Volleyball: Beerenstark für Bärenstarke

Abklatschen nach dem Meisterstück: Antje Gäding (links) und Veronika Schwanz zählten am Dienstagabend zum Start-Sechser des MSV Neuruppin. Mit einem 2:0-Satzerfolg gegen Eintracht Alt Ruppin schmetterte sich der im Vorjahr entthronte Titelträger wieder zur Meisterschaft.
Gunnar ReblinAm Dienstagabend verteidigte der MSV am abschließenden Spieltag seine Tabellenführung mit dem Zweisatzsieg gegen Eintracht Alt Ruppin (-16, -23). Im zweiten Tagesduell hatte das 2:0 des SV 90 Neuruppin gegen den VSV Gransee (-25, -23) damit nur noch statistischen Wert. Denn der MSV war bereits mit dem einen gewonnenen Satz nach 24 Minuten Spielzeit und dem Netzroller von Edda Mühlenberg Meister.
Allerdings spielte der Spitzenreiter im Saisonfinale keineswegs locker und leicht auf, obwohl er den ersten Erfolg schon vorm Beginn verbuchte: Kapitän Eveline Meinecke hatte die Seitenwahl gegen Bianka Berk gewonnen. Der MSV mühte sich mächtig gegen den Neuling aus Alt Ruppin und profitierte von einer Waffe: Trat Elke Lucke zum Aufschlag an, punktete und punktete sie. Alt Ruppin kam lange nicht aus der Rotation heraus und unterlag mit neun Zählern Differenz. Auf Augenhöhe begegneten sich beide im zweiten Satz. Den längeren Atem hatte der MSV (25:23).
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Trainer Peter Wagner griff nach dem Abpfiff und den endlosen Umarmungen in seine Tasche, die er in einer Ecke der Halle gestellt hatte: Erst zog er Ferrero Rocher heraus, „natürlich in Gold verpackt für die Goldfrauen“. Dann zwei Packungen Ritter Sport: Erst eine grüne Nusssplitter-Tafel mit der Bezeichnung Megakracher, dann eine rote, die als Beerenstark bezeichnet wird und nach Cranberry/Nuss schmeckt.
Genüsslich konnte sich der Meister beim Lutschen der Süßigkeiten, die ihren Geschmack durch Sekt noch intensivierten, das Match des Vizemeisters gegen den VSV Gransee ansehen. Zauberhaft spielte Lea Ribbentrop auf und hielt ihren Sechser lange auf Augenhöhe. Das wohl größte Talent im Nordwesten Brandenburgs hatte sich am 23. Juni vorigen Jahres einen Kreuzbandriss zugezogen und bis vorige Woche pausiert. Sie schlägt mit einem zweiten Spielrecht für Regionalligist Zepernick auf und musste für ihren Heimatverein früher als gedacht ran. Zu acht angereist, musste nämlich eine VSV-Frau eiligst zurück, weil ihr Kleinkind zu Hause nicht ruhig zu stellen war. Lea Ribbentrop darf zwar wegen der schweren Verletzung weiterhin nicht springen. Aber mit ihren Aufschlägen, harten, weichen, mit viel Auge geprägten Angriffen brachte sie den SV 90 an den Rand einer Niederlage. Zwei Satzbälle wehrten die Neuruppiner ab und drehten den ersten Abschnitt (27:25). Von der Rolle war das als Vizemeister feststehende Team im zweiten Satz – 12:20. Allerdings zeigte der SV 90 in den folgenden einsatzstarken Minuten, wozu er in der Lage ist. Beim 23:23 war nach einer phänomenalen Aufholjagd der Ausgleich geschafft. Und auch die letzten beiden Punkte gingen an die vom vehement am Spielfeldrand mitgehenden David Vogt gecoachten Sonntagsspielerinnen, so der Ursprungsname, den sie noch immer als Motivationswort nutzen.
Den Meisterpokal überreichte Staffelleiterin Christin Gläser nicht, ohne zuvor die Interessenlage zu erkunden, welche Veränderungen des für die nächste Saison geben könnte. Umstritten bleibt die Sonderregel, wonach nur zwei statt drei Gewinnsätze angewendet wird. Unbeantwortet blieb die Zukunft von Eintracht Alt Ruppin. Es droht aus personellem Grund ein Rückzug. Ebenso ungeklärt ist, ob die Wittstocker Vereine, der SV 90 Fehrbellin oder der Rheinsberger SV es zur neuen Saison schaffen, eine Frauenmannschaft zu stellen. Alle eint: Sie hatten vor Jahren ein Sextett am Start. Aber die Jugend zieht es eben zur Lehre oder zum Studium.
MSV Neuruppin: Eveline Meinecke, Doreen Lahn, Ivonne Zindler, Edda Mühlenberg, Nicole Schwabe, Andrea Thiem, Veronika Schwanz, Nadin Weißenfels, Elke Lucke, Antje Gäding
Alt Ruppin: Christina Kunze, Bettina Treichel, Antje Thiedemann, Stefanie Jacob, Kathleen Jacob, Emma Berk, Bianka Berk
SV 90 Neuruppin: Bettina Nürnberg, Cordula Schlaugk, Nora Anders, Janet Pritzkow, Jasmine Schubert, Antje Schieferdecker, Jessica Mehlitz, Daniela Schulz
VSV Gransee: Sabine Hilgert, Anke Leben, Julia Dierberg, Lea Ribbentrop, Annett Genzmer, Lara Kleindieck, Antje Ribbentrop
Statistisches
■ Saisonergebnisse
SV 90 - Alt Ruppin⇥2:0
⇥25:20, 25:16
Gransee - MSV Neur.⇥0:2
⇥17:25, 23:25
Alt Ruppin - MSV⇥2:1
⇥16:25, 28:26, 15:10
Gransee - SV 90 Neur.⇥1:2
⇥21:25, 28:26, 7:15
Alt Ruppin - Gransee⇥2:0
⇥25:18, 25:12
MSV Neuruppin - SV 90⇥2:0
⇥25:14, 25:20
Alt Ruppin - SV 90⇥0:2
⇥18:25, 13:25
MSV - Gransee⇥2:0
⇥25:12, 25:16
Gransee - Alt Ruppin⇥1:2
⇥25:10, 14:25, 17:19
SV 90 Neuruppin - MSV⇥1:2
⇥26:24, 23:25, 10:15
MSV - Alt Ruppin⇥2:0
⇥25:16, 25:23
SV 90 Neu. - Gransee⇥2:0
⇥27:25, 25:23
■ Schiedsrichter im
Abschlussturnier:
Michael Güldener und Ingo Wagener sowie als Schreiber/Anzeigetafel Toni Dowall, Jonathan Merkel und Eugen Bergner
■ Endstand 2019
1. MSV Neur.⇥11:3 10:2
2. SV 90 Neur.⇥9:5 8:4
3. Alt Ruppin⇥6:8 6:6
4. VSV Gransee⇥2:12 0:12
■ Endstand im Vorjahr
1. SV 90 Neur.⇥12:3 12:0
2. MSV Neur.⇥9:4 8:4
3. VSV Gransee⇥5:8 6:6
4. Fehrbellin⇥1:12 0:12
