Arzt in Hennigsdorf
: Fußball-WM als Risiko fürs Herz? Wovor ein Mediziner warnt

Die Fußball-WM 2026 zieht auch die Menschen in der Umgebung von Hennigsdorf und Oranienburg in ihren Bann. Ein Chefarzt der Oberhavel Kliniken mahnt vor Folgen für das Herz.
Von
Stefan Zwahr
Hennigsdorf
Jetzt in der App anhören
Euro 2024: Spanien - Deutschland - Andre Schnura: ARCHIV - 05.07.2024, Baden-Württemberg, Stuttgart: Fußball: EM, Spanien - Deutschland, Finalrunde, Viertelfinale in Stuttgart. Vor dem Spiel spielt Saxofonist Andre Schnura für Fans in der Fan Zone auf dem Schlossplatz. (zu dpa: «Shakira, Helene Fischer, Saxofon-Typ: Die Hits zur WM 2026») Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Deutschland-Fans jubeln beim Public Viewing in der Fanzone. Die nun anstehende Fußball-Weltmeisterschaft mit ihren 104 Spielen kann für Menschen aber nicht nur Nervenkitzel, sondern auch eine Gesundheitsgefahr fürs Herz werden.

Christoph Schmidt/dpa
  • Kardiologe der Oberhavel Kliniken warnt: WM-Spiele können das Herz stark belasten.
  • Mitfiebern löst Stresshormone aus – Blutdruck und Herzfrequenz steigen bei Fans.
  • Besonders gefährdet sind Ältere sowie Menschen mit Vorerkrankungen und Risikofaktoren.
  • Studien zeigen mehr Notfälle bei Großereignissen, etwa bei Finalspielen der WM.
  • Rat für Fans: Tagesrhythmus wahren, genug schlafen und Alkohol sowie Rauchen begrenzen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Echte Fans erleben rund um ein Fußballspiel ein Wechselbad der Gefühle. Schon vor dem Anpfiff stellt sich eine nervöse Anspannung ein. Wenn der Ball rollt, steht der Fan 90 Minuten unter Spannung. Es herrscht pure Ekstase. Euphorie bei Toren der eigenen Mannschaft, tiefe Frustration bei gelungenen Aktionen des Gegners – bis zu Wut und tiefer Trauer.

Im Sommer 2026 gibt es besonders viele Fußballfans. Vom 11. Juni bis 19. Juli findet die Weltmeisterschaft statt. Bei derartigen Großturnieren interessieren sich auch in Oberhavel mehr Menschen als sonst für die Ballsportart.

Die WM mit ihren 104 Spielen kann für Menschen aber nicht nur Nervenkitzel auslösen, sondern auch eine Gesundheitsgefahr fürs Herz werden. Das betont Dr. Hans-Heinrich Minden, Chefarzt der Inneren Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie an den Oberhavel Kliniken in Hennigsdorf. Er gibt Fans Tipps für die WM-Zeit.

Achtung bei der Fußball-WM: Aufregung belastet das Herz

Die Fußball-WM in Kanada, Mexiko und den USA bezeichnet der Mediziner als sportliches Fest der Freude. Doch was den Wenigsten bewusst sei: Großereignisse wie Fußball-Weltmeisterschaften seien geeignet, bei den Zuschauern das Risiko für Herzinfarkte oder Herz-Kreislauf-Probleme in die Höhe zu treiben. „Grund ist die enorme Aufregung beim Mitfiebern.“ Der Nervenkitzel bei einem spannenden Spiel fühle sich zwar gut an, „bedeutet aber für den Körper einen außerordentlich hohen Stresslevel“.

Vor allem gesundheitlich vorbelastete Menschen („allen voran Männer“), Ältere und Vertreter aus Risikogruppen seien doppelt bis dreifach gefährdet, einen Herzinfarkt oder gefährliche Herzrhythmusstörungen zu erleiden. Hans-Heinrich Minden spricht damit auch Raucher, Diabetiker oder Personen mit Bluthochdruck oder Übergewicht an.

Menschen mit einem gesunden Herzen können den Stress der Spannung ohne Folgen aushalten. Menschen mit Vorerkrankungen müssen nicht verzichten, sondern vor allem auf sich aufpassen. Höhepunkte im negativen Sinne seien laut Minden die Schicksalsmomente in Spielen vor allem der eigenen Mannschaft, also Elfmeterschießen oder K.o.-Phasen. „Fans erleben dann einen Ausstoß der Stresshormone Cortisol und Adrenalin, der Blutdruck und die Herzfrequenz steigen.“

Schlafmangel und Alkohol: So schützen Fußballfans ihr Herz

Studien würden bei größeren Fußball-Ereignissen direkte Auswirkungen der Spiele aufs Herz belegen. „Die Sommermärchen-WM 2006 in Deutschland etwa hat ein deutliches Plus an Noteinsätzen und Krankenhauseinweisungen wegen Herzproblemen hervorgebracht.“ Vor allem bei Finalspielen würden signifikant mehr akute Herzprobleme auftreten.

So auch bei der WM 2014. Am Tag des nervenaufreibenden Finales zwischen Deutschland und Argentinien fiel die Sterblichkeit bei den eingelieferten Herzinfarktpatienten im Krankenhaus im Vergleich zu den übrigen WM-Spieltagen am höchsten aus.

Dr. Hans-Heinrich Minden, Chefarzt der Inneren Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie an den Oberhavel Kliniken in Hennigsdorf.

Dr. Hans-Heinrich Minden, Chefarzt der Inneren Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie an den Oberhavel Kliniken in Hennigsdorf.

Christo Libuda

Alkohol, Rauchen, wenig Schlaf durch nächtliche Übertragungen wegen der Zeitverschiebung sowie Bewegungsmangel bei ungesundem Essen kämen Minden zufolge als Risikofaktoren noch hinzu. Der Rat des Chefarztes für die kommenden Fußball-Wochen: „Genießen Sie die Spiele, aber behalten Sie dabei auch Ihren gewohnten Tagesrhythmus und ausreichend Schlaf im Blick.“

Nicht jedes nächtliche Spiel müsse live verfolgt werden. „Zusammenfassungen gibt es schließlich auch am nächsten Morgen.“ Denn so groß die Begeisterung für den Fußball auch sei, so Minden: „Die Gesundheit spielt immer in der ersten Liga.“