Antisemitismus
: Rapper berichtet am OSZ über Judenhass in der Hip-Hop-Szene

Vor rund 60 Schülerinnen und Schülern des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums erzählte Rapper Ben Salomo am Dienstag seine Geschichte.
Von
Burkhard Keeve
Oranienburg
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Der ehemalige YouTuber Ben Salomo spricht im Georg-Mendheim- Oberstufenzentrum über Judenhass.

Burkhard Keeve

Aus seiner Aversion macht der gebürtige Israeli am Dienstag in Oranienburg keinen Hehl. Vor rund 60 Schülerinnen und Schülern des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums erzählte Salomo seine Geschichte. Seit 1998 war der Berliner als Rapper auf der Bühne unterwegs. „Ich war sehr, sehr bekannt“, sagt Ben Salomo. Grund war vor allem seine Präsenz auf Youtube, wo er von 2010 bis 2018 Rapper-Battles moderierte und am Ende mehr als 420 000 Follower hatte. „2018 habe ich das Format begraben, obwohl es mein Lebensunterhalt war. Aber ich wurde immer unglücklicher.“ Auslöser: Sowohl der Antisemitismus in den Song-Texten, als auch der Hass „hinter der Bühne“, der ihm als Juden entgegengebracht wurde.

Mehr Aufklärung gefordert

Als der OSZ-Lehrer und Szenekenner Martin Zill einwirft, die Texte seien „doch nicht ernst gemeint“ und die Rapper wollen eben „bis an die Grenzen des politisch Machbaren gehen“, zeigt Ben Salomo ihm klar seine Grenzen auf. Die Texte seien „antisemitische Ressentiments“. Es sei „irrelevant, wie die Texte gemeint sind“. Die Zielgruppe der Rapperszene „sind die Neun- bis Zwölfjährigen, sie können Satire und Übertreibung nicht einordnen“, so Salomo. Die „Kids hören das auf dem Schulhof, sie nehmen die Texte auf und glauben ihren Vorbildern“. In einem Video von Rapper Kollegah werde beispielsweise der Jude als „Helfershelfer des Teufels dargestellt“, dann gehe es noch um Bücherverbrennung. „Das ist Hetze!“, sagt Salomo. Er habe nichts gegen Provokationen beim Rap, aber Hetze und Menschenverachtung, „das ist zu heftig. Ich halte das für gefährlich.“ Damit werde der Keim gesät, aus dem ein antisemitisches Klima entsteht, wie es aktuell in Deutschland herrsche.

Vielredner Ben Salomo entschuldigt sich für sein beherztes Plädoyer. „Ich kann viel quatschen. Das ist mein Moderator-Gen.“ Die meisten Schüler  hat er damit aber erreicht. Ein Schüler wünscht sich mehr Aufklärung über Antisemitismus. Eine Schülerin aus der zwölften Klasse pflichtet ihm bei. „Ich war jetzt in Israel, aber ich hätte gern schon viel früher mehr erfahren. Vor Israel hatte ich keine Ahnung.“

Die Veranstaltung „Guck mal, der Jude!“ ist Teil der Kampagne „#ClapForCrap“ (Klatschen für Mist) mit der die Friedrich-Naumann-Stiftung und Ben Salomo vor allem junge Menschen erreichen wollen.

Als Elfjähriger verprügelt

Ben Salomo (bürgerlich Jonathan Kalmanonich) wird 1977 in der etwa 20 Kilometer südlich von Tel Aviv gelegenen israelischen Stadt Rechovot geboren.

Als Vierjähriger zieht seine Familie nach Berlin, dort leben seine Großeltern.

Als Teenager wächst er in Schöneberg auf. Die Eltern trennen sich.

Von türkischen oder arabischen Jugendlichen wurde er oft gemieden oder diskriminiert, sobald sie herausfanden, dass er Jude ist. "Ich war elf Jahre alt, als mein bester Freund mich verprügelte, weil er herausfand, dass ich Jude bin", so Ben Salomo am Dienstag.

Bei der Bar Mitzwa erhielt er den hebräischen Zunamen Ben Salomo (Sohn des Salomo, nach seinem Vater), den er als Künstlernamen trägt.⇥bu