Wohnungsbau: Platz für Einfamilienhäuser fehlt

Kleine, sozialverträgliche Wohnungen gibt es deutlich mehr als große, familienfreundliche Mietwohnungen. Doch auch bei Sozialwohnungen ist Achtsamkeit gefordert.
Markus KlugeIn mehreren Stufen wurde und wird an der Studie gearbeitet. Zuerst einmal haben sich die Spezialisten des Hamburger ALP-Institutes für Wohnen und Stadtentwicklung die Bevölkerungszahlen des Einwohnermeldeamtes angesehen, sich mit den Akteuren der Wohnungswirtschaft unterhalten sowie Inserate auf Immobilienseiten im Netz und eine anonymisierte Analyse von Stromzählern angesehen, um herauszufinden, wie der Bestand aussieht. Letztere zeigte anhand des Stromverbrauchs, dass aktuell in der Stadt nur rund 455 Wohnungen leer stehen, was weniger als drei Prozent entspricht.
Die Bevölkerungsprognose in der Studie gibt es in zwei Varianten: Eine sieht bis 2035 einen Rückgang um 970 Einwohner. Die zweite geht von einer besseren Anbindung nach Berlin aus, was nach einem zwischenzeitlichen Zuwachs für das Jahr 2035 etwa dieselbe Einwohnerzahl voraussagt wie heute. Bei dieser als „Zuzugs-Variante“ benannten Möglichkeit wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Haushalt um 560 steigen wird. Ohne den Zuzug würde Neuruppin insgesamt 230 Haushalte verlieren.
Schon jetzt profitiert die Stadt von Wanderungsbewegungen und kann damit das Geburtendefizit nahezu ausgleichen, wie Lehnert berichtet. In die Kernstadt ziehen vor allem ältere Menschen aus den Ortsteilen, während junge Familien vor allem dorthin wollen, wo sie auch Bauland für Einfamilienhäuser finden können. Auch die Struktur der Wohnungen in Neuruppin wurde untersucht: 70 Prozent sind Mietwohnungen, 21,6 Prozent Einfamilienhäuser und 8,4 Prozent Eigentumswohnungen. 47 Prozent aller Wohnungen gehören zu Institutionen wie der Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft (NWG) oder der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG). Dementsprechend könnten in Neuruppin auch einfacher als anderswo Sozialwohnungen geschaffen werden. Das muss auch geschehen, befinden die Autoren der Studie. Sollten etwa die bestehenden Verträge mit der NWG zur Mietpreisbindung einfach auslaufen, steht für 2022 ein gravierender Rückgang in diesem Sektor zu befürchten. Weiteren Handlungsbedarf zeigt die Studie bei barrierearmen Wohnungen in Zentrumsnähe, bei großen und modernen familienfreundlichen Wohnungen in der Stadt sowie bei Bauland für Einfamilienhäuser auf. „Dort konnte die Nachfrage in den letzten Jahren nicht gedeckt werden“, so Lehnert. An anderer Stelle ist die Fontanestadt hingegen gut aufgestellt: bei kleinen Wohnungen, die in anderen Städten durchaus Mangelware sind. „Neuruppin befindet sich da in einer vergleichsweise guten Situation, sollte das Thema aber trotzdem im Blick behalten“, schlussfolgerte Lehnert.
Auch wenn es erste Erkenntnisse gibt, die sich aus den Analysen des Hamburger Instituts ableiten, wird es Beschlüsse als Reaktion auf die im vierten Quartal vorgestellte Studie frühestens 2020 geben, so Neuruppins Baudezernent Arne Krohn.
Die ersten Ergebnisse im Überblick
Sozialwohnungen sind aktuell noch keine Mangelware, könnten es aber ab 2022 werden, falls nicht gegengesteuert wird.
Einfamilienhäuser sind weiterhin begehrtes Bauobjekt. Flächen dafür auszuweisen, könnte mittelfristig vor allem junge Familien anlocken.
Barrierearmer Wohnraum wird künftig vor allem im Zentrum Neuruppins benötigt.
Moderne Mietwohnungen für Familien fehlen laut den Hamburger Autoren der Studie. ⇥zig