"Ich wünsche mir gerade in Zeiten, in denen Europa und die internationale Gemeinschaft zunehmend in Frage gestellt werden, mehr Austausch", erklärte Laesicke unlängst im Hauptausschuss. Hinzu komme der wieder aufkeimende Antisemitismus. "Deswegen ist die Stadt Oranienburg bestrebt, ihren Teil zur Versöhnung und Verständigung zwischen den Völkern auf kommunaler Ebene beizutragen, um positive gemeinsame Erfahrungen zu fördern, Freundschaften aufzubauen und zu pflegen", hat Laesicke in die Beschlussvorlage für die Stadtverordneten geschrieben. Und weiter: "Der Austausch von Mitgliedern der Feuerwehr, Auszubildenden der Städte oder die Bildung eines Wirtschafts- oder Tourismusnetzwerkes können neben dem klassischen Austausch von Schulen, Sportvereinen und kirchlichen Gemeinden sowie der Belebung jüdischen Lebens in Oranienburg Bestandteile der Städtepartnerschaft werden."
Israelis signalisieren Interesse
Anknüpfungspunkte bieten für den Bürgermeister bereits bestehende Beziehungen der Gedenkstätte Sachsenhausen, der Polizeihochschule, der Jüdischen Gemeinde und auch des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums (OSZ) nach Israel. Die kreiseigene Bildungseinrichtung pflegt bereits eine intensive Partnerschaft mit einer Schule in Kfar Jona, einer 22 000-Einwohner-Kommune im Zentralbezirk von Israel. Eine Stadt, die nun auch Laesicke im Auge hat. Inzwischen habe die dortige Bürgermeisterin grundsätzliches Interesse an einer Intensivierung der Beziehungen bekundet und Laesicke eingeladen, um ihn kennenzulernen. "Das kann zwar noch nicht als konkretes Angebot einer Städtepartnerschaft verstanden werden, aber als Voraussetzung dafür", schreibt Laesicke in der Beschlussvorlage. Eine Kontaktaufnahme mit anderen Kommunen bleibe eine Option.
Der Hauptausschuss hat das Ansinnen am Montag grundsätzlich und einstimmig begrüßt, aber Bedingungen formuliert. Ralph Bujok (Linke) sagte, eine stärkere Kooperation mit Israel sei wichtig. "Jüdische Mitbürger werden wieder öfter Ziel von Angriffen – von Rechtsextremen und religiös motivierten Angreifern. Dem müssen wir begegnen." Er erwarte aber ein Gesamtkonzept, das nicht zu Lasten der bestehenden Partnerschaften gehe. Ähnlich äußerte sich SPD-Fraktionschefin Jennifer Collin. Ihre Fraktion begrüße die Initiative außerordentlich. "Doch damit werden Ressourcen gebunden. Was soll das alles kosten?" Immerhin liegt Israel nicht gerade um die Ecke. Ein intensiver Austausch müsse auch finanziell untersetzt werden.
Laesicke bot an, ein Konzept, dass auch finanzielle Fragen aufgreift, zum Haushaltsjahr 2021 vorzulegen. Grundsätzlich sollten auch die bestehenden Partnerschaften breiter aufgestellt werden. Seine Stabsstelle habe er dafür entsprechend ausgestattet.

Oranienburgs Partnerstädte


Bislang zählt Oranienburg vier Partnerstädte. Dazu gehören der Pariser Vorort Bagnolet in Frankreich, Melnik in Tschechien, Hamm in Nordrhein-Westfalen und Vught in den Niederlanden.

Ein enges Verhältnis hatten die Oranienburger nach der Wende vor allem nach Hamm. Die Westfalen halfen unter anderem beim Aufbau einer professionellen Verwaltung. Zwei Jahre war von 1991 bis 1993 mit Wolfgang Arps sogar ein Hammer Bürgermeister in Oranienburg.

Für Kfar Jona wäre Oranienburg die zweite Partnerstadt. Die erste ist die kanadische Metropole Vancouver. til