei nichts Außergewöhnliches, sagt Teammanager Dirk Schmidt. „Mit der Quantität können wir durchaus umgehen, aber die Qualität ist schon extrem.“ Denn der Tabellenzweite muss zumindest zwei der Leitfiguren ersetzen: Zuspieler Ole Schwerin hatte sein Karriereende mit dem Einstieg in die berufliche Laufbahn eines Polizeikommissars begründet (RA berichtete). Nach dem Heimspielsieg gegen den SV Warnemünde bestätigte Trainer Jan-Philipp Marks, dass auch er den Fokus auf den Beruf legen will. Zudem ringt der Verein noch Händeringend um die Vertragsverlängerung von Martin Pomerenke. Der Dienstälteste im Team, seit 2007 für Lindow-Gransee auf dem Parkett, spekuliert mit dem Ende. Die Entscheidung sei noch nicht gefallen, fasste Schmidt die Bemühungen zusammen, ihn zu halten. Nur „stehen die Zeichen eben leider auf Gehen“.
Leider, wie Dirk Schmidt betont, aus mehreren Gründen: Erstens ist „Pomi“ Publikumsliebling, zweitens mit 33 Jahren der Routinier in der jungen Mannschaft, zu der mehrere Akteure unter 20 Jahren gehören, drittens zieht er die Bälle des Gegners immer wieder magisch an und verhindert damit die Einschläge auf dem Parkett. Martin Pomerenke gilt als der beste Libero in der 2. Liga. Das jüngste Lob in seine Richtung gab zuletzt der Trainer des SV Warnemünde. Viertens würde Lindow-Gransee eine Integrationsfigut verlieren. „Das wäre ein GAU“, malt Dirk Schmidt nicht schwarz, aber auch nicht weiß.
„Natürlich trifft uns das sehr hart, dass wir einen super Trainer und einen super Zuspieler verlieren. Wir hätten sehr, sehr gern mit ihnen weiter gearbeitet. Aber man muss ehrlich sein: Wir spielen halt 2. Liga. Auf Dauer muss man sich als Spieler auf die berufliche Laufbahn konzentrieren.“ Im Fall Ole Schwerin ist das ein harter Schnitt, im Fall Jan-Philipp Marks ein weicher. „Für den Notfall steht er noch bereit. Von uns geht eben keiner gern weg.“
Marks baut sich eine Zukunft in der IT-Branche auf. 50 Wochenstunden dafür, dann mehrfach Training und am Wochenende die Spiele, dazu die Familie – das ist nicht zu stemmen, sagt Schmidt. Jan-Philipp Marks bringt einen weiteren Grund an, wenn er zwar von einer herausragenden Qualität auf dem Parkett spricht, aber weiß, dass es für den Aufstieg nie reichen wird. Der Aufwand für das Coachen eines Zweitligisten sei beim Blick auf den Hauptverdienst nicht erklärbar, zumal seine Freundin aus den USA kommt.
Verschärft wird der personelle Engpass, weil auch Artur Weber adieu sagen wird. Er ist der zweite Zuspieler und konzentriert sich auf den beruflichen Weg. Einen Zuspieler „auf dem Niveau zu finden, das uns auszeichnet, ist verdammt schwer“, blickt Schmidt auf den Spielermarkt im Volleyball. Lindow-Gransee stehe sowohl mit einem Zuspieler als auch Kandidaten fürs Traineramt in Verbindung, so Schmidt. "Das sind Schlüsselpositionen, die wegbrechen. Da müssen wir sehr zeitnah Lösungen finden.“ Als terminliches Ziel zurrt er zumindest auf der Zuspielposition den 13. April fest. Dann empfängt Lindow-Gransee zum finalen Spieltag den Sechser der DJK Delbrück und will den Saisonausklang für die Fans mit einem Fest garnieren.
Zuvor geht es zum letzten Auswärtsspiel in den Norden Niedersachsens. Es deutet sich wegen der Nachfrage an, dass der Verein einen Bus chartert. Am 6. April geht es zum Aufsteiger nach Baden, südöstlich von Bremen. Wer mit der Mannschaft fahren will, kann sich unter der E-Mai-Adresse seeger-volleyball@t-online.de anmelden.
Vervollständigen die gestandenen Spieler Paul Boock und Nicolas Marks aus beruflichem Grund das Quartett der zu Verabschiedenden, so zeigt sich Dirk Schmidt extrem froh, dass die Zugänge aus dem Sommer 2018 bleiben: Timo Schlag, Matti Binder, Robin Hafemann. „Gott sei dank haben wir auch Eric Stadie an Bord.“ Der Studentenweltmeister im Beachvolleyball und Ruppins Sportler des Jahres gilt als Allrounder, der auf beinahe allen Positionen eingesetzt werden kann. Zudem kann sich der Fan auch in der neuen Saison weiterhin mit Matti Binder freuen. Der beim VC Olympia ausgebildete Mittelblocker steht bei einigen Erstligisten auf dem Zettel.
Zukunft des Teams
■ Es bleiben:
Eric Stadie –
⇥Annahme, seit 2017
Felix Göbert –
⇥Diagonalangriff, seit 2017
Romulo Galiao –
⇥Mittelblocker, seit 2016
Matti Binder –
⇥Mittelblocker, seit 2018
Timo Schlag –
⇥Annahme, seit 2018
Robin Hafemann –
⇥Annahme, seit 2018
■ Es überlegen:
Martin Pomerenke –
⇥Libero, seit 2007
Lukas Hebling –
⇥Diagonalangriff, seit 2017
■ Es gehen:
Ole Schwerin –
⇥Zuspieler, seit 2014
Artur Weber –
⇥Zuspieler, seit 2018
Nicolas Marks –
⇥Annahme, seit 2016
Paul Boock –
⇥Mittelblocker, seit 2015
Jan-Philipp Marks –
⇥seit 2017 im Traineramt
