Bebauungsplan
: Leegebruch fühlt sich von Oranienburg bedrängt

Die Gemeinde befürchtet Auswirkungen durch Oranienburger Bebauungsplan, der große Ställe möglich macht. Bürgermeister Martin Rother (CDU) kündigt Einwendung an.
Von
Klaus Grote
Oranienburg
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Der Leegebrucher Gemeindevertreter Frank Zachau (CDU) appellierte an die Mitglieder des Oranienburger Bauausschusses, dem  Bebauungsplan nicht zuzustimmen.

Klaus D. Grote

Die Nachbargemeinde befürchtet im Falle einer Genehmigung für einen Stall Lärm und Gestank für die Anwohner. Doch davon habe Leegebruch bereits genug, sagte Zachau, dem Rederecht gewährt wurde. Er nannte die Gewerbegebiete in Oranienburg Süd und in Bärenklau sowie die Verkehrstrassen B96 und die Autobahn. „Das Maß der Belastung in Leegebruch ist voll“, sagte Zachau. Der Ort liege in einer Senke, "aller Straßenlärm schallt rein“. Die Gemeinde habe Einwendungen im Bebauungsplanverfahren wegen der Bewältigung der Hochwasserfolgen versäumt, räumte Zachau ein.

Bürgermeister Martin Rother (CDU) bestätigte das auf Anfrage. Die Unterlagen hätten die Verwaltung Anfang 2018 erreicht. Damals war die Birkenallee wegen des Hochwassers sechs Monate zuvor noch gesperrt. „Wir haben das damals nicht mit der notwendigen Gründlichkeit behandelt“, sagt Rother. Auch die Tragweite des Bebauungsplanes für Leegebruch sei zu dem Zeitpunkt nicht erkannt worden.

Lagerplatz für Biomüll

Ähnlich wie beim Hochwasser ist Leegebruch auf die Hilfe der Nachbarn angewiesen beziehungsweise von deren Handeln unmittelbar betroffen. „Ich hoffe auf Verständnis für unsere Situation“, sagte Rother und kündigte eine Einwendung seiner Verwaltung noch vor dem Stadtverordnetenbeschluss am 7. September an. Eine Tierhaltungsanlage passe nicht in die eng besiedelte Region. „Das ist hier kein landwirtschaftlich geprägter Bereich“, sagte Rother. Zachaus Appell klang noch eindringlicher: „Wir wollen einfach nur vernünftig koexistieren. Lassen Sie uns lieber gemeinsam Radwege bauen!“

Zachau führte aus, wie Leegebruch in der Vergangenheit übergangen worden sei. Bei Lärmmessungen für Betriebe in den Gewerbegebieten seien „Taschenspielertricks“ zu Lasten Leegebruchs angewendet worden. Nun droht neuer Ärger: Im Bauausschuss wurde auch bekannt gegeben, dass die Recyclingfirma Grunske an der Veltener Straße ein 9 000 Quadratmeter großes Grundstück zur Zwischenlagerung von Biomüll angemietet habe. Es handelt sich um die Fläche, auf der zuvor eine Klärschlammverbrennungsanlage geplant war. Grunske wolle Biomüll in geschlossenen Containern maximal 24 Stunden lang zwischenlagern. So werde vermieden, dass jedes Müllfahrzeug einzeln nach Grüneberg fahren muss. Der Zwischenlagerplatz würde aber wiederum zu einer zusätzlichen Verkehrsbelastung durch Müllfahrzeuge auf der Veltener Straße führen.

Germendorf dagegen

Bislang hat die Gemeinde Leegebruch lediglich den Ortsbeirat Germendorf auf seiner Seite. Das Gremium votierte vergangene Woche einstimmig gegen den B-Plan. Alle anderen Oranienburger Ortsbeiräte waren mehrheitlich dafür.

Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) erklärte die Notwendigkeit des Bebauungsplans aus Sicht der Stadt Oranienburg. „Wir mussten erklären, warum die geplante Eierfabrik in Zehlendorf nicht möglich war. Wir müssen aber auch erklären, wo es gehen könnte.“ Germendorf habe gleich erkannt, dass es in seine Richtung gehen könnte.

Stadtplanungsamtsleiter Christian Kielczinski sieht die Befürchtungen Leegebruchs hingegen nicht. „Ich habe den Eindruck, der Bebauungsplan wird nicht verstanden.“ Es gebe darin Bereiche, die seien für eine Tierhaltungsanlage nicht auszuschließen. Doch viele der betroffenen Grundstücke seien zu klein oder im Wald. „Die meisten Investoren interessiert das nicht“, sagte Kielczynski. Die notwendigen Abstände für Leegebruch und Germendorf seien berücksichtigt worden. „Es wäre allerdings gut gewesen, Leegebruch hätte sich früher gemeldet“, sagte der Planungsamtsleiter. Er kündigte aber auch an, mit Bürgermeister Rother telefonieren zu wollen, was er am Donnerstag auch tat. Rother zeigte sich nach dem Gespräch ein wenig erleichtert. Kielczynski habe ihm versichert, auch Leegebrucher Interessen berücksichtigt zu haben. Es könne eben nur kein Bebauungplan zur Verhinderung aufgestellt werden. Das hatte Kielczynski auch im Bauausschuss gesagt. Oranienburg und Leegebruch scheinen bemüht, keinen kommunalen  Konflikt zu erzeugen.

Geplante Eierfabrik

Die geplante Eierfabrik in Zehlendorf befindet sich immer noch im Genehmigungsverfahren beim Landesumweltamt. Der Investor hat seinen Antrag noch nicht zurückgezogen. Allerdings wird das Verfahren nicht mehr prioritär behandelt. Das Landesumweltamt bündelt alle Kräfte zum beschleunigten Genehmigungsverfahren für die Tesla-Autofabrik in Grünheide.

Landwirtschaftliche  Flächen, die der Investor für die Realisierung der Eierfabrik als Pachtland benötigte, wurden inzwischen verkauft. Der neue Eigentümer Oliver Wandel schloss bereits im vergangenen Jahr aus, dass er den Hühnerstall für 42 000 Legehennen unterstützt. Die Bürgerinitiative Contra Eierfabrik Oranienburg ist erleichtert, bleibt nach eigenen Worten dennoch wachsam.⇥kd