Wirtschaft
: Vor 20 Jahren wurde ASL in Neuruppin gegründet

Andreas Leske begann vor 20 Jahren mit dem Aufbau seiner Firma. Eigentlich waren seine Pläne für die Selbstständigkeit viel kleiner.
Von
Markus Kluge
Neuruppin
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Die Box-Handschuhe haben ihn begleitet: Vor 20 Jahren gründete Andreas Leske seinen Betrieb, der auch mehrfach mit Unternehmer-Preisen ausgezeichnet wurde. In Treskow werden unter anderem Sondermaschinen gebaut. Wie diese Roboter für Möbel-HerstelIer Ikea.

Markus Kluge

„Eigentlich war alles ganz anders geplant“, so der 54-Jährige der ursprünglich als Angestellter bei Otto Kunststoffsysteme, heute ESE, den Posten des Fertigungsleiters und damit mehr Verwaltungsaufgaben übernehmen sollte. Das wollte Leske aber nicht. Er wagte 2000 den Schritt in die Selbstständigkeit. In einem kleinen Konstruktionsbüro wollte er mit technischen Zeichnern nach den Wünschen der Auftraggeber Maschinen und Produktionssysteme entwickeln, die externe Firmen bauen. „Das hätte mir eigentlich gereicht“, so Leske. Denn die Startbedingungen waren nicht einfach: „Ich war frisch geschieden und hatte vielleicht noch 10 000 Mark auf dem Konto.“ Weil aber ein Partner absprang, musste Leske größer denken. Er borgte sich Geld, ersteigerte die Ausstattung eines Sondermaschinenbauers aus Schwerin, der insolvent war, und richtete sein Unternehmen zuerst in der Brenckenhoffstraße 15 ein. Zur Eröffnung am 1. Mai  bekam er Box-Handschuhe von einem Freund und Kollegen geschenkt. „Er hat mir gesagt: Box dich durch. Die Handschuhe habe ich heute noch in meinem Schrank“, so Leske.

Symbolisch gesehen hat Leske sein Unternehmen durchgeboxt – außer in Australien hat ASL heute auf jedem Kontinent Kunden, vor allem Automobilzulieferer und Produzenten von Haushaltsgeräten. „Ich weiß aber noch, meine ersten Kunden waren unter anderem Prettl und mein erster Auftrag war über 16 000 Mark für Wäschetrockner“, so Leske.

Während seine Abnehmer derzeit schon die Corona-Krise zu spüren bekommen, ist ASL davon bisher verschont geblieben: „Wir geraten nicht gleich bei jedem Lüftchen ins Wanken. Aber die jetzige Situation ist mehr als unklar. Wir müssen sehr vorausschauend und vorsichtig agieren“, so der Unternehmer. Die Automobilbranche fahre noch nicht wieder hoch und die Hausgaltsgeräteindustrie sei derzeit am Boden. ASL stehe gut da, weil es einen Auftragsvorlauf und bereits weitere in Aussicht habe. „Wir sind eine Marke und haben ein Standing in der Branche – auch wenn wir keine Billigheimer sind“, so Leske.

Heute sei er stolz, einer solchen Firma und einem solchen Team, vorzustehen. „Ihr seid das Kapital von ASL – eine verrückte aber hochintelligente Truppe“, sagte Leske zu seinen Mitarbeitern. Zum Firmenjubiläum konnte er auch zwei Neuanstellungen bekanntgeben – ein Arbeitsvertrag war wenige Minuten zuvor unterzeichnet worden. Zudem wird sich die Firma bald einen Roboterarm zulegen, an dem die Programmierer für neue Projekte üben und Schulungen anbieten können. Das Jubiläum soll mit den Kollegen auch nachgeholt werden – wenn die Corona-Vorschriften es wieder zulassen.

In 20 Jahren lief eben alles etwas anders. „Als ich angefangen habe, habe ich Riesenkredite über 640 000 Mark aufgenommen. Plötzlich hatte ich so viele Schulden. Ich habe gedacht: Die werde ich im Leben nie abbezahlen können – aber einen Tod musste ich sterben“, so Leske. Vor drei Monaten habe er mit der letzten Rate diese Eigenkapital-Hilfedarlehen dann aber doch abbezahlt.

Gewerbegebeit Treskow I

ASL hat als eines von zahlreichen Betrieben seinen Sitz im Industrie- und Gewerbegebiet Treskow I am südlichen Rand von Neuruppin. Das Gewerbegebiet ist insgesamt rund 938 000 Quadratmeter groß. Von den 54 Gewerbeflächen sind nur noch vier frei.⇥red