Zoo bei Neuruppin: Tierpark Kunsterspring – Tiere zum Anfassen, Füttern und hautnah Erleben

Kinder und die kleinen Mufflons im Tierpark Kunsterspring bei Neuruppin lieben die Futterautomaten. So kommen sie sich nahe und beide Seiten haben etwas davon.
Burkhard KeeveRund 400 Tiere in knapp 80 Arten warten im Tierpark Kunsterspring darauf, entdeckt zu werden. Die Konzentration auf die heimische Tierwelt – fernab von Tiger, Giraffe und Co. – ist das Markenzeichen der Einrichtung bei Neuruppin.
Der Tierpark ist schattig gelegen. In einem Buchenwald warten Winzlinge wie scheue Nager auf die Besucher, aber auch mächtige und gefährliche wie Bisons und Raubtiere. Auch der geschmeidige Luchs und die meist scheuen Wölfe lassen sich beobachten.
Tierpark Kunsterspring: „Kinder brauchen keine Exoten.“
„Kinder brauchen keine Exoten.“ Wie zum Beweis dringen hohe Geräusche vom nahen Kaninchengehege durch. „Guck mal, wie süß. Jetzt ist es weg.“ Wahrscheinlich sind die flinken Degus gemeint, die sich mit den Zwergkaninchen und Meerschweinchen eine Behausung teilen.

Faule Bande. Die Wildschwein-Familie lässt sich im Tierpark Kunsterspring von den Besuchern nicht um den Mittagsschlaf bringen.
Burkhard Keeve60.000 bis 70.000 Besucher werden in jedem Jahr registriert. Doch keine Sorge, es wird nicht eng. Auch an Tagen, an denen viele Autos auf dem großen Parkplatz stehen, bietet das weitläufige Areal (16 Hektar) ausreichend Platz.
Selbst nach der Wolfsfütterung, die rund Hundert Neugierige verfolgten, zerstreut sich die Menge wenige Augenblicke später wie von Zauberhand. Das Gefühl, beim Tiere beobachten nahezu allein zu sein, stellt sich wieder ein.
Informationen zum Tierpark Kunsterspring
Zeiten: Der Tierpark Kunsterspring im Neuruppiner Ortsteil Gühlen-Glienicke ist von April bis September täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Von Oktober bis März von 9 bis 17 Uhr.
Eintritt: Kinder von 3 bis 16 Jahren zahlen 2,50 Euro für die Tageskarte. Erwachsene sind mit 7 Euro dabei. Es gibt Familienkarten: Zwei Erwachsene bis zu vier Kinder: 18 Euro. Für Gruppen (ab zehn Personen) wird es billiger. Hunde kosten 1 Euro. Es gibt Jahreskarten. Führungen kosten extra.
Mit dem Fahrrad kommt man über den Tierpark-Heide-Radweg vom Rheinsberger Tor in Neuruppin (Naturroute Neuruppin). Auch mit dem Bus ist der Tierpark aktuell zu erreichen. Die Tierpark-Heide-Linie (Linie 794) geht von Neuruppin über Gühlen-Glienicke (Tierpark) nach Rheinsberg. Der Bus hat einen Fahrradanhänger und ist ein Zusatzangebot vom 1. Mai bis 6. Oktober.
Der Tierpark hat eine lange Geschichte. Alles fing schon 1966 mit einem verwaisten Wildschwein-Frischling an, der aufgepäppelt wurde. Eine übersichtliche Bilderstrecke, die die Entwicklung vom Frischling „Petra“ bis zum Leitwolf „Boris“ aufzeigt, findet sich bereits wenige Meter hinter dem Eingang. Wer tiefer in die Historie einsteigen will, findet auf der Homepage des Tierparks, ausreichend Informationen.
Peter Mancke – ein Leben für den Tierpark Kunsterspring
Leiter und Wolf-Versteher ist Peter Mancke. Seit 1981 begleitet er die Wechselfälle des Tierparks, seit 1988 ist er dessen Chef. Mit seinem Wolfs-T-Shirt, den grauen Haaren und dem schattigen Dreitagebart zeigt er eine gewisse Ähnlichkeit oder zumindest gefühlvolle Zugehörigkeit zu Canis lupus. So wird der hochbeinige Waldbewohner wissenschaftlich genannt.

Tierparkchef Peter Mancke arbeitet seit 1981 im Tierpark Kunsterspring. Seit 1988 leitet er den Zoo mit heimischen Tieren.
Burkhard KeeveMancke traut sich ohne Weiteres ins Gehege der Wölfe. Selbst mit blutigem Rindfleisch in der Hand wird er nicht zum Opfer der großen Eckzähne. Boris und seine rangniederen Gefährten kennen ihn bestens. Und sein Auto.
Wenn sie es hören, verheißt das meistens etwas Gutes. Dann laufen sie gespannt den hohen Zaun entlang. Auf dem hohen Holzunterstand, der den Besuchern einen guten Überblick auf die Situation verschafft, steigt die Spannung.

Leitwolf Boris markiert sein Revier, das sich Gott sei Dank, hinter einem hohen Zaun im Tierpark Kunsterspring verbirgt. Kommt Parkchef Mancke mit rohem Fleisch, erhält er als das ranghöchste Tier das erste Stück.
Burkhard KeeveDoch zuerst kommt Mancke seinem Bildungsauftrag nach. Bei seinen Erzählungen über den Wolf lässt er auch den Frust der Landwirte nicht aus. Diese beklagen Risse bei Schafen und Kälbern.
Dennoch gewinnt der Experte die Herzen für das in freier Wildbahn sehr scheue Raubtier. Bildung, eine Kernkompetenz des Tierparks, wird nahezu nebenbei vermittelt. Das geht über alle Sinne. Riechen, anfassen, hören und natürlich beobachten. Schautafeln und Videos mit vielen Erklärungen ergänzen das Erlebte.
Besonders beliebt sind die Tierfütterungen. Regelmäßig und zu bestimmten Zeiten wird das Gerangel um Bananen, Körner und Fleisch zum Publikumsmagneten.
Dann tauchen die Tierpark-Mitarbeitenden mit den Mahlzeiten auf. Doch es geht auch eine Nummer kleiner. Dafür müssen nur ein paar Leckerlis im Futterautomaten gekauft und die Hand ausgestreckt werden. Schon wollen sich die Mufflons ihren Anteil ergattern.

Im Hirschgehege dürfen die Besucher des Tierparks Kunsterspring auf Tuchfühlung mit den Tieren gehen. Das klappt am besten mit Leckerlis.
Burkhard KeeveNoch mehr Körperkontakt bietet das Hirschgehege. Da können Besucher versuchen, den zahm wirkenden Geweihträger beim Körnerfüttern zu streicheln. Klappt meistens nicht. Einfacher ist das bei den Zwergziegen. Da hängen sogar Bürsten für die Fellpflege bereit, was sich die Tiere genussvoll gefallen lassen.
Kleine wie große Streichler lassen sich gern darauf ein. Überhaupt ist die Altersspanne recht groß bei den Tierpark-Besuchern. Es hilft, gut zu Fuß zu sein und festes Schuhwerk zu tragen. Denn die Eiszeit hat einige hügelige Moränen aufgeschoben. Kinderwagen kommen gut voran. Außerdem bietet der Tierpark kleine Holzwagen an, mit denen Gepäck und Kinder herumkutschiert werden können. Für Menschen mit Handicap hat der Tierpark zwei Rundgänge mit weitgehend barrierefreiem Zugang im Programm.

Die Zwergziegen haben es besonders gut im Tierpark Kunsterspring. Sie erhalten Bürstenmassagen von den Besuchern.
Burkhard KeeveBesucher müssen sich aber nicht die ganze Zeit bewegen. Überall gibt es Rastmöglichkeiten unter mächtigen Buchen. Auch ein Spielplatz bietet sich für eine Pause an – zumal dort ein Imbiss mit Pommes und Crêpes ab 3,50 Euro etwas für den kleinen Hunger bereithält. Das wird gern am Dienstag und Mittwoch von den Gästen des Tierparks genutzt. Das sind nämlich die Ruhetage der Waldgaststätte Eichkater unmittelbar neben dem Tierpark.
Es ist ein Zoo für die Familie, für Gruppen, Schulklassen, Kindergeburtstage oder den einzelnen Schlenderer. Alles ist möglich. Die Eintrittspreise sind moderat. Das Gefühl, abkassiert zu werden, stellt sich gar nicht erst ein.

Auf Augenhöhe mit den Wisenten. Eine kleine Besucherin des Tierparks Kunsterspring schaut den mächtigen Tieren beim Fressen zu.
Burkhard KeeveWer will, kann den ganzen Tag im Tierpark verbringen, ohne dass Langeweile aufkommt. Kunsterspring kommt ohne Plüschwelt und Walt Disney aus. Renner für ein Foto sind die großen, lebensechten Holzfiguren von Wolf und Wisent. Es gibt Tages- und Nachführungen, sogar der Hund darf, kurz angeleint, mitgenommen werden.
In Kunsterspring haben Mensch und Tier viel Platz, um sich zu beobachten und ausreichend Raum für Begegnungen. Es wird nichts beschönigt. Wisente stinken. Wildschweine sind Allesfresser und auch die putzigen Frischlinge balgen sich ums Aas.

Überall gibt es Infotafeln zu den Bewohnern des Tierparks Kunsterspring. Insgesamt rund 400 Tiere werden hier versorgt.
Burkhard KeeveUnd weil die beiden Esel Jenny und Asterix für manche zarte Seele mitleiderregend aussehen, informiert eine Tafel darüber, dass sie alt sind, aber mit Spezialfutter versorgt und liebevoll gepflegt werden.
Im waldigen Tierpark in Gühlen-Glienicke gibt es kein WLAN. Für Tierparkchef Peter Mancke ist das kein Nachteil. Bleibt halt mehr Zeit für die reale Welt rund um Störche, Degus, Mufflons, Ziege und Co. Und wen kümmert's, dass das Wollschwein schon mal mit dem Wildschwein verwechselt wird. Den Waschbären, der ein Gehege weiter verschlafen in luftiger Höhe auf eine Stange abhängt und schläft, schon gar nicht.
Ganz nebenbei hat sich die Tierpark-Chef-Aussage zu Beginn des Besuchs bestätigt: „Kinder brauchen keine Exoten.“ Ach, und Erwachsene auch nicht.
