Baupläne
: Lückenschluss an der B 96a in Bergfelde

157 neue Wohnungen sollen an der Bundesstraße 96a in Bergfelde direkt an der Bahntrasse entstehen. Dafür gibt es viel Zuspruch. Direkte Anlieger fürchten aber eine zu enge Bebauung.
Von
Heike Weißapfel
Bergfelde
Jetzt in der App anhören
  • Noch Brachfläche: Rechts schließt das Grundstück an die Bahnstraße und die Sommerstraße an.

    Noch Brachfläche: Rechts schließt das Grundstück an die Bahnstraße und die Sommerstraße an.

    Heike Weißapfel
  • Ähnlich: Die Häuserwürfel, die an der Brückenstraße entstehen, haben auch vier Geschosse, von denen das oberste zurückgesetzt ist.

    Ähnlich: Die Häuserwürfel, die an der Brückenstraße entstehen, haben auch vier Geschosse, von denen das oberste zurückgesetzt ist.

    Heike Weißapfel
1 / 2

Wohnen und einkaufen

Wie die Gebäude genau aussehen werden, steht noch nicht fest. Drei würfelförmige Stadtvillen sind darunter sowie langgestreckte Häuser. Das Gebiet liegt etwa 350 Meter vom Bahnhof entfernt am Rand des Stadtteilkerns. Es wird im Norden durch die Sommerstraße und die Bahnstraße, im Osten durch die Mittelstraße (B 96a) begrenzt. Im Süden und Westen verläuft die Grundstücksgrenze nah an der Bahntrasse.

Um gleichzeitig gegen den Bahnlärm abzuschotten, könnten die Baukörper an der Bahnseite bis zu 50 Meter lang werden, sie sollen aber optisch gegliedert sein. Eine viergeschossige Bebauung mit einer maximalen Höhe von 13,70 Metern ist vorgesehen, wobei das oberste Geschoss gestaffelt ist und  nach hinten zurückgesetzt werden muss, um die Gebäude weniger wuchtig wirken zu lassen.

Grundsätzlich sprach sich niemand gegen den Wohnungsbau aus. Beklagt wurde vor allem, wie nah die Gebäude den Einfamilienhäusern rücken sollen. „Unser Haus steht drei Meter entfernt von der Grenze. Der lange Riegel würde direkt bei uns vor dem Haus enden“, sagte eine Anwohnerin der Bahnstraße. „Hätten wir gewusst, dass neben unserem Anderthalbgeschosser ein viergeschossiges Monster gebaut werden darf, hätten wir dort nie gebaut.“ Der Parkplatz des geplanten Einkaufsmarkts werde direkt an seinen Garten angebaut, erklärte ein Anwohner der Sommerstraße. "Es kann ja niemand garantieren, dass da ein Vollsortimenter hinkommt. Das sind dann die Bausünden die in anderen großen Städten als Brutalismus wieder abgerissen werden.“

Jan Kretzschmar, Geschäftsführer der KW-Development, die die Wohnungen baut, erklärte dazu, zurzeit hätten Rewe und Edeka Interesse angemeldet. Die Entfernung der Bauten vom nächsten Grundstück betrage sieben Meter. Gegen die von den Bündnisgrünen angeregte Dreigeschossigkeit sprach er sich auch aus. „Es sind vier Geschosse, aber dafür mit Fahrstuhl. Es sind viele Bergfelder, die dort einziehen. Sie wollen aus ihrem Einfamilienhaus raus, weil sie nicht mehr in den zweiten Stock kommen“, so Kretzschmar.

Die Ausschussmitglieder sprachen sich deutlich für einen größeren Einkaufsmarkt mit bis zu 1 500 Quadratmetern aus. „800 Quadratmeter Verkaufsfläche sind zu wenig. Damit ist ein Discounter zufrieden. Davon brauchen wir aber keinen zweiten, sondern einen, der anderes zu bieten hat“, sagte Jutta Lindner (SPD). Er hätte den Supermarkt lieber direkt an der S-Bahn gesehen, sagte Oliver Jirka (Bündnis 90/Die Grünen).

Nur bei wenigen Punkten des Änderungsantrags der Bündnisgrünen gingen die anderen Ausschussmitglieder mit – so bei der Forderung nach 20 Prozent Sozialwohnungen und nach einer bienen- und insektenfreundlichen Begrünung.

Die Reduzierung der Autostellplätze auf einen halben je Wohneinheit fiel durch. Dadurch würden die Autos lediglich auf die umliegenden Straßen verteilt, meinte Josef Andrle (SPD).  „Je näher ich am Bahnhof wohne, desto eher kann ich auf ein Auto verzichten, ist eine schwierige These“, fand auch Harald Güther (Stadtverein).

CDU-Fraktionschef Christian Wolff  äußerte Verständnis für die Anwohner. Die Bebauung sei ein Eingriff in ihre Umgebung. Der alte B-Plan sei aber bekannt gewesen.

Bebauungsplan neu aufgelegt

Das Plangebiet ist gut 14 000 Quadratmeter groß. Planungen zu einer Verdichtung an der Stelle gab es seit 1992, doch es kam nie dazu. Der von 1999 stammende B-Plan 1 sah ähnliche Größenordnungen vor, ist aber nicht mehr zeitgemäß. Deshalb hat die Gesellschaft für Planung Umwelt–Stadt–Architektur nun einen neuen erarbeitet, den B-Plan 65. An der Abwägung beteiligten sich 35 Träger öffentlicher Belange und eine Reihe von Bürgern.Die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses empfahlen mehrheitlich  die Abwägung, den Satzungsbeschluss sowie  die Änderung des Flächennutzungsplans. ⇥hw