Die Stadt Kremmen hat Fakten geschaffen. Seit Dienstag ist die Bibliothek am Marktplatz 6 zu Hause. Der rasche Umzug innerhalb von vier Wochen von der Ruppiner Straße 6 ins Zentrum hat viele überrascht – auch die Mitglieder des Ortsbeirats von Kremmen. Sie wären gern dazu befragt worden, war am Montagabend auf ihrer Sitzung im Rathaus von Kremmen zu hören. „Wir haben ein Mitspracherecht“, sagte Ortsvorsteher Eckhardt Koop. Doch die Messen sind gesungen, auch ohne die Zustimmung des Beirats. Ab heute können wieder an zwei Tagen am neuen Standort Bücher ausgeliehen werden

Dauer- oder Zwischenlösung?

Also wurde die Debatte auf etwas anderes gelenkt: Ist die Bibliothek in den ehemaligen Räumen der Drogerie ein Dauer- oder eine Zwischenlösung? Für Bibliotheksleiterin Anita Kißner ist das vorerst egal. Sie sieht die Vorteile des neuen Standorts. „Drei Viertel unserer Kunden sind Rentner. Jetzt sind nur zwei, statt 24 Stufen zu bewältigen.“ Viele ältere Leser hätten den Aufstieg nicht mehr geschafft und keinen oder nur umständlich Lesestoff ausleihen können. Und der Fahrstuhl hätte 130.000 Euro gekostet, informierte Eckhard Koop. Zu teuer. Kißner kann auch mit dem geringeren Platzangebot leben. Statt 127 Quadratmeter sind es jetzt 100.

Bibliothek sollte ins Klubhaus

„Wir halten unsere Qualität. Der jetzige Standort ist keine Verschlechterung“, sagt die Bibliotheksleiterin am Montag dem Beirat. Ersten Rückmeldungen zufolge, seien die Leser vom neuen Standort angetan, gleichwohl hätte sie nichts gegen einen Bibliotheksneubau, wie er im Klubhaus-Verfahren angedacht war. Doch nach jahrelangem Leer- und Stillstand im Klubhaus liegt das jetzt in der Hand des Käufers, der gesucht und vermutlich auch gefunden wurde: Schwantes Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz. Noch ist dazu nichts entschieden.

Nachgeschmack beim Ortsvorsteher

Am Ende der Debatte im Rathaus wurde deutlich, dass der neue Standort in der alten Drogerie für den Ortsbeirat keine Dauerlösung sein kann. „Wir würden uns freuen, wenn sie einmal im Klubhaus zu finden sein wird“, fasste Koop zusammen und fügte seine persönliche Ansicht zur Sache an. Denn die Idee zum Umzug der Bibliothek in die alte Drogerie hat Karl-Dietmar Plentz der Bibliotheksleiterin vorgeschlagen, wie sie am Montag bestätigte. Sie sei mit der Idee dann zum Bürgermeister gegangen. „Für mich hat das einen kleinen Geschmack“, sagt Eckhard Koop. Denn so müsse Plentz als künftiger Klubhausbesitzer keine neue Bibliothek bauen.

Suche geht weiter

Wie eine moderne Bibliothek aussehen sollte, hatte vorher Katy Lühder vom Ortsbeirat erläutert. Wenn Kremmen, wie sie ausgerechnet hat, bis 2030 um knapp 2000 auf rund 9700 Einwohner wächst, „bräuchten wir eine Bibliotheksfläche von 150 Quadratmetern, um die ganzen Medieneinheiten unterzubringen.“ Zudem sollte es eine offene Grundrissgestaltung sowie behindertengerechte Toiletten und einen barrierefreien Zugang geben. Lühder: „Der jetzige Standort kann nur eine Übergangslösung sein. Wir sollten auf der Suche nach einem besseren Standort bleiben.“
Die ersten Kunden am neuen Standort seien jedenfalls „sehr zufrieden mit dem Umzug“, sagte Anita Kißner am Dienstag. Zwar gebe es nach wie vor wegen Corona nur eine kontaktlose Ausleihe, nach telefonischer Anmeldung, aber die Reaktionen seien „durchweg positiv ausgefallen“, so Kißner. Sie wünscht sich aber langsam mehr Normalität, um ihre Kunden wieder richtig betreuen zu können.

Info: Geöffnet ist die Stadtbibliothek an zwei Tagen. Dienstags von 9 bis 12 und von 14.30 bis 19 Uhr, donnerstags von 9 bis 12 und 14.30 bis 18 Uhr. Anmeldung unter 033055 70673.