Bildung in Oberhavel: Hilfe, mein Kind hängt nur am Handy! Was Eltern tun können

Mediennutzung von Kindern: Ein Junge spielt ein Videospiel auf seinem Smartphone und überträgt es mit einem zweiten Handy zu seinem Freund. Das kann Stunden dauern und das Alltagsverhalten massiv verändern. Doch es gibt Hilfe für Betroffene.
Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa- Kinder in Oberhavel verbringen zunehmend mehr Zeit am Handy, bis zu 8 Stunden täglich.
- Experten wie Kerstin Butenhoff empfehlen Eltern, sich Medienkompetenz anzueignen und Risiken zu besprechen.
- Andreas Brandt beobachtet negative Auswirkungen wie eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und fehlende Feinmotorik.
- Eltern sollten Kinder in Alltagsaufgaben einbeziehen und verantwortungsvollen Umgang mit Handys fördern.
- Info-Abend zum Umgang mit sozialen Medien am 10. Dezember in Velten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Manche Kinder und Jugendliche nutzen ihr Handy länger, als die Eltern in der Regel arbeiten. Acht Stunden Bildschirmzeit sind bei 12- bis 14-jährigen Mädchen und Jungen zwischen Glienicke, Velten, Oranienburg und Zehdenick heute keine Seltenheit – vor allem in den Ferien.
Dieses Phänomen wird in Jugendclubs genauso wie an den Schulen in Oberhavel beobachtet. Was Eltern dagegen tun können, weiß Kerstin Butenhoff, die als Digital-Coach und Social-Media-Expertin arbeitet. Sie gibt demnächst einen Info-Abend in Velten. Auch Jugendclubleiter Andreas Brandt aus Glienicke gibt Tipps.
Expertin aus Ahrensfelde gibt konkrete Hinweise
Die Expertin Kerstin Butenhoff weiß Bescheid. Sie hat selber zwei Kinder „durchs Internet“ gebracht. Deshalb kennt sie die Risiken des weltweiten virtuellen Netzes ohne Boden nur zu gut. Verbieten will sie den Kindern die Nutzung der Handys aber nicht.
„Der Umgang damit muss gelernt werden“, rät sie Eltern, sich zu informieren und sich beraten zu lassen. „Eigene negative Erfahrungen, die gesammelt wurden, reichen dabei leider nicht immer“, weiß die Ahrensfelderin.
Crash-Kurs für Eltern in Velten
Wichtig sei auch, mit den Kindern und Jugendlichen über mögliche Gefahren und Risiken zu sprechen. Sie plädiert für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Handy, damit Kinder und Jugendliche richtig auf gezielte Falschmeldungen sowie auf TikTok-Challenges und Cyber-Mobbing reagieren können.
Sie gibt in ihrem Crash-Kurs auch Tipps bei Kettenbriefen (nie weiterleiten) und Aufforderungen, intime Bilder zu verschicken (niemals), und nennt Hinweise zum Suchtverhalten. Kerstin Butenhoff erklärt auch, wie das Handy der Kinder eingestellt werden sollte.
Welche Verhaltensänderungen durch die übermäßige Nutzung von Handys bei Kindern und Jugendlichen entstehen können, beobachten Andreas Brandt und sein Team täglich bei der Arbeit. Brand leitet den Jugendclub „First Floor“ in Glienicke.
„Die Aufmerksamkeitsspanne bei Kindern und Jugendlichen ist sehr kurz“, hat er festgestellt. Er nennt auch ein Beispiel für fehlende Feinmotorik bei vielen Kinder: „Die Fähigkeit, mit dem Messer eine Pizza zu teilen, haben einige gar nicht darauf“, beschreibt Brandt. Er führt das unter anderem auf die lange Bildschirmzeit der Kinder und Jugendlichen zurück.
Eltern sollen Kinder in den Alltag einbeziehen
Brandt appelliert an die Eltern, die Kinder bei den Dingen des Alltags mit einzubeziehen. Dazu zähle beispielsweise auch das richtige Einräumen eines Geschirrspülers. Nicht selten werden im Jugendclub die Teller gestapelt und die Tassen mit der Öffnung nach oben hineingestellt.
Die Digital-Coachin Butenhoff und der Sozialpädagoge Brandt nennen das auch mangelnde Lebenskompetenz, für in erster Linie Eltern und nicht Lehrer und Erzieher die Verantwortung hätten.
Statt Tipps von Eltern – Kinder suchen Hilfe bei YouTube
Vielleicht würden sich die Kinder aber auch nur dumm anstellen, weil sie keine Lust hätten, im Haushalt mitzuhelfen, nennt Butenhoff einen anderen möglichen Grund für die angebliche Unkenntnis. „Wenn es sie interessiert, schauen sie ohnehin bei YouTube nach, wie ein Geschirrspüler richtig eingeräumt wird“, weiß sie aus Erfahrung.

Kersten Butenhoff kennt sich in der digitalen Welt aus. Sie weiß, wie soziale Netzwerke wie TikTok, Instagram, Snapchat und Co funktionieren.
Sandra SchürmansWeder Brandt noch Butenhoff wollen die aktuellen Beobachtungen beim Umgang von Kindern mit Handys verallgemeinern und an den Pranger stellen. Sie wollen aber auf Tendenzen und Entwicklungen hinweisen. Die Digital-Coachin fordert deshalb die Eltern auf, sich und ihren Kindern Medienkompetenz anzueignen, damit alle sicher durchs Netz klicken können.
Lernen in der virtuellen Welt – so werden die Schulen in Oberhavel bewertet
Die Umfrage „Bildungskompass“ haben die Märkische Oderzeitung und die Lausitzer Rundschau gemeinsam mit der Südwest Presse (Ulm) bei der Agentur „Die Mehrwertmacher“ in Auftrag gegeben.
Die digitale Ausstattung der Schulen in Oberhavel bekommt in unserer Umfrage die Note 3,09 – also befriedigend.
Nur jeder zweite Befragte sagt, dass selbstständiges Lernen an der Schule sehr gut oder gut vermittelt wird.
Mehr als jeder zweite Befragte bemängelt, dass Kinder und Jugendliche in den Schulen in Oberhavel nicht gut auf den weiteren Lebensweg vorbereitet werden.
Der Glienicker Sozialpädagoge Andreas Brandt unterstützt diese Idee, hat aber noch weitere Vorschläge gegen den Dauerkonsum am Handy. „Wir bieten als Gegenpart das analoge Leben im Club an“, sagte er kürzlich beim Besuch des Sozialausschusses im Jugendclub. So soll beim Essen das Handy zur Seite gelegt werden.

Live im Leben: Im Jugendclub „First floor“ in Glienicke werden bewusst analoge Angebote wie Musikmachen als Alternative zum Handykonsum gemacht. Der Weg zum Musikraum ist deutlich ausgeschildert.
Jürgen LiebezeitZum Nachtisch wird dann zum Beispiel im Musikraum mit Instrumenten Musik gemacht. Auf der Freifläche unter dem Club sind diesen Sommer Hochbeete für Gemüse und Kräuter angelegt worden. Die Ernte wurde gemeinsam in der Küche zubereitet. Brand und sein Team nennen diesen Ansatz „Leben lernen“.
Angst vor Pädophilen: Club stellt Chat bei Online-Spielen ab
Im Jugendclub ist das Handy nicht generell verboten. Es gibt sogar Computer für Online-Spiele. Allerdings ist die Chat-Funktion dabei deaktiviert. Kriminelle aus der pädophilen Szene nutzen diese virtuellen anonymen Räume, um mit falscher Identität und verlockenden Angeboten in Kontakt mit leichtgläubigen Kindern und Jugendlichen zu kommen.
Kerstin Butenhoff bietet am Dienstag, 10. Dezember, im Kommunikationszentrum Velten, Bibliotheksgasse 1, einen kostenfreien Info-Abend zum Umgang mit sozialen Medien wie TikTok, Instagram und Facebook an. Beginn ist um 18.30 Uhr. Die Expertin erzählt auf Einladung der Stadt, was Eltern über soziale Netzwerke wissen müssen, um ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Netzinhalten zu ermöglichen. Sie beantwortet auch Fragen der Eltern, die sich für den Medien-Abend unter der E-Mail-Adresse stadtinfo@velten.de oder telefonisch unter der Nummer 03304 379148 anmelden sollten.


