Herzerkrankungen: Blutdruck, Cholesterin, Herzwand - wann es gefährlich wird

Viele Menschen messen regelmäßig ihren Blutdruck. Das kann Sicherheit schaffen. Doch manchmal sorgen starke Ausschläge für Ängste. Wann sind sie berechtigt?
Christin Klose/dpa- Kardiologen erklären, wann Herzprobleme ernst genommen werden müssen – Symptome wie Luftnot oder Rhythmusstörungen.
- Moderne Blutdruckmessgeräte können Herzrhythmusstörungen anzeigen, erfordern aber oft zusätzliche EKG-Diagnostik.
- Verdickte Herzwände (z. B. bei HCM) und hohe LDL-Werte erhöhen Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.
- Patienten mit Herzschrittmachern sollten Belastung langsam steigern und Geräte regelmäßig überprüfen lassen.
- Nach Herzinfarkten oder Bypassoperationen bleiben Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Cholesterin entscheidend.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer regelmäßig seinen Blutdruck misst oder Luftnot bei Belastung hat, kann bei bestimmten Anzeichen schon mal ins Stutzen kommen. Wer bei einem hohen Cholesterinspiegel Medikamente nehmen soll, ist wegen möglicher Nebenwirkungen nicht immer glücklich. Und wie leistungsfähig ist man mit einem Herzschrittmacher?
Rund um das Thema Herzerkrankungen haben die Kardiologen Dr. Matthias Kretzschmar und Dr. Konstantin Krieger Fragen von Lesern und Usern am Telefon beantwortet.
Ich war wegen Herzschmerzen beim Hausarzt. Doch weder EKG noch Ultraschall und Belastungstests haben etwas ergeben. Ich messe seitdem regelmäßig meinen Blutdruck. Das Messgerät zeigt immer wieder Herzrhythmusstörungen an und bei völliger Ruhe habe ich Herzschmerzen.
So, wie Sie die Schmerzen schildern, kommen sie eher nicht vom Herzen, sondern möglicherweise vom Rücken. Entlang der Wirbelsäule verlaufen viele Nerven, die bei Beschwerden in den Brustkorb projiziert werden können, deshalb denkt man oft, dass es sich in dem Bereich um Herzschmerzen handelt.
Bei den Blutdruckmessgeräten mit Manschette kann es zu missverständlichen Anzeigen kommen. Sie messen nur die Frequenz der Herzschläge und sind so eingestellt, dass sie von gleichmäßigen Schlägen ausgehen. Gibt es Herzschläge zwischendurch, reagiert das Gerät sofort und kann anzeigen, dass es sich um Herzrhythmusstörungen handelt. Um dies zu überprüfen, sollte man ein 12-Kanal-EKG schreiben oder ein Langzeit-EKG aufzeichnen. Alternativ kann man zur Kontrolle auch eine Smart Watch nutzen, mit der man am Handgelenk das EKG aufzeichnen kann.
Ungewöhnliche Werte beim Blutdruck messen
Mein hoher Blutdruck ist mit Medikamenten gut eingestellt. Zur Blutdruckkontrolle daheim habe ich ein modernes Gerät, das auch Rhythmusstörungen anzeigt. So sehe ich Stolperer oder Aussetzer des Herzens, was mich beunruhigt. Allerdings merke ich diese meistens nicht einmal. Sollten wegen der Stolperer weitere Untersuchungen veranlasst werden?
Moderne Blutdruckmessgeräte analysieren oszillometrisch den arteriellen Puls und bestimmen damit den Blutdruck. Gleichzeitig können sie durch Unregelmäßigkeiten des Pulses auf Rhythmusstörungen schließen. Es kann sich zum Beispiel um Extraschläge oder eine sogenannte absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern handeln.
Bei dem Blutdruckmessgerät handelt es sich aber nicht um ein EKG-Gerät, weswegen der Hinweis auf mögliche Rhythmusstörungen Anlass für eine weiterführende elektrokardiografische Diagnostik sein sollte. Da ein „einfaches“ 12-Kanal-EKG meist nur wenige Sekunden der Herztätigkeit erfasst, ist es oft nicht ausreichend für die Diagnostik von Herzrhythmusstörungen. Ein Langzeit-EKG (Holter-EKG) erfasst 24 Stunden bis mehrere Tage und damit auch nur selten oder zeitweilig auftretende Unregelmäßigkeiten. Dies ist mit den vom Patienten beklagten Symptomen die Basis für ein qualifiziertes Auswertungsgespräch.
Beispielsweise muss bei Vorhofflimmern über die Notwendigkeit einer medikamentösen Blutverdünnung zur Verhinderung eines Schlaganfalls entschieden werden, während einzelne Extraschläge aus dem Vorhof nicht immer Konsequenzen nach sich ziehen müssen.
Wenn die Herzwand zu dick ist
Ich habe eine 20 Millimeter dicke Herzwand, normal sind wohl zwölf Millimeter. Welche Folgen kann dies haben? Ich leide besonders bei Aufregung unter Brustschmerzen. Meine Mutter ist am plötzlichen Herztod gestorben.
20 Millimeter ist definitiv über der Norm einer verdickten Herzwand und kann zum Beispiel durch eine Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ausgelöst werden. Diese ist mit der krankhaften Verdickung des Herzmuskels vergesellschaftet und kann zu Luftnot oder Brustschmerzen führen, auch zu Herzrhythmusstörungen oder zu einer Ohnmacht.
Die Therapie der HCM erfolgt medikamentös und kann das Risiko schwerwiegender Herzrhythmusstörungen minimieren. Zur Diagnosestellung und Risikoabschätzung sollten ein Langzeit-EKG und eine Kernspinuntersuchung (MRT) des Herzens erfolgen. Bei einem sehr hohen Risiko ist es auch möglich, einen Defibrillator unter die Haut einzusetzen. Dieser bringt bei gefährlichen Herzrhythmusstörungen das Herz mit einem elektrischen Impuls in den normalen Rhythmus zurück.
Die Verdickung kann genetisch bedingt sein, was man aufgrund des frühen plötzlichen Herztods Ihrer Mutter vermuten kann. Deshalb sollte Sie das abklären lassen, gerade auch, wenn Sie Kinder haben.
Belastung mit Herzschrittmacher
Im September ist mir ein Herzschrittmacher eingesetzt worden. Wann kann ich mich wieder normal belasten bzw. Über-Kopf-Bewegungen ausführen? Bis vor der Operation war ich jeden Tag laufen und habe Gymnastik gemacht. Ich bin 85 Jahre alt.
Eigentlich sollte der Schrittmacher nach vier bis sechs Wochen gut eingewachsen sein. Sie müssen sich nicht mehr schonen, sollten aber Schwerstbelastungen wie schweres Heben, besonders mit dem Arm auf der Schrittmacher-Seite, und Kontaktsportarten oder Sportarten mit starken Armbewegungen (Tennis, Golf, intensives Schwimmen) vermeiden. Am optimalsten ist es, wenn Sie sich einer Herzsportgruppe anschließen könnten, um die Belastung langsam zu erhöhen.

Dr. med. Konstantin Krieger, Leitender Oberarzt der Elektrophysiologie in der Kardiologie am Klinikum Markendorf, hat Fragen zu Auffälligkeiten am Herzen beantwortet.
Sophie Keller/Klinikum Frankfurt (Oder)Seit ich einen Herzschrittmacher habe, geht mein Puls rasant von 60 auf 110 nach oben, wenn ich draußen unterwegs bin. Sobald ich eine Pause einlege, beruhigt er sich schnell wieder. Woran kann das liegen? Und sind einmalig hohe Ausschläge bei einer HOCM normal?
Der hohe Puls könnte einerseits daran liegen, dass Ihre Belastung zu groß ist. Möglich ist aber auch, dass der Sensor am Schrittmacher zu sensibel eingestellt ist. Das erkennt man am Frequenzprofil des Geräts. Der Sensor muss dann neu justiert werden.
Es ist in jedem Fall dringend notwendig, dass Sie den Schrittmacher erneut auslesen lassen, um festzustellen, ob Herzrhythmusstörungen bei Ihnen vorliegen.
Ihre HOCM, die Hypertrophe Obstruktive Kardiomyopathie, also die Verdickung des Herzmuskels vor allem im Bereich des Ausflusses des linken Herzens unter der Aortenklappe (Hauptauswurfsklappe), kann die einmalig hohen Ausschläge verursachen. Das lässt sich am Herzschrittmacher auslesen. Die HOCM kann zusätzlich zu einer vermehrten Luftnot, unter Belastung auch zu Herz-Rhythmusstörungen führen.
Medikamente bei hohem LDL-Wert wichtig
Mein LDL-Cholesterin-Wert ist stark erhöht. Das soll ein Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle sein. Mein Arzt hat mir deshalb Statine verschrieben. Die Medikamente habe ich abgelehnt, weil die Nebenwirkungen so groß sein sollen. Gibt es Alternativen, zumal meine Oma und meine Eltern an einem Herzinfarkt gestorben sind?
Ich kann Ihnen nur raten, diese Medikamente zu nehmen, weil sie die Ablagerung von Fetten in den Blutgefäßen verlangsamen, worauf der hohe LDL-Wert hinweist. Statine können zu Nebenwirkungen führen, aber diese haben sich in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren stark verringert und sind kaum noch vorhanden. Darauf verweist auch die Herzstiftung.
Zu Diabetes führt die Einnahme von Statinen nicht. Aber Studien belegen, dass, wenn man sich sehr mit den möglichen Nebenwirkungen von Medikamenten beschäftigt oder Angst davor hat, man sie oft stärker oder häufiger spürt – auch wenn sie nicht direkt vom Medikament kommen.
Sowohl Avostatinals als auch Rosuvastatine werden sehr gut vertragen. Der Benefit ist wirklich groß. Was sich geändert hat, dass man sie morgens einnehmen kann. Bei Rosuvastatinen ist auch eine geringere Dosis nötig, meist reichen 5 bis 10 Milligramm.
Wegen Ihrer familiären Vorbelastung sollten Sie auf den Fettstoffwechsel achten und das LDL gut einstellen lassen. Studien haben gezeigt, dass ein hoher HDL-Wert - das „gute“ Cholesterin - nicht einen hohen LDL-Wert ausgleichen kann. Das ist auch in der aktuellen Leitlinie so nicht mehr zu finden. Mit den Statinen können Sie das Risiko für einen Herzinfarkt in jedem Fall senken.
Welche Untersuchungen sind zwingend?
Schon lange habe ich zu hohen, oft aber schwankenden Blutdruck und zu hohe Cholesterinwerte. Dagegen nehme ich Medikamente. Jetzt kommt oftmals noch Luftnot dazu und ich schwitze stark, schon bei geringen Anstrengungen. Was kann ich dagegen tun?
Luftknappheit und Schwitzen sind unspezifische Symptome. Luftknappheit etwa kann unter anderem durch Herz- und / oder Lungenerkrankungen, aber auch zum Beispiel durch eine Blutarmut ausgelöst werden. Bezogen auf die von Ihnen genannten Erkrankungen Hypertonie und Fettstoffwechselstörung lässt sich Folgendes sagen: Blutdruckwerte können im Verlauf schwanken. Daher muss bei einer medikamentösen Einstellung immer wieder überprüft werden.
Wenn Sie Ihren RR (Blutdruck) selbst messen, können Sie die Werte dem Hausarzt bei der nächsten Konsultation vorlegen. Ihr Arzt kann auch eine 24-Stunden-Messung veranlassen. Ein unzureichend eingestellter Blutdruck hat im Verlauf unter anderem eine Herzmuskelverdickung zur Folge. Dies kann eine Herzschwäche (mit Luftnot) verursachen, auch wenn die Pumpleistung nicht eingeschränkt ist.
Andererseits stellen eine Hypertonie und erhöhte Cholesterinwerte Risikofaktoren für eine Arteriosklerose dar, dies würde sich am Herzen in einer Verengung der Herzkranzgefäße manifestieren. Gerade das schädliche LDL-Cholesterin ist Gift für Gefäßwände. Die Fettstoffwechselstörung, die für eine übermäßige Produktion von LDL sorgt, hat nicht selten genetische Ursachen.

Dr. med. Matthias Kretzschmar, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus Eisenhüttenstadt, kann auf einen Fundus an Erfahrungen zu Herzerkrankungen zurückgreifen.
Kerstin MachtUm Durchblutungsstörungen - als Ursache der von Ihnen genannten Symptome - aufzudecken, kann Ihr behandelnder Arzt eine sogenannte Ischämiediagnostik (Stressechokardiografie, Myokardszintigraphie, Kardio-CT, Stress-MRT) veranlassen. Finden sich hier Hinweise für eine relevante Verengung der Herzkranzarterien, wird im nächsten Schritt eine Herzkatheteruntersuchung vorgenommen.
Neue Schmerzen nach Herzinfarkt
Bereits vor Jahren hatte ich zwei Herzinfarkte, bin aber aktuell nur beim Hausarzt in Behandlung. Jetzt habe ich manchmal in Ruhephasen ein Engegefühl in der Brust. Sollte ich zu einem Kardiologen gehen?
In der Regel sollten Patienten nach einem Herzinfarkt in kardiologischer Betreuung verbleiben. Bei längerfristiger Symptomfreiheit und stabiler überprüfter medikamentöser Therapie kann die Betreuung sicherlich von einem erfahrenen Hausarzt übernommen werden. Das erneute Auftreten möglicher kardialer Beschwerden sollte Anlass sorgfältiger Diagnostik sein.
In Ihrem Falle muss untersucht werden, ob die Beschwerden vom Herzen herrühren oder extrakardial (etwa durch Rückenerkrankungen o. ä.) verursacht werden.Bei akuten Herzbeschwerden in Ruhe muss zum Beispiel ein akutes Koronarsyndrom inklusive eines Herzinfarktes ausgeschlossen werden. Besteht dieses nicht und gibt es auch keine auf der Hand liegenden nicht herzbedingten Probleme, sollte eine erneute Ischämiediagnostik erfolgen, also Durchblutungsstörung der Herzkranzarterien ausgeschlossen werden, die Angina pectoris („Herzenge“) hervorrufen können.
Schon lange habe ich die Diagnose: zu schnelle Herzfrequenz. Dagegen bekomme ich das Medikament Ivabradin. Nach einem Hirninfarkt meines Mannes habe ich noch mehr Bedenken, dass aus meinem falschen Herzrhythmus einmal Vorhofflimmern wird. Wäre es besser, vorbeugend Blutverdünner zu nehmen?
Ivabradin ist unter anderem zur Behandlung der chronischen stabilen Angina pectoris und der chronischen Herzinsuffizienz zugelassen. Es ist nicht wirksam bei fehlendem Sinusrhythmus (wie das bei Vorhofflimmern der Fall ist), daher spricht der Umstand, dass sie dieses Medikament erhalten, erst einmal dafür, dass ihr Grundrhythmus ein Sinusrhythmus und nicht Vorhofflimmern ist.
Nun kann natürlich auch ein Patient, der wegen einer Sinustachycardie mit Ivabradin behandelt wird, in seinem weiteren Leben einmal Vorhofflimmern entwickeln. Daher wird Ihr behandelnder Arzt mit EKG-Kontrollen im Therapieverlauf ein inzwischen aufgetretenes Vorhofflimmern ausschließen und Ihnen Ihre verständliche Sorge nehmen können. In keinem Fall sollte prophylaktisch eine Blutverdünnung erfolgen. Sie würden andernfalls die Nebenwirkungen (insbesondere Blutungsneigung) in Kauf nehmen, ohne dass dem ein für Sie zu erwartender Nutzen gegenübersteht.
Gesünder leben nach Arteriosklerose
Ich habe immer gesund gelebt, gerade was Ernährung oder Bewegung betrifft. Trotzdem hatte ich plötzlich eine so starke Arteriosklerose, dass schnell eine starke Leistungseinschränkung zu bemerken war und ich drei Bypässe bekam. Kann ich nach der Operation jetzt noch gesünder leben, bestimmte Nahrungs- oder Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich nehmen, um den Prozess der Verkalkung nicht weiter zu beschleunigen?
Arteriosklerose ist ein Prozess, bei dem über Jahre Ablagerungen an den Gefäßinnenwänden erfolgen, die Entzündungsprozesse in Gang setzen und zu Verengungen der Arterien mit der Folge einer Durchblutungsminderung führen können. Um das zu verhindern, müssen Risikofaktoren wie erhöhte Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen und Diabetes mellitus konsequent beeinflusst werden.
Durchblutungsstörungen am Herzen machen sich manchmal erst in einem fortgeschrittenen Stadium mit Symptomen wie Atemnot bemerkbar, insbesondere, wenn unspezifische Beschwerden, wie Bauch- oder Rückenbeschwerden oder eben auch Luftknappheit und Leistungsminderung nicht ernst genommen werden.
Auch nach einer Bypassoperation bleibt die Beeinflussung der Risikofaktoren wichtig, damit der Prozess der Koronararteriensklerose nicht weiter fortschreitet. Sorgen Sie gemeinsam mit Ihrem behandelnden Arzt dafür, dass der Blutdruck optimal eingestellt bleibt. Regelmäßig sollte auch das Messen des Cholesterinwertes erfolgen. Der LDL-Wert sollte weniger als 1,4 mmol/l betragen. Das ist nicht selten nur durch Kombination verschiedener Medikamente, jedoch grundsätzlich bei jedem zu erreichen. Im Übrigen können Nahrungsergänzungsstoffen, wie Studien belegen, die LDL-Werte nicht ausreichend senken.




