Bildung
: Weiße Stadt oder Lehnitzstraße? Debatte um Standort für neue Schule geht weiter

Oranienburg braucht eine weitere dreizügige Grundschule in der Innenstadt. Offen ist aber weiter, wo sie gebaut werden soll.
Von
Friedhelm Brennecke
Oranienburg
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Die Stadtverwaltung hat ein Areal zwischen Lehnitzstraße und Havel im Auge. Der Standort ist aber umstritten und radioaktiv belastet.

Klaus D. Grote

Die Stadtverwaltung schlägt als einen möglichen Standort ein städtisches Gelände an der Lehnitzstraße vor. Es liegt zwischen dem ehemaligen Klärwerk und dem Garagenkomplex am Lindenring, direkt an der Havel. Da sich auf diesem Terrain der einstige Auer-Hafen als Umschlagplatz für Monazitsande befand, gilt die Fläche als besonders strahlenbelastet. Der Kernbereich ist am stärksten radioaktiv kontaminiert und deshalb auch abgesperrt.

„Bevor wir dort konkret über Baupläne nachdenken, benötigen wir ein umfassendes Altlastengutachten, aus dem genau hervorgeht, was zu tun ist, um diese Flächen als Schul- und Wohnungsstandort zu nutzen“, sagt Baudezernent Frank Oltersdorf (SPD). Da eine Bodensanierung eine kostspielige Angelegenheit ist, setzt die Stadt dafür auf Fördermittel.

Da hinreichend große Flächen für eine dreizügige Grundschule in der Innenstadt rar sind, gehe es zunächst nur darum, das gut 4,1 Hektar große Areal an der Lehnitzstraße planungsrechtlich zu sichern, so Oltersdorf. Dazu hat die Verwaltung den Bebauungsplan Nr. 137 „Schule und Wohnen Lehnitzstraße“ vorgelegt. Gegen die Stimmen der Linken haben der Bau-, Bildungs- und Sozialausschuss dem Aufstellungsbeschluss zugestimmt. Neben der neuen Grundschule könnten dort statt der vorhandenen Garagen noch rund 180 Wohneinheiten entstehen, so die Überlegung der Verwaltung.

„Das ist der falsche Standort für eine Grundschule“, sagt Enrico Geißler (Linke), weil der Einzugsbereich zu klein sei und die Havelschule sich in der Nähe befinde. Ferner könne es noch Jahre dauern, bevor die Altlastenproblematik dort geklärt sei. Solange lasse sich der Bau einer neuen Grundschule aber nicht mehr aufschieben. "Der tatsächliche Bedarf für eine neue Grundschule ist in der Weißen Stadt gegeben“, sagt Geißler.

Nachdem die Stadtverordneten Pläne der Deutschen Seniorenresidenz abgelehnt haben, dort ein Altenheim zu bauen, stehe das städtische Grundstück für einen Schulneubau zur Verfügung. „Sollte das Gelände dafür zu klein sein, könnte auf den letzten Bauabschnitt der Woba zugunsten der städtischen Pläne verzichtet werden“, regte Geißler im Bildungsausschuss an. Die Woba will in der Weißen Stadt in mehreren Abschnitten insgesamt mehr als 300 Wohnungen errichten. Mit dem  ersten Bauabschnitt für 80 Wohnungen ist gerade begonnen worden.

Baudezernent Oltersdorf kündigte in den Gremien an, die Verwaltung werde im September einen weiteren Aufstellungsbeschluss für einen Schulneubau – ähnlich dem jetzigen für die Lehnitzstraße – für die Weiße Stadt vorlegen.  „Damit schaffen wir eine doppelte Sicherheit“, sagt Oltersdorf. Das sehen auch die Fraktionen von CDU und SPD ähnlich.

„Es macht Sinn, einen Schulstandort an der Lehnitzstraße zu planen. Denn in dem Umfeld entstehen gerade viele neue Wohnungen, in denen sicher auch zahlreiche Kinder leben werden“, so SPD-Fraktionschef Dirk Blettermann. Wenn sich mit Fördermitteln die Altlastenproblematik an der Lehnitzstraße beseitigen lasse, sei außerdem viel gewonnen, argumentiert er.

Werner Mundt, Fraktionsvorsitzender der CDU, sagte im Bildungsausschuss: Mit dem aktuellen Aufstellungsbeschluss schlage die Stadt zwei Fliegen mit eine Klappe. Erstens werde das Altlastenproblem dort endlich  angepackt und zum anderen ein Schulstandort gesichert. „Wenn wir das im Herbst auch noch für die Weiße Stadt beschließen, ist das kein Widerspruch zum jetzigen Beschluss“,  so Mundt. Einer von beiden dann gesicherten Standorten komme für die neue Grundschule auf jeden Fall in Frage. „Und sollten die Schülerzahlen weiter so kräftig steigen wie bisher, müssen wir vielleicht sogar über die Bau von zwei Grundschulen nachdenken – in der Weißen Stadt und in der Lehnitzstraße“, will Mundt  nicht ausschließen.

Prozedere

■ Alle Ausschüsse haben dem Aufstellungsbeschluss "Schule und Wohnen an der Lehnitzstraße mehrheitlich zugestimmt.

■ Der Hauptausschuss befasst sich am 8. April mit den Plänen. Am 29. April müssen die Stadtverordneten darüber entscheiden.⇥(bren)